(M)Ein Moment der Unachtsam(Gedankenlosig)keit

Ich bin wirklich die schlechteste Mutter der Welt… zumindest war ich heute morgen fest davon überzeugt! Anders kann ich es mir nicht erklären, dass es dazu kommen konnte, dass meine kleine (13 Monate alte) Tochter heute morgen bis zur Hüfte in Badewasser sitzt – allein! Und das alles nur, weil ich aus purem Egoismus mal in Ruhe duschen wollte!

Aber mal in Ruhe von vorn. Mausemaus findet Wasser toll. In jeglicher Form. Als Tropfen oder Strahl, von oben, von unten oder überall. Sie findet es sogar witzig, den letzten Schluck Wasser aus der Trinklernflasche wieder aus dem Mund heraus und über das Kinn laufen zu lassen. Daher geht duschen in ihrer Anwesenheit gar nicht – ständig werden die Duschtüren aufgezogen (geht bei uns von beiden Seiten) und eine kleine Hand patscht im Wasser, wenn nicht der ganze kleine Körper, der zur Hand gehört, einfach gleich mit in die Dusche klettert. Also kam ich heute Morgen auf die glorreiche Idee, Mausemaus in die Badewanne zu setzen, da sie da schlecht heraus und in die Dusche hinein krabbeln kann. Ich habe alles an Randdeko (Duschbad, Shampoo, Rasierer…) weggeräumt und nur ihr Badespielzeug stehen gelassen. Und den Abfluss mit diesem Metallstöpsel verschlossen, weil Mausemaus ja nicht mit ihren Fingerchen darunter langen sollte. Und den Wasserhahn hab ich auf “warm” gestellt, falls sie doch auf die Idee kommt, daran rum zu spielen. Und bin selbst duschen gegangen. Ich muss nicht erwähnen, dass man die Badewanne von der Dusche aus nicht einsehen kann…

Alles ging gut. Es klödderte immer wieder in der Wanne, wenn Mausemaus ihr Spielzeug runter fallen ließ. Plötzlich wurde mein Duschwasser etwas kühler (das geht bei uns recht schnell, da muss nur jemand die Klospülung bedienen). Also schaute ich schnell nach Mausemaus, ob sie eventuell den Wasserhahn aufgedreht hat. Hatte sie. Aber eben schon vor einer ganzen Weile, denn dank des verschlossenen Abflusses saß Mausemaus bereits bis zur Taille im warmen Wasser und plantschte vergnügt was das Zeug hielt! …

Nicht auszudenken, was hätte passieren können, zumal kleine Kinder sich ja nicht wehren, wenn sie unter Wasser sind! Mein Herz fing nicht wie wild an zu klopfen, es setzte kurz aus… Ich sprang natürlich sofort aus der Dusche und riss mein Kind aus dem Badewasser. Mausemaus verstand natürlich nicht, warum sie nicht weiter plantschen konnte. Ich dagegen war entsetzt über meine eigene Gedanken-/Sorglosigkeit! Das passiert mir natürlich nie wieder… Aber es gibt eben Unfälle, die passieren nur ein Mal und dann ist es schon zu spät für Reue.

Was für ein Schreck am Morgen! Da war meine Paranoia ja nicht ganz unbegründet… aber das ich selbst die Ursache sein könnte, hatte ich so nicht berücksichtigt.

Der 1. Geburtstag – was wünscht man sich (mehr)? (Teil 2)

Zwar ist der erste Geburtstag von Mausemaus bereits vorbei, da ich aber noch andere kleine Wonneproppen kenne, die demnächst zum ersten Mal Geburtstag haben, ließ mich die Frage nach einem geeigneten Geschenk für diesen ersten Jahrestag im Leben eines Kindes nicht in Ruhe.

Also googlete ich ein wenig und fand beispielsweise die Geschenkvorschläge von ABC-Kinder, die ich alle so unterstreichen könnte. Hier ein kurzer Auszug meiner Favoriten (für die komplette Liste verweise ich auf obigen Link):

  • ein Schaukeltier
  • Spielfiguren aus Kunststoff oder Holz
  • eine „mitwachsende” Babyschaukel für draußen (oder mit Türklammer auch für drinnen)
  • ein Rutscheauto
  • Sandspielzeug (nebst Sandkasten, falls nicht vorhanden)
  • ein eigenes Obstbäumchen oder ein Obststrauch mit praktischer Erntehöhe für Kinder (das ist allerdings ein gutes Geschenk für alle Alternsgruppen, wie ich finde)
  • altersgerechtes Badewannenspielzeug
  • Bücher zum Fühlen
  • falls noch nicht vorhanden: der erste Hochstuhl
  • (Gutschein für) Kleidung oder ein paar Schuhe (das geht auch immer)
  • eine Messlatte für an die Wand (besonders schön, wenn selbstgemacht!)

Eher problematisch finde ich Gutscheine für Eltern-Kind-Kurse, wie bei mamatipps zu finden. Da sollte man sich vorher genau informieren, ob die Eltern des Geburtstagskindes überhaupt Interesse an einer solchen Veranstaltung haben und wenn ja, dann an welchem Kurs ganz genau, sonst kann der teure Gutschein für den örtlichen Babyschwimmkurs auch daneben gehen.

Eine weitere Idee für Einfallslose Ideensuchende wäre die bewährte, wenn auch etwas langweilige, Amazon-Wunschliste. So wird ganz sicher nichts geschenkt, was nicht gewünscht ist. Zum Glück kann man aber selbst bei dieser Wunschliste etwas Spielraum für Fantasie lassen, indem man nicht den Artikel selbst auf der Wunschliste verlinkt, sondern die Notizfunktion in Anspruch nimmt, und lieber grob beschreibt, was man sich wünscht (bspw. Nachtlicht in Tierform, oder so).

Heute ging mir noch eine Idee durch den Kopf, als Mausemaus wieder vergnügt und hoch konzentriert den Klebeverschluss der Feuchttücher abknibbelte: kleine, bunte Wandtattoos auf Kopfhöhe, also Kindskopfhöhe, sind sicher auch der Renner.

Für Mausemaus war das Highlight, wie schon erwähnt, die bedeckelte Pappbox (meine derzeitige Empfehlung als Geschenk für ein(e) Einjährige(n), hihi).

Achja, und falls euch zufälligerweise noch ein 5. Geburtstag bevorsteht, schaut doch bei Susanne vom Geborgen Wachsen vorbei, sie hat kürzlich nicht nur über schöne Ideen zum 5. Geburtstag geschrieben, sondern auch ihre “Schenk-Regeln” für Kindergeburstage vorgestellt.

Der 1. Geburtstag – was wünscht man sich (mehr)? (Teil 1)

Wie schnell die Zeit vergeht… Eben noch ein Baby und schon feiert man den ersten Geburtstag! Nicht nur wir Eltern fragten uns selbst, was man Mausemaus wohl anlässlich dieses Feiertages schenken könnte (neben all den Zwischendurch-Kleinigkeiten, die es ja sowieso immer wieder gibt), auch die Großeltern, Paten und nahen Freunde wollten gern etwas Schönes beisteuern. Doch was kann man denn noch gebrauchen?

Unser eigenes Geschenk nutzte letztendlich der ganzen Familie: ein gebrauchter, aber fast neuer, Fahrradanhänger. Nun können wir zu dritt kleine Radtouren unternehmen oder einfach den Radius der Schlafrunden erweitern (inkl. Fitnesstraining und Sonnenbrandbank für Mama).

Und von Großeltern und Freunden bekam Mausemaus schließlich ebenfalls wirklich schöne Geschenke: eine selbstgenähte Puppe mit passendem Korbwagen, Plüschkegel inkl. Plüuschkugel (ja, so etwas gibt es wirkling – zum Kegeln eben…), ein Buch mit Klappbildern (davon kann man ja nie genug haben), Fingerpuppen und ein Buch mit jeder Menge Fingerspiele, ein selbstgenähter Rock (der glücklicherweise noch etwas zu groß ist und wahrscheinlich erst passen wird, wenn Mausemaus aufrecht geht), ein Kirschkernkissen (ebenfalls selbst genäht) in einer bunten, stabilen Pappbox, ein Bällebad (Planschbecken inkl. Bälle, allerdings viiiieeeel zu wenige, da muss noch erweitert werden), CDs mit Songs von Pink und Robbie Williams im Spieluhrenstyle (abgefahren, aber ich finde es irgendwie witzig… jetzt fehlt noch eine kleine Stereoanlage im Schlafzimmer, dann können Pink und Robbie uns ausnahmsweise mal beim Einschlafliedersingen und -summen ablösen) und auch ein wenig Geld für Mausemaus (wurde in einen Sommerschlafsack und einen Sonnenschirm für den Kinderwagen investiert).

Und was fand Mausemaus am tollsten? Die bunte Pappbox, weil man so schön mit dem Deckel spielen und die Ecken anknabbern kann (bisher halten sie stand!)…

Was lernen wir daraus? Manchmal ähnlen sich Kinder und junge Haustiere so sehr, dass ein Pappkarton schon als Spielzeug für Stunden ausreicht und alles andere links liegen gelassen wird.

PS: Da ich mir für andere baldige Einjährige selbst Gedanken machen musste, folgt im nächsten Post meine Ausbeute an weiteren Geschenkideen zum Ersten Geburtstag.

Paranoia einer Mutter

Ich komme gebürtig aus DER Großstadt Deutschlands und habe dort bis vor einigen Jahren gelebt, studiert und mich verliebt. Und als Großstadtpflanze wird man (zumindest geht es mir so) ein wenig misstrauisch seinen Mitmenschen gegenüber. Zum Beispiel würde ich mein Fahrrad nie unangeschlossen irgendwo herumstehen lassen. Und dunkle Gassen waren und sind mir immer noch sehr unheimlich. Das Smartphone bleibt nie im Auto liegen, denn “Gelegenheit macht Diebe”.

Seit ich schwanger und monatespäter Mutter geworden bin, grenzt mein Misstrauen an Paranoia. Ich wohne mittlerweile in einem eher kleinen, konservativen Ort und dennoch, wenn ich beispielsweise nach dem Einkauf im Supermarkt den Einkaufskorb wegbringe und Mausemaus für diese Minute in ihrem Kindersitz im unabgeschlossenen (gibt’s das Wort überhaupt?) Auto wartet, denke ich schon daran, dass ich ja eigentlich Kidnappern (Auto)Tür und Tor öffne (aus dem selben Grund würde ich übrigens niemals die Namen meiner Kinder in Großbuchstaben auf die Heckscheibe kleben). Kinderwagen und Fahrradanhänger tragen wir auch lieber ins Obergeschoss, als diese gut einsehbar im Carport unterzustellen…

Oder ein anderes Beispiel, ich bin selbst Autofahrerin und auch wenn mir nie etwas derartiges passiert ist, hoffe ich beim Spaziergang mit Kinderwagen, dass das entgegenkommende Auto ja in der Spur bleibt und nicht urplötzlich auf den Bürgersteig ausbricht und in uns beide hineinfährt (warum, bitte, sollte es das tun?!).

Achja, und den stofflichen Dingen traue ich auch nicht mehr uneingeschränkt. Letztens ging ich mit Kind und -wagen über eine kleine, hölzerne, zugegebenermaßen stabile Fußgängerbrücke und überlegt dennoch kurz, wie ich es wohl am sinnvollsten anstellen sollte, falls jetzt plötzlich die Brücke zusammenbrechen und uns in das Wasser des Kanals befördern sollte…

Verrückt, oder? Geht es euch anderen Mamas manchmal auch so?

Andere, zukünftige Ängste sind wohl eher normal für eine Mutter, dass Mausemaus nicht mit Drogen zu tun bekommt, nur Menschen kennenlernt, die ihr gut tun und sie auf dem “rechten Weg” bleibt (um mal Rotkäppchen zu zitieren)…

Rolling the Blogroll oder Welche Blogs auf meiner Liste sind wirklich meine Favoriten?

Ich kenne schon viele und stoße immer wieder auf neue, überaus lesenswerte Blogs mit völlig unterschiedlichen Themen. Aber welche davon möchte ich, beispielsweise hier, weiterempfehlen?

Erste Möglichkeit: Blogs, deren Beiträge ich in meinen eigenen Posts verlinke, scheinen mich immerhin inspiriert zu haben oder wir schwimmen themenmäßig auf einer Welle – also für andere Wellenreiter empfehlenswert.

Zweite Möglichkeit: Momentan komme ich gefühlt zu nichts. Eigene Blogbeiträge zu schreiben, beispielsweise. Blogbeiträge meiner abonnierten Blogs zu lesen gehört leider ebenfalls dazu. Wie gut, dass es Hilfsprogramme wie bloglovin gibt, die alle ungelesenen Beiträge meiner abonnierten Blogs einfach auflisten und es mir jederzeit später ermöglichen, das Verpasste nachzuholen. Heute waren es über 250 Beiträge! Und jetzt kommts: Die Blogs, deren Beiträge ich nun unbedingt als erstes lesen muss, bevor ich  alle anderen durchstöbere (denn wer weiß, wie lange diese freie Zeit anhalten wird), sind dann wohl meine derzeitigen Favoriten.

Einen Haken hat diese Art der Auswahl allerdings: Blogger, die ich zwar sehr gern lese, die aber derzeit ebenso wie ich kaum zum Bloggen kommen, fallen mit Methode 2 unter den Tisch… Es gibt also noch Verbesserungsbedarf bei der Nominierung zum Blog-Oscar…

 

Gedanken zum Mutter(schafts)tag

Es ist mein zweiter Muttertag. Diesmal habe ich die Ruhe, über diesen Feiertag nachzudenken. Obwohl, ein Feiertag im offziellen Sinne ist er ja nicht. Ursprünglich wirklich zu Ehren der Mutterschaft ins Leben gerufen, ist er hier bei uns vor allem als Sonderöffungstag für Blumengeschäfte eine Rolle. Ein wenig im Netz gesurft und man findet vor allem Tipps für die besten Muttertagsgeschenke (Beispiellinks spare ich mir hier) und Textnachrichten, aber auch Erzählungen von Müttern, die schon viele Muttertage erlebt haben und davon, was andere von ihren Müttern gelernt haben. Es gibt allerdings auch die Bestrebungen Mutter- und Vatertag abzuschaffen und einen geschlechtsneutralen Elterntag einzuführen

Und was bedeutet dieser Tag für mich?

Ehrlich gesagt, gar nichts. Also zumindest dieses Datum und den kommerziellen Hintergrund. Ist ein wenig so wie Valentinstag (mein Mann bringt mir auch so immer wieder mal Blumen mit und zeigt mir seine Liebe). Und jede Mutter hat ihren persönlichen Muttertag doch, oder? Manche sogar mehrere. Mein ganz persönlicher Mutter(schafts)tag liegt beispielsweise im April und wird ebenfalls jedes Jahr gefeiert (werden) – zusammen mit dem Geburtstag meiner Tochter, der ja auch irgendwie mein GEBURTstag ist, oder?
Und was meine Gefühle und Gedanken zur Mutterschaft angeht… Nun, die sind hier sowieso immer wieder Thema, im Guten wie im Schlechten Nachdenklichen, auch dafür brauche ich keinen speziellen Tag (wäre ja nicht auszudenken, wenn man sich nur einmal im Jahr zu seiner Mutterschaft äußern dürfte).

Und wie seht ihr das?

{Rückblick} Wie schön, dass du geboren bist – Die Geburt

Als ich den Blogpost zum Thema Geburtserlebnis von Anja (vonguteneltern) laß, wußte ich, dass ich endlich über mein Geburtserlebnis schreiben wollte. Rückblickend, ohne die Hormone, die ja normalerweise die Erinnerungen einer Mutter an die Geburt verklären. Und als eine Art Tagebucheintrag (also auch recht ausführlich). Als Gedankenstützen dienten mir hierfür meine Kalendereintragungen zur Zeit der Geburt, sowie das Geburtsprotokoll aus der Frauenklinik. Und nein, ich habe meine Geburt nicht “vergessen” und möchte trotzdem noch mindestens ein zweites Kind! Allen werdenden Müttern unter euch würde ich empfehlen, sich genau zu überlegen, ob ihr Geburtsberichte lesen wollt oder euch lieber nur die Kurzfassungen eurer besten Freundinnen (eigene Mütter eignen sich hier manchmal nicht) anhört. Nachher ist es immer leichter zu sagen: “GSD, bei mir war es nicht so schlimm!” Oder aber “GSD, dann wird meine nächste Geburt sicher auch viel leichter!” Susanne, vom Blog Geborgen Wachsen schlägt sogar vor, vor der (ersten) Geburt möglichst nur positive Geburtsberichte zu lesen/hören, um das Selbstvertrauen in die Geburt aus eigener Kraft nicht zu schmäler. Denn vor der Geburt lässt frau sich im Zweifel verunsichern und das wäre doch echt schade, wo jede Geburt so einzigartig ist!

***

Nun aber zu unserer Geburt: Meine Tochter wurde am ersten wirklichen Frühlingstag unserer Gegend im April 2013 geboren. Ich hatte mich im Vorfeld zu einer Geburt im Geburtshaus entschieden, weil ich eine ruhige und “natürliche” Geburt für uns wollte (nach Abwägung der Vor- und Nachteile zwischen Geburtshaus und Kreißsaal) und ich mich wohler fühlte mit einer Hebamme, die mich, wenn nötig, auch bei einer Hausgeburt oder im Kreißsaal begleiten würde. Es kam alles ein bisschen anders als geplant, aber ich fange am besten von vorn an.

Dienstags, 5:30 – noch eine Woche bis zum errechneten Geburtstermin
Ich wachte auf, weil ich plötzlich nass zwischen den Beinen wurde – mir schlug das Herz bis zum Hals! Geht es jetzt los? War das der Blasensprung? Es war für meine Begriffe viel Flüssigkeit, kein wahrer Dammbruch, aber ich hätte ja auch (noch) keinen Vergleich.
Ich schlief schon seit Tagen im Gästezimmer (und Schlafzimmer im Wechsel), weil ich nirgends mehr so richtig gut liegen konnte. Also lief ich schnell ins Bad, um mir einen genaueren Überblick zu verschaffen, bevor ich alle Pferde, also meinen Mann, scheu machen würde. Die Flüssigkeit war farblos (keine Spur von Blut), geruchlos und von der Konsistenz wie verflüssigtes Gel. Sonst spürte ich nichts, keine Wehen, kein Ziehen… Für den Rest des Morgens kroch ich, nach einer kurzen Info, zum werdenden Vater unter die Decke.
Das CTG am späteren Vormittag bei der Frauenärztin zeichnete dann auch nur leichte Wehen auf und die Untersuchung bestätigte einen fest verschlossenen Muttermund. Heute morgen war also “nur” der Schleimpropf abgegangen. Jetzt hieß es: Warten. Vorsichtshalber besorgte ich mir diese pH-Streifen in der Apotheke, mit denen sich leicht feststellen lässt, ob es sich um Fruchtwasser handelt (saurer pH, der Teststreifen verfärbt sich grün-bläulich) oder nicht (also Schleimpropf). Bei mir hieß es weiterhin “oder nicht”.

Nacht von Mittwoch auf Donnerstag – beginnende Wehen
Nachdem der Dienstag und Mittwoch zwar spannend aber unspektakulär verliefen, hatte ich nun die ganze Nacht über Wehen. Alle 4-10 Minuten für 20-40 Sekunden. Die Wehenwellen waren jetzt nicht sooo schmerzhaft, eher wie ziemlich starke Regelschmerzen, aber eben stark genug, dass ich nicht mehr liegen, geschweige denn schlafen konnte. Einzig im Wohnzimmersessel konnte ich mit hochgelegten Beinen noch etwas dösen, aber erholsam war diese Zeit nicht. Außerdem war ich natürlich aufgeregt und horchte die ganze Zeit in mich hinein.

Donnerstags – Geburt
Morgens fuhr mein Mann mich zur Frauenärztin. Im CTG sah man auch die Wehen schön regelmäßig. Mein Muttermund sei nun 1,5-2cm geöffnet. Heute könnte also DER Tag sein. Das Telefonat gegen 11:00 mit meiner Hebamme war ernüchternd kurz: “Ist grad schlecht – sind die Schmerzen noch auszuhalten?” Ja, ging wohl noch… danke der Nachfrage… (Später sollte sich rausstellen, dass sie gerade mit einer anderen Frau aus unserem Vorbereitungskurs zum ungeplanten Kaiserschnitt in die Klinik fahren musste, als ich sie anrief.)
In den nächsten Stunden wurden die Wehen kräftiger, aber an Dauer und Häufigkeit änderte sich nichts. Gegen 13:00 wurde mir dann doch langsam mulmig. Wäre die Hebamme in der Nähe, hätte ein Kontrollbesuch vielleicht ausgereicht, aber so wollte ich doch gern ins Geburtshaus und “meine” Hebamme an der Seite (oder viel mehr am Fußende). Da sie allerdings immer noch im Krankenhaus war (die Kaiserschnitt-Geburt), stellte sie uns selbst zur Wahl, wo wir gebären wollten und so fuhren wir einfach direkt in die Klinik.
Bis zur Ankunft im Krankenhaus gegen 15:00 öffnete sich der Muttermund nur auf 3-4cm. Also nichts mit der 1cm-pro-Stunde-Regel. Laut Hebamme etwas wenig für die verstrichene Zeit, aber nicht weiter besorgniserregend. Es wurden (leider) vorerst keine weiteren Maßnahmen ergriffen.
Mein Mann und ich gingen in den nächsten Stunden viel spazieren… im Krankenhaus und in der benachbarten Fußgängerzone. Die Wehen dauerten nun etwas länger, vielleicht 1 Minute, kamen alle 3-5 Minuten und wurden auch spürbar stärker. Bald hatte ich das Bedürfnis, sie zu veratmen und mich dabei auf den Schultern meines Mannes abzustützen. Gegen Abend waren es dann immerhin 6-7 cm. Im Gehen spürte ich die Wehen, im Sitzen oder Liegen leider kaum. Vielleicht lag das am Gewicht des Kindes, das dann aufgrund der Schwerkraft zusätzlich von oben “mithalf”… Jedenfalls spazierten wir also den Großteil der Nacht hindurch, während unsere Hebamme und ihre Praktikantin in unserem Geburtszimmer auf Bett und Liegesessel schlummerten. Geschlafen habe ich auch in dieser Nacht nicht.

Freitags – Geburt… To be continued…
Die ganze Nacht hatte sich am Muttermund und am Ablauf der Wehenwellen nichts weiter verändert, so dass ich früh morgens an einen Wehentropf gehängt wurde. Die Wehen wurden daraufhin spürbar stärker und regelmäßiger und ich verbrachte ein paar Stunden auf meiner Seite liegend im Bett und veratmete die Wehen. Bei der nächsten Kontrolle, ca. anderthalb Stunden nach Anlegen des Wehentropfes, hatte sich der Muttermund trotzdem kaum weiter geöffnet. Zusätzlich stellte meine Hebamme fest, dass am Muttermund eine “Falte” stehen geblieben ist, ein Wulst, der verhinderte, dass das Köpfchen des Babys weiter vordringen konnte. Meine Hebamme sprengte nun manuell die Fruchtblase, in der Hoffnung, dass dadurch die Geburt vorangetrieben würde. Jetzt war mir klar, was ein Blasensprung war! Mensch, war das viel Flüssigkeit! Allerdings konnte ich nicht viel sehen, da der Bauch im Weg war und die Hebamme immer alles gleich weg wischte. Ich spürte nur, wie bei jeder meiner Bewegungen ein Schwall Fruchtwasser aus mir heraus lief. Mein Mann meinte später, dass zudem ein eigentümlicher Geruch vom Fruchtwasser ausging (unsere Hebamme hatte uns ja im Geburtsvorbereitungskurs schon vorgewarnt). Ich hab nichts gerochen.
Obwohl ich zusätzlich ein Buscopanzäpfchen und homöopathische Unterstützung mit Gelsenicum bekam, tat sicher leider weiterhin nichts am Muttermund, trotzdem der Wehentropf schon voll aufgedreht war. Also riet mir meine Hebamme zur PDA, um mir eine Pause zu gönnen. Dazu musste ich mich auf eine herangekarrte Krankenliege hieven setzen und den Rücken möglichst weit krumm machen (nicht so einfach, wenn man noch den dicken Bauch vor sich hat). Ich hatte ja echt Manschetten vor der PDA, aus Angst, etwas könnte schief gehen und ich querschnittsgelähmt enden (immerhin pieksen die da in meine Wirbelsäule!). Aber alles lief gut. Angenehm ist der Piekser nicht, aber auszuhalten. Mir wurde noch ein Zugang gelegt und der Ausgang auf die Schulter geklebt, damit ggf. nachgespritzt werden konnte. Als das Betäubungsmittel dann gespritzt wurde, fühlte es sich an, als würde kaltes Wasser den Rücken hinauf laufen… Schon seltsam. Nach ein paar Minuten spürte ich dann bauchnabelabwärts nichts mehr. Die Beine gehorchten mir zwar noch, aber alles fühlte sich taub an, wie eingeschlafen. Ich sollte auch nochmal auf Toilette gehen und mich erleichtern, aber das bekam ich einfach nicht hin. Wie hätte ich mich auch noch mehr entspannen sollen, wo ich doch eh nichts mehr fühlte? Außerdem hatte ich immer Angst, ich würde vom Klo rutschen oder nicht mehr selbst aufstehen können… Letztendlich katheterisierte die Hebamme mich zwei Mal (ich hab noch Wochen später leichte Beschwerden beim Wasserlassen gehabt…). Dann sollte ich mich hinlegen und entspannen. Der Wehentropf blieb weiterhin voll aufgedreht. Ich würde mal ne Auszeit bekommen und vielleicht sogar etwas schlafen können, während mein Körper mal eine Zeit lang ohne mein Empfinden weitermachen würde.
Die Wirkung der PDA dauerte so 2-3 Stunden an, zwar wurde der Muttermund weicher und öffnete sich bis Mittag auf 7-8 cm, aber leider wurde die Falte am Muttermund nicht wirklich kleiner. Ein Arzt “schaute” sich das ganze noch an und plötzlich stand die Option Kaiserschnitt im Raum. Zu dem Zeitpunkt hätte ich längst nicht mehr das Gefühl gehabt “versagt” zu haben, wenn es zur OP gekommen wäre (manchen Frauen soll es ja so gehen, wenn ihre Geburt mit einem ungeplanten Kaiserschnitt endet)… Ich bekam in einem letzten Versuch eine weitere Ladung PDA und die Hebamme bemühte sich zusätzlich, mit Rescue-Salbe (Bachblüten) die Falte weg zu massieren. Gegen 18:00 schaffte sie es tatsächlich, die Falte vom Kopf des Babys weg zu schieben und die Austreibungsphase einzuleiten.
Die PDA ließ auch bald nach und spürte ich nun deutlich, wie die Wehen immer stärker wurden (irgendwie dachte ich immer, dass man mit PDA von der Geburt nicht mehr viel mitbekommt, aber denkste, Puppe, im entscheidenden Moment war ich wieder voll da). Ich lag die ganze Zeit auf der Seite und muhte immer lauter werdend vor mich hin. Als es langsam zu den Presswehen überging, hielt mein Mann die ganze Zeit mein angewinkeltes Bein. Irgendwann konnte ich nur noch in Rückenlage weiter machen, weil ich keine Kraft mehr hatte, mich auf der Seite, geschweige denn, auf den Knien im Vierfüßlerstand zu halten. Der Gebährhocker war leider auch keine Option, weil dann der Druck auf den Beckenboden zu groß war… Also weiter auf dem Bett.
Zu allem Überfluss verschwand plötzlich meine Hebamme im Nachbarzimmer (im Nachbarkreissaal war wohl gerade ihre Hilfe vonnöten, aber trotzdem…)! Mein Mann hockte nun zwischen meinen Beinen, ein Ort, an dem ich ihn zur Geburt sicher nicht haben wollte. Als niemand zurück kam, meinte ich trocken zu ihm: “Du, ich kann auch lauter schreien, dann kommt sicher einer!” Meinen Humor hatte ich wohl noch nicht verloren.
Die Wehen dauerten eine gefühlte Ewigkeit. Ich hatte immer den Eindruck, dass bei jedem Pressen das Baby zwar etwas weiter raus kam, mit Nachlassen der Wehe aber wieder zurück rutschte. Es war zum Heulen. Anfangs war es mir auch noch peinlich, wenn ich merkte, dass ich durch das Pressen Stuhlgang hatte, aber irgendwann war mir das sowas von egal! Ich sah/roch/hörte nichts anderes, außer dem, was meine Hebamme oder mein Mann zu mir sagten. Schließlich ergab ich mich dann einfach der Geburt. Es waren unbeschreibliche Schmerzen und zwar im buchstäblichen, nicht übertragenen Sinne… Die Geburtsschmerzen sind mit nichts zu vergleichen und werden sicher von jeder Frau und abhängig von der Situation anders empfunden. Auf jeden Fall hatte ich im Nachhinein den Eindruck, Frauen seien gerade für diese Art von Schmerz geschaffen. Ich dachte mir nur bei jeder Wehe, dass es irgendwann vorbei sein wird – sein muss! – und dass ich schließlich nicht die Erste sei, die ein Kind bekommt. Ich war überrascht, als die Hebamme meinte, das Baby müsse nur noch durch den Beckenboden. Ich durfte sogar nach dem Köpfchen tasten, als es langsam hervor kam – ein seltsames Gefühl, mit den Fingerspitzen über das behaarte Stück Köpfchen zu streichen…
Irgendwann hatte ich langsam kein Kraft zum Pressen mehr (vielleicht hatte ich auch einfach nicht mehr genug Zucker = Energie im Körper, da ich seit zwei Tagen aufgrund meiner Schwangerschaftsdiabetes und später der Opotion auf einen Kaiserschnitt nichts Vernünftiges mehr gegessen hatte). Darüber hinaus, hatte ich auch das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen (mittlerweile denke ich, das rührt einfach da her, dass die Gebärmutter und das Baby keinen Druck mehr auf Zwerchfell und Lunge ausüben und man plötzlich “ins Leere” atmet bzw. man gar nicht richtig Luft holen kann…versteht ihr, was ich meine?… das gleiche Phänomen, wie nach der Geburt, wenn man immer noch kurzatmig ist…). Die diensthabende Ärztin (eine junge Assistenzärztin, die mit der ganzen Situation irgendwie überfordert schien) gab mir daraufhin irgendwann Sauerstoff über eine Maske. Auf jeden Fall ging es plötzlich nicht mehr weiter und zwei (?!… ich weiß nicht mehr genau, wieviele) Hebammen fingen an, von aussen auf meinen Bauch zu drücken, um das Pressen zu unterstützen (wie ich jetzt weiß, wird diese Technik Kristeller-Handgriff genannt). Jetzt ist es vorbei, dachte ich, irgendwas geht bestimmt kaputt… Nach ein paar, durch den Druck von außen sehr unangenehmen Presswehen, schafften wir es. Ein kurzer Schreck noch, als ich plötzlich nicht weiter pressen sollte, weil die Nabelschnur um den Hals unseres Babys geschlungen war… Dann noch ein, zwei Wehen und unsere Tochter purzelte (pünktlich zur Tagesschau) aus mir heraus. Nur am Rande bekam ich mit, dass die Hebamme wie wild anfing, das Baby zu massieren…

Dann lag sie endlich auf meiner Brust, voll Käseschmiere und noch durch die Nabelschnur mit mir verbunden. Dieses kleine, warme, glitschige Etwas, das nur aus Köpfchen und Beinen zu bestehen schien. Ich wusste gar nicht, wie ich es überhaupt halten sollte. Irgendwann durchtrennte mein Mann die Nabelschnur, als die Pulsation darin aufgehört hatte und wir wurden kurz allein gelassen. An sehr viel kann ich mich in dieser Zeit nicht erinnern. Ich denke, ich habe nur ungläubig dieses kleine Wesen angesehen. Als die Hebamme das nächste Mal wieder kam, ging mein Mann kurz nach unten, um zu rauchen. In dieser Zeit brachte ich die Nachgeburt zur Welt. Der Wehentropf wurde nochmal aufgedreht und auch hier musste dieser Griff auf den Bauch wieder angewendet werden, weil die Nachgeburt laut Hebamme “hinter dem Schambein fest” hing und ich sie durch Pressen nicht selbst heraus bekam. Die ganze Zeit hatte ich die Kleine auf meiner Brust und “muhte” ihr während der erneuten Wehen laut ins Ohr. Schließlich war auch das geschafft.
Als mein Mann dann wieder kam, war er erst erschrocken, weil wohl mit der Nachgeburt auch eine Menge Blut abgegangen ist und ich auch noch ziemlich erschöpft auf dem Bett lag. Ich konnte ihn schließlich beruhigen. Als die junge Ärztin kam, um meinen Dammriss zu nähen (unter lokaler Betäubung, nicht angenehm, aber auch nicht sehr schmerzhaft), hatte mein Mann endlich Gelegenheit mit unserer kleinen Tochter zu kuscheln.

Da ich so erschöpft war und es mittlerweile auf Mitternacht zu ging, wollte ich die Nacht doch auf der Wöchnerinnenstation verbringen. Zum Glück! Denn als unsere Hebamme uns dort verabschiedete, bemerkte sie, dass mit unserer Tochter etwas nicht stimmte – sie schwitze und war leicht bläulich… Der Sauerstoffgehalt im Blut war viel zu niedrig, unsere Tochter konnte also nicht richtig atmen! Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir einfach, wie geplant, nach Hause gefahren wären… Unerfahren, mit dem ersten Kind im Arm… Die nächsten Minuten und Stunden liefen für uns wie ein schlechter Film ab: Verlegung unserer Tochter in die nächste Kinderklinik, dort die Diagnose, dass etwas mit dem Herz nicht stimmte, die Fahrt nach Hause wie in Trance (ich durfte aus irgendeinem Grund, den ich nicht wirklich verstand, doch nicht im Krankenhaus übernachten)… Am nächsten Tag dann die Information, dass die Kleine nach Hannover verlegt werden müsste, da nur dort die Spezialisten sind, um sie zu operieren. Ihr Abflug mit dem Helikopter…

Hier ende ich meinen Bericht. Bestimmt werde ich eines Tages erzählen, wie es weiter ging, schließlich verbrachten wir beinahe vier Wochen in Krankenhäusern. Aber heute kann ich es nicht. Nur so viel: Wir hatten unheimlich viel Glück und viele Zufälle führten zum glücklichen Ausgang dieser Geschichte. Eine Menge Schutzengel haben an diesem und den folgenden Tagen Überstunden geschoben! Wir haben erlebt, wie wichtig die Unterstützung von Familien und Freunden ist! Mein Mann und ich haben während der ganzen Zeit nie mit unserem “Schicksal” gehadert, wir hätten sie nicht anders haben wollen, auch mit ihrer Krankheit – sie hat sich uns ausgesucht, weil sie wusste, dass wir das zusammen schaffen können! Der Schreck vom Anfang unserer kleinen Familie verblasst, aber er geht nie weg…

Mausemaus geht es derweil super, sie entwickelt sich wie jedes 12 Monate alte Baby, ehm Kleinkind, und auch mein Alltag unterscheidet sich in nichts von dem anderer müder, manchmal überforderter, aber im Grunde liebender Mütter.

***

Rückblickend stellen sich mir einige Fragen zur Geburt, da unsere Hebamme mit uns leider keine Nachbesprechung der Geburt durchgeführt hat (das war auch der Grund, weshalb ich letztendlich selbst das Krankenhaus anschrieb und das Geburtsprotokoll anforderte). War mein Körper vielleicht noch gar nicht so weit, daher die Komplikationen (Falte am Muttermund, Wehenschwäche, Mitpressen durch die Hebamme)? Allerdings wäre es bei einem längerem Geburtsverlauf vielleicht noch schlechter für Mausemaus gelaufen… Warum habe ich keinen Glukose-Tropf bekommen? Das nächste Mal würde ich darauf bestehen. Hätte man die Geburt durch pflanzliche Mittel (Ingwer, Zimt) beeinflussen können? Tja, das ist eine Frage an die nächste Hebamme, den Mausemaus soll auf jeden Fall und trotz allem ein Geschwisterchen bekommen…

Leider wurde, wie ihr seht, während unserer Geburt nicht viel kommuniziert. Wir wußten nicht, ob alles normal verläuft, was für Alternativen es gäbe, etc. pp. Ich kann euch angehenden Müttern nur raten: Löchert eure Hebamme, wenn euch etwas nicht klar ist (bzw. gebt diese Aufgabe an euren Mann ab)! Spätestens nach der Geburt solltet ihr auf eine Nachbesprechung bestehen und am besten alle Unklarheiten und Fragen vorher aufschreiben.

Ich wünsche euch eine schöne Geburt und ein gesundes Kind!

PS: Auf Janas Hebammenblog findet ihr übrigens noch weitere, sehr unterschiedliche Geburtsberichte.