{Rückblick} Wie schön, dass du geboren bist – Die Geburt

Als ich den Blogpost zum Thema Geburtserlebnis von Anja (vonguteneltern) laß, wußte ich, dass ich endlich über mein Geburtserlebnis schreiben wollte. Rückblickend, ohne die Hormone, die ja normalerweise die Erinnerungen einer Mutter an die Geburt verklären. Und als eine Art Tagebucheintrag (also auch recht ausführlich). Als Gedankenstützen dienten mir hierfür meine Kalendereintragungen zur Zeit der Geburt, sowie das Geburtsprotokoll aus der Frauenklinik. Und nein, ich habe meine Geburt nicht “vergessen” und möchte trotzdem noch mindestens ein zweites Kind! Allen werdenden Müttern unter euch würde ich empfehlen, sich genau zu überlegen, ob ihr Geburtsberichte lesen wollt oder euch lieber nur die Kurzfassungen eurer besten Freundinnen (eigene Mütter eignen sich hier manchmal nicht) anhört. Nachher ist es immer leichter zu sagen: “GSD, bei mir war es nicht so schlimm!” Oder aber “GSD, dann wird meine nächste Geburt sicher auch viel leichter!” Susanne, vom Blog Geborgen Wachsen schlägt sogar vor, vor der (ersten) Geburt möglichst nur positive Geburtsberichte zu lesen/hören, um das Selbstvertrauen in die Geburt aus eigener Kraft nicht zu schmäler. Denn vor der Geburt lässt frau sich im Zweifel verunsichern und das wäre doch echt schade, wo jede Geburt so einzigartig ist!

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Nun aber zu unserer Geburt: Meine Tochter wurde am ersten wirklichen Frühlingstag unserer Gegend im April 2013 geboren. Ich hatte mich im Vorfeld zu einer Geburt im Geburtshaus entschieden, weil ich eine ruhige und “natürliche” Geburt für uns wollte (nach Abwägung der Vor- und Nachteile zwischen Geburtshaus und Kreißsaal) und ich mich wohler fühlte mit einer Hebamme, die mich, wenn nötig, auch bei einer Hausgeburt oder im Kreißsaal begleiten würde. Es kam alles ein bisschen anders als geplant, aber ich fange am besten von vorn an.

Dienstags, 5:30 – noch eine Woche bis zum errechneten Geburtstermin
Ich wachte auf, weil ich plötzlich nass zwischen den Beinen wurde – mir schlug das Herz bis zum Hals! Geht es jetzt los? War das der Blasensprung? Es war für meine Begriffe viel Flüssigkeit, kein wahrer Dammbruch, aber ich hätte ja auch (noch) keinen Vergleich.
Ich schlief schon seit Tagen im Gästezimmer (und Schlafzimmer im Wechsel), weil ich nirgends mehr so richtig gut liegen konnte. Also lief ich schnell ins Bad, um mir einen genaueren Überblick zu verschaffen, bevor ich alle Pferde, also meinen Mann, scheu machen würde. Die Flüssigkeit war farblos (keine Spur von Blut), geruchlos und von der Konsistenz wie verflüssigtes Gel. Sonst spürte ich nichts, keine Wehen, kein Ziehen… Für den Rest des Morgens kroch ich, nach einer kurzen Info, zum werdenden Vater unter die Decke.
Das CTG am späteren Vormittag bei der Frauenärztin zeichnete dann auch nur leichte Wehen auf und die Untersuchung bestätigte einen fest verschlossenen Muttermund. Heute morgen war also “nur” der Schleimpropf abgegangen. Jetzt hieß es: Warten. Vorsichtshalber besorgte ich mir diese pH-Streifen in der Apotheke, mit denen sich leicht feststellen lässt, ob es sich um Fruchtwasser handelt (saurer pH, der Teststreifen verfärbt sich grün-bläulich) oder nicht (also Schleimpropf). Bei mir hieß es weiterhin “oder nicht”.

Nacht von Mittwoch auf Donnerstag – beginnende Wehen
Nachdem der Dienstag und Mittwoch zwar spannend aber unspektakulär verliefen, hatte ich nun die ganze Nacht über Wehen. Alle 4-10 Minuten für 20-40 Sekunden. Die Wehenwellen waren jetzt nicht sooo schmerzhaft, eher wie ziemlich starke Regelschmerzen, aber eben stark genug, dass ich nicht mehr liegen, geschweige denn schlafen konnte. Einzig im Wohnzimmersessel konnte ich mit hochgelegten Beinen noch etwas dösen, aber erholsam war diese Zeit nicht. Außerdem war ich natürlich aufgeregt und horchte die ganze Zeit in mich hinein.

Donnerstags – Geburt
Morgens fuhr mein Mann mich zur Frauenärztin. Im CTG sah man auch die Wehen schön regelmäßig. Mein Muttermund sei nun 1,5-2cm geöffnet. Heute könnte also DER Tag sein. Das Telefonat gegen 11:00 mit meiner Hebamme war ernüchternd kurz: “Ist grad schlecht – sind die Schmerzen noch auszuhalten?” Ja, ging wohl noch… danke der Nachfrage… (Später sollte sich rausstellen, dass sie gerade mit einer anderen Frau aus unserem Vorbereitungskurs zum ungeplanten Kaiserschnitt in die Klinik fahren musste, als ich sie anrief.)
In den nächsten Stunden wurden die Wehen kräftiger, aber an Dauer und Häufigkeit änderte sich nichts. Gegen 13:00 wurde mir dann doch langsam mulmig. Wäre die Hebamme in der Nähe, hätte ein Kontrollbesuch vielleicht ausgereicht, aber so wollte ich doch gern ins Geburtshaus und “meine” Hebamme an der Seite (oder viel mehr am Fußende). Da sie allerdings immer noch im Krankenhaus war (die Kaiserschnitt-Geburt), stellte sie uns selbst zur Wahl, wo wir gebären wollten und so fuhren wir einfach direkt in die Klinik.
Bis zur Ankunft im Krankenhaus gegen 15:00 öffnete sich der Muttermund nur auf 3-4cm. Also nichts mit der 1cm-pro-Stunde-Regel. Laut Hebamme etwas wenig für die verstrichene Zeit, aber nicht weiter besorgniserregend. Es wurden (leider) vorerst keine weiteren Maßnahmen ergriffen.
Mein Mann und ich gingen in den nächsten Stunden viel spazieren… im Krankenhaus und in der benachbarten Fußgängerzone. Die Wehen dauerten nun etwas länger, vielleicht 1 Minute, kamen alle 3-5 Minuten und wurden auch spürbar stärker. Bald hatte ich das Bedürfnis, sie zu veratmen und mich dabei auf den Schultern meines Mannes abzustützen. Gegen Abend waren es dann immerhin 6-7 cm. Im Gehen spürte ich die Wehen, im Sitzen oder Liegen leider kaum. Vielleicht lag das am Gewicht des Kindes, das dann aufgrund der Schwerkraft zusätzlich von oben “mithalf”… Jedenfalls spazierten wir also den Großteil der Nacht hindurch, während unsere Hebamme und ihre Praktikantin in unserem Geburtszimmer auf Bett und Liegesessel schlummerten. Geschlafen habe ich auch in dieser Nacht nicht.

Freitags – Geburt… To be continued…
Die ganze Nacht hatte sich am Muttermund und am Ablauf der Wehenwellen nichts weiter verändert, so dass ich früh morgens an einen Wehentropf gehängt wurde. Die Wehen wurden daraufhin spürbar stärker und regelmäßiger und ich verbrachte ein paar Stunden auf meiner Seite liegend im Bett und veratmete die Wehen. Bei der nächsten Kontrolle, ca. anderthalb Stunden nach Anlegen des Wehentropfes, hatte sich der Muttermund trotzdem kaum weiter geöffnet. Zusätzlich stellte meine Hebamme fest, dass am Muttermund eine “Falte” stehen geblieben ist, ein Wulst, der verhinderte, dass das Köpfchen des Babys weiter vordringen konnte. Meine Hebamme sprengte nun manuell die Fruchtblase, in der Hoffnung, dass dadurch die Geburt vorangetrieben würde. Jetzt war mir klar, was ein Blasensprung war! Mensch, war das viel Flüssigkeit! Allerdings konnte ich nicht viel sehen, da der Bauch im Weg war und die Hebamme immer alles gleich weg wischte. Ich spürte nur, wie bei jeder meiner Bewegungen ein Schwall Fruchtwasser aus mir heraus lief. Mein Mann meinte später, dass zudem ein eigentümlicher Geruch vom Fruchtwasser ausging (unsere Hebamme hatte uns ja im Geburtsvorbereitungskurs schon vorgewarnt). Ich hab nichts gerochen.
Obwohl ich zusätzlich ein Buscopanzäpfchen und homöopathische Unterstützung mit Gelsenicum bekam, tat sicher leider weiterhin nichts am Muttermund, trotzdem der Wehentropf schon voll aufgedreht war. Also riet mir meine Hebamme zur PDA, um mir eine Pause zu gönnen. Dazu musste ich mich auf eine herangekarrte Krankenliege hieven setzen und den Rücken möglichst weit krumm machen (nicht so einfach, wenn man noch den dicken Bauch vor sich hat). Ich hatte ja echt Manschetten vor der PDA, aus Angst, etwas könnte schief gehen und ich querschnittsgelähmt enden (immerhin pieksen die da in meine Wirbelsäule!). Aber alles lief gut. Angenehm ist der Piekser nicht, aber auszuhalten. Mir wurde noch ein Zugang gelegt und der Ausgang auf die Schulter geklebt, damit ggf. nachgespritzt werden konnte. Als das Betäubungsmittel dann gespritzt wurde, fühlte es sich an, als würde kaltes Wasser den Rücken hinauf laufen… Schon seltsam. Nach ein paar Minuten spürte ich dann bauchnabelabwärts nichts mehr. Die Beine gehorchten mir zwar noch, aber alles fühlte sich taub an, wie eingeschlafen. Ich sollte auch nochmal auf Toilette gehen und mich erleichtern, aber das bekam ich einfach nicht hin. Wie hätte ich mich auch noch mehr entspannen sollen, wo ich doch eh nichts mehr fühlte? Außerdem hatte ich immer Angst, ich würde vom Klo rutschen oder nicht mehr selbst aufstehen können… Letztendlich katheterisierte die Hebamme mich zwei Mal (ich hab noch Wochen später leichte Beschwerden beim Wasserlassen gehabt…). Dann sollte ich mich hinlegen und entspannen. Der Wehentropf blieb weiterhin voll aufgedreht. Ich würde mal ne Auszeit bekommen und vielleicht sogar etwas schlafen können, während mein Körper mal eine Zeit lang ohne mein Empfinden weitermachen würde.
Die Wirkung der PDA dauerte so 2-3 Stunden an, zwar wurde der Muttermund weicher und öffnete sich bis Mittag auf 7-8 cm, aber leider wurde die Falte am Muttermund nicht wirklich kleiner. Ein Arzt “schaute” sich das ganze noch an und plötzlich stand die Option Kaiserschnitt im Raum. Zu dem Zeitpunkt hätte ich längst nicht mehr das Gefühl gehabt “versagt” zu haben, wenn es zur OP gekommen wäre (manchen Frauen soll es ja so gehen, wenn ihre Geburt mit einem ungeplanten Kaiserschnitt endet)… Ich bekam in einem letzten Versuch eine weitere Ladung PDA und die Hebamme bemühte sich zusätzlich, mit Rescue-Salbe (Bachblüten) die Falte weg zu massieren. Gegen 18:00 schaffte sie es tatsächlich, die Falte vom Kopf des Babys weg zu schieben und die Austreibungsphase einzuleiten.
Die PDA ließ auch bald nach und spürte ich nun deutlich, wie die Wehen immer stärker wurden (irgendwie dachte ich immer, dass man mit PDA von der Geburt nicht mehr viel mitbekommt, aber denkste, Puppe, im entscheidenden Moment war ich wieder voll da). Ich lag die ganze Zeit auf der Seite und muhte immer lauter werdend vor mich hin. Als es langsam zu den Presswehen überging, hielt mein Mann die ganze Zeit mein angewinkeltes Bein. Irgendwann konnte ich nur noch in Rückenlage weiter machen, weil ich keine Kraft mehr hatte, mich auf der Seite, geschweige denn, auf den Knien im Vierfüßlerstand zu halten. Der Gebährhocker war leider auch keine Option, weil dann der Druck auf den Beckenboden zu groß war… Also weiter auf dem Bett.
Zu allem Überfluss verschwand plötzlich meine Hebamme im Nachbarzimmer (im Nachbarkreissaal war wohl gerade ihre Hilfe vonnöten, aber trotzdem…)! Mein Mann hockte nun zwischen meinen Beinen, ein Ort, an dem ich ihn zur Geburt sicher nicht haben wollte. Als niemand zurück kam, meinte ich trocken zu ihm: “Du, ich kann auch lauter schreien, dann kommt sicher einer!” Meinen Humor hatte ich wohl noch nicht verloren.
Die Wehen dauerten eine gefühlte Ewigkeit. Ich hatte immer den Eindruck, dass bei jedem Pressen das Baby zwar etwas weiter raus kam, mit Nachlassen der Wehe aber wieder zurück rutschte. Es war zum Heulen. Anfangs war es mir auch noch peinlich, wenn ich merkte, dass ich durch das Pressen Stuhlgang hatte, aber irgendwann war mir das sowas von egal! Ich sah/roch/hörte nichts anderes, außer dem, was meine Hebamme oder mein Mann zu mir sagten. Schließlich ergab ich mich dann einfach der Geburt. Es waren unbeschreibliche Schmerzen und zwar im buchstäblichen, nicht übertragenen Sinne… Die Geburtsschmerzen sind mit nichts zu vergleichen und werden sicher von jeder Frau und abhängig von der Situation anders empfunden. Auf jeden Fall hatte ich im Nachhinein den Eindruck, Frauen seien gerade für diese Art von Schmerz geschaffen. Ich dachte mir nur bei jeder Wehe, dass es irgendwann vorbei sein wird – sein muss! – und dass ich schließlich nicht die Erste sei, die ein Kind bekommt. Ich war überrascht, als die Hebamme meinte, das Baby müsse nur noch durch den Beckenboden. Ich durfte sogar nach dem Köpfchen tasten, als es langsam hervor kam – ein seltsames Gefühl, mit den Fingerspitzen über das behaarte Stück Köpfchen zu streichen…
Irgendwann hatte ich langsam kein Kraft zum Pressen mehr (vielleicht hatte ich auch einfach nicht mehr genug Zucker = Energie im Körper, da ich seit zwei Tagen aufgrund meiner Schwangerschaftsdiabetes und später der Opotion auf einen Kaiserschnitt nichts Vernünftiges mehr gegessen hatte). Darüber hinaus, hatte ich auch das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen (mittlerweile denke ich, das rührt einfach da her, dass die Gebärmutter und das Baby keinen Druck mehr auf Zwerchfell und Lunge ausüben und man plötzlich “ins Leere” atmet bzw. man gar nicht richtig Luft holen kann…versteht ihr, was ich meine?… das gleiche Phänomen, wie nach der Geburt, wenn man immer noch kurzatmig ist…). Die diensthabende Ärztin (eine junge Assistenzärztin, die mit der ganzen Situation irgendwie überfordert schien) gab mir daraufhin irgendwann Sauerstoff über eine Maske. Auf jeden Fall ging es plötzlich nicht mehr weiter und zwei (?!… ich weiß nicht mehr genau, wieviele) Hebammen fingen an, von aussen auf meinen Bauch zu drücken, um das Pressen zu unterstützen (wie ich jetzt weiß, wird diese Technik Kristeller-Handgriff genannt). Jetzt ist es vorbei, dachte ich, irgendwas geht bestimmt kaputt… Nach ein paar, durch den Druck von außen sehr unangenehmen Presswehen, schafften wir es. Ein kurzer Schreck noch, als ich plötzlich nicht weiter pressen sollte, weil die Nabelschnur um den Hals unseres Babys geschlungen war… Dann noch ein, zwei Wehen und unsere Tochter purzelte (pünktlich zur Tagesschau) aus mir heraus. Nur am Rande bekam ich mit, dass die Hebamme wie wild anfing, das Baby zu massieren…

Dann lag sie endlich auf meiner Brust, voll Käseschmiere und noch durch die Nabelschnur mit mir verbunden. Dieses kleine, warme, glitschige Etwas, das nur aus Köpfchen und Beinen zu bestehen schien. Ich wusste gar nicht, wie ich es überhaupt halten sollte. Irgendwann durchtrennte mein Mann die Nabelschnur, als die Pulsation darin aufgehört hatte und wir wurden kurz allein gelassen. An sehr viel kann ich mich in dieser Zeit nicht erinnern. Ich denke, ich habe nur ungläubig dieses kleine Wesen angesehen. Als die Hebamme das nächste Mal wieder kam, ging mein Mann kurz nach unten, um zu rauchen. In dieser Zeit brachte ich die Nachgeburt zur Welt. Der Wehentropf wurde nochmal aufgedreht und auch hier musste dieser Griff auf den Bauch wieder angewendet werden, weil die Nachgeburt laut Hebamme “hinter dem Schambein fest” hing und ich sie durch Pressen nicht selbst heraus bekam. Die ganze Zeit hatte ich die Kleine auf meiner Brust und “muhte” ihr während der erneuten Wehen laut ins Ohr. Schließlich war auch das geschafft.
Als mein Mann dann wieder kam, war er erst erschrocken, weil wohl mit der Nachgeburt auch eine Menge Blut abgegangen ist und ich auch noch ziemlich erschöpft auf dem Bett lag. Ich konnte ihn schließlich beruhigen. Als die junge Ärztin kam, um meinen Dammriss zu nähen (unter lokaler Betäubung, nicht angenehm, aber auch nicht sehr schmerzhaft), hatte mein Mann endlich Gelegenheit mit unserer kleinen Tochter zu kuscheln.

Da ich so erschöpft war und es mittlerweile auf Mitternacht zu ging, wollte ich die Nacht doch auf der Wöchnerinnenstation verbringen. Zum Glück! Denn als unsere Hebamme uns dort verabschiedete, bemerkte sie, dass mit unserer Tochter etwas nicht stimmte – sie schwitze und war leicht bläulich… Der Sauerstoffgehalt im Blut war viel zu niedrig, unsere Tochter konnte also nicht richtig atmen! Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir einfach, wie geplant, nach Hause gefahren wären… Unerfahren, mit dem ersten Kind im Arm… Die nächsten Minuten und Stunden liefen für uns wie ein schlechter Film ab: Verlegung unserer Tochter in die nächste Kinderklinik, dort die Diagnose, dass etwas mit dem Herz nicht stimmte, die Fahrt nach Hause wie in Trance (ich durfte aus irgendeinem Grund, den ich nicht wirklich verstand, doch nicht im Krankenhaus übernachten)… Am nächsten Tag dann die Information, dass die Kleine nach Hannover verlegt werden müsste, da nur dort die Spezialisten sind, um sie zu operieren. Ihr Abflug mit dem Helikopter…

Hier ende ich meinen Bericht. Bestimmt werde ich eines Tages erzählen, wie es weiter ging, schließlich verbrachten wir beinahe vier Wochen in Krankenhäusern. Aber heute kann ich es nicht. Nur so viel: Wir hatten unheimlich viel Glück und viele Zufälle führten zum glücklichen Ausgang dieser Geschichte. Eine Menge Schutzengel haben an diesem und den folgenden Tagen Überstunden geschoben! Wir haben erlebt, wie wichtig die Unterstützung von Familien und Freunden ist! Mein Mann und ich haben während der ganzen Zeit nie mit unserem “Schicksal” gehadert, wir hätten sie nicht anders haben wollen, auch mit ihrer Krankheit – sie hat sich uns ausgesucht, weil sie wusste, dass wir das zusammen schaffen können! Der Schreck vom Anfang unserer kleinen Familie verblasst, aber er geht nie weg…

Mausemaus geht es derweil super, sie entwickelt sich wie jedes 12 Monate alte Baby, ehm Kleinkind, und auch mein Alltag unterscheidet sich in nichts von dem anderer müder, manchmal überforderter, aber im Grunde liebender Mütter.

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Rückblickend stellen sich mir einige Fragen zur Geburt, da unsere Hebamme mit uns leider keine Nachbesprechung der Geburt durchgeführt hat (das war auch der Grund, weshalb ich letztendlich selbst das Krankenhaus anschrieb und das Geburtsprotokoll anforderte). War mein Körper vielleicht noch gar nicht so weit, daher die Komplikationen (Falte am Muttermund, Wehenschwäche, Mitpressen durch die Hebamme)? Allerdings wäre es bei einem längerem Geburtsverlauf vielleicht noch schlechter für Mausemaus gelaufen… Warum habe ich keinen Glukose-Tropf bekommen? Das nächste Mal würde ich darauf bestehen. Hätte man die Geburt durch pflanzliche Mittel (Ingwer, Zimt) beeinflussen können? Tja, das ist eine Frage an die nächste Hebamme, den Mausemaus soll auf jeden Fall und trotz allem ein Geschwisterchen bekommen…

Leider wurde, wie ihr seht, während unserer Geburt nicht viel kommuniziert. Wir wußten nicht, ob alles normal verläuft, was für Alternativen es gäbe, etc. pp. Ich kann euch angehenden Müttern nur raten: Löchert eure Hebamme, wenn euch etwas nicht klar ist (bzw. gebt diese Aufgabe an euren Mann ab)! Spätestens nach der Geburt solltet ihr auf eine Nachbesprechung bestehen und am besten alle Unklarheiten und Fragen vorher aufschreiben.

Ich wünsche euch eine schöne Geburt und ein gesundes Kind!

PS: Auf Janas Hebammenblog findet ihr übrigens noch weitere, sehr unterschiedliche Geburtsberichte.

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Was für ein Jahr – 2013

Wenn ich schon einen Blog mit Tagebuchfunktion ins Leben rufe, dann gehört auch ein Jahresrückblick hierher. Da ich erst seit kurzem blogge, ist er hoffentlich auch für diejenigen unter euch interessant, die regelmäßiger hier vorbei schauen. Und falls euch ein Eintrag besonders interessiert und ihr euch denkt: “Bitte etwas genauer, liebe Anja!”, dann schreibt mir doch kurz in den Kommentaren! Los geht’s:

Im Januar, meinem Monat des Akademikers, habe ich nach jahrelangem Vormichherschiebens endlich meine Dissertation abgeschlossen und in Druck gegeben. Ich könnte von Ehrgeiz sprechen, aber viel eher ist der plötzliche Eifer auf meine zunehmenden Rundungen zurückzuführen gewesen. Endlich ist dieses Projekt abgeschlossen!

Im Februar, meinem Monat des Ja-Wortes, habe ich meinen langjährigen Lebenspartner, Freund und Vater unserer ungeborenen Tochter gleich zwei Mal geheiratet. Das erste Mal in einem ehrwürdigen Trauzimmer mit regionalen Wappen an der Wand und einem Segelschiff unter der Decke. Das zweite Mal in einer gemütlichen Sandsteinkirche mit all unseren Freunden, Verwandten und ausgewählten Lebenswegbegleitern. Als wir den Weg an den Bankreihen zum Altar entlangschritten, hörte ich ein erstauntes “Was, Anja ist schwanger?!” und wusste endlich, wen ich noch nicht darüber informiert hatte (ich war im 7. Monat und unübersehbar schwanger).

Im März, dem Monat des Wartens, wurde das Sein als solches beschwerlich und so langsam wollte ich den Menschen unter meinem Herzen endlich kennenlernen und wieder allein in meinem Körper sein. Es wurden, allen Aberglaubens zum Trotz und der Notwendigkeit folgend, Wickeltisch und Kinderbett aufgebaut, die Geburtshaustasche gepackt und die Namensauswahl abgeschlossen (wir hätten ein echtes Problem gehabt, wenn es doch ein Junge geworden wäre…). Das Basteln der Dankeskarten an unsere Hochzeitsgratulanten lief auf Hochtouren.

Der April, Monat der Tränen… Unserer Tochter wurde das Leben geschenkt. Das erste Mal durch mich, drei Tage später durch die Hände eines aussergewöhnlichen Chirurgenteams. Die Kinderklinik wird unser temporäres Zuhause.

Im Mai, Monat des Gefühlschaos’, durfte Mausemaus endlich nach Hause und wir realisierten langsam, dass wir wirklich Eltern geworden sind. Ein “Kuraufenthalt” bei den Schwiegereltern rettete mich nach mehreren Nervenzusammenbrüchen vor einer klinischen Wochenbettdepression. Mausemaus und ich werden dank Brusternährungsset endlich ein Stillteam.

Im Juni, dem Reisemonat, unternehmen wir die erste lange Fahrt seit der Geburt der Mausemaus zur Hochzeit meines Bruders nach Berlin. Aus geplanten vier Stunden, mit Sicherheits(Still)spanne 6 Stunden, wurden fast 9 Stunden. Hochzeit verpasst, Fotoshooting verpasst und Mausemaus und ich waren von der Fahrt und den Gästen schließlich so überfordert, dass wir Eltern nur abwechselnd an Buffett, Reden, Spaß und Fotos teilnehmen konnten (ansonsten stillte ich im Auto oder mein Mann holte sich bewundernde Bemerkungen beim Spaziergang im schwarzen Anzug mit der Mausemaus auf dem Arm), bevor wir nach zwei Stunden wieder die Feier verließen.

Im Juli, dem Schlaf gewidmet, bekommt Mausemaus ihre Nonomo-Federwiege und wir etwas mehr Schlaf.

Im August, dem Sommermonat, spielten wir uns als Mutter-Kind-Team immer besser ein.

Der September wurde der Boxenmonat, denn ich verfalle dem Boxenfieber: Hello Baby Box, Mami Box, Nonabox, mhh-Box, Lindt Chocoladen Club, you name it!
Ich knüpfe eine erhol- und unterhaltsame Freundschaft mit einer Mama aus meinem Geburtsvorbereitungskurs.
Mausemaus lacht zum ersten Mal herzhaft – was für eine Aussicht! Denn leider gelingt es uns erst Wochen später, sie wieder so schön zum gackern zu bringen (seither versüßt sie uns so den Tag).

Im Oktober, gab’s den ersten Brei für Mausemaus und den ersten freien Nachmittag für mich!

Der November ist der Blogging-Monat, denn ich entdeckte die gesellige Welt der Blogs und entscheide, mich diesem virtuellen Kaffee-Klatsch anzuschließen.
Mein soziales Netz wird endlich wieder weiter gespannt, durch Besuch des Eltern-Kind-Kreises und des Rückbildungskurses.

Im Dezember, dem Feiermonat, musste ich mich damit abfinden, das Weihnachten auch mal ohne Deko geht und Silvester ohne Feier.

Für 2014 wünsche ich mir gesunde und glückliche Familienmitglieder, mir selbst wieder mehr “Ich” und euch allen alles Liebe und einen guten Rutsch! Wir lesen uns wieder!

{Rückblick} Schwangerschaftsshopping

Die Sache mit den Klamotten… Endlich kann man stolz seinen Bauch vor sich her schieben und dann findet man nichts… Vor allem für etwas molligere Schwangere, wie ich es war, fällt das modische Einkleiden mit wachsendem Bauchumfang echt schwer. Vor allem, wenn keine Großstadt wie Berlin oder München um die Ecke liegt.

Die üblichen Schwangerenmarken, wie bell*button oder mam*liciuos bieten zwar Einzelteile bis Größe 46 an, jedoch hat ein Praxistest gezeigt, dass nicht L oder XL drin steckt, wo’s drauf steht. Dabei habe ich extra bei meinem letzten Berlinbesuch in zwei Läden für Schwangerschaftsmode vorbeigeschaut (für mehr reichte die Zeit nicht)… Überhaupt hatte ich bei diesen Marken (auch H*M hat nur Mode bis L) den Eindruck, dass Schwangere (selbst schlanke Bald-Mamas standen etwas ratlos vor den Spiegeln) ab dem 3. Monat bitte zuhause zu bleiben haben, den was schickes zum anziehen gibt es dann nicht mehr…

Letztendlich bin ich bei C*A und Bo*prix fündig geworden. Wenn auch nicht im Überfluss. Für zwei Umstandshosen (später kamen nochmal drei Jeans dazu, siehe unten) und drei Oberteile plus figurumspielenden Strickponcho hat es dann gereicht, welche, unterschiedlich kombiniert, für die gesamte Zeit der Schwangerschaft reichen mussten. Ich war nur froh, dass ich meine Kleidung im Herbst/Winter umstellen musste und nicht noch den Sommer zu überbrücken hatte. Als ich selbst meinen Mantel nicht mehr zuknöpfen konnte, hoffte ich nur, dass der Restwinter nicht mehr zu kalt werden würde.

Und dann wollte ich auch noch heiraten, im 7. Monat, im Februar. Kleidungsmäßig der Supergau. Zum Glück fand ich nach einigem Suchen den Umstandsmodenshop von kugelrund in Oldenburg. Die Besitzerin macht auch gern mal Spezialöffnungszeiten, damit man sich ihrer ganze Aufmerksamkeit sicher sein kann. Ich hatte Glück und es war nur eine weitere Kundin im Laden, so konnte ich ausführlich die Brautmoden (Originalteile zu Outlet-Preisen) durchtesten. Letztendlich hab ich auch was nettes gefunden (champagnerfarbene Hose und langärmeliges Top, sowie verspielte dunkelrote Tunika) und gleich noch zwei Jeans, zwei schöne UmstandsBHs und eine gemütliche Hose mitgenommen. Und insgesamt 350 Euro dagelassen, aber es war ja auch für einen guten Zweck.

Will heißen, liebe Modeindustrie: auch (mollige und Hoch-)Schwangere wollen toll aussehen und nicht jeder verplant seine Geldgeschenke im Vorneherein für Kleidung (vielen Dank noch, Mama)…

Habt ihr andere Geheimtipps? Dann her mit euren Kommentaren!

{Rückblick} Schwangerschaftswehwehchen – Teil 2

Ein paar Wochen nach der Geburt, ließ ich die Zeit meiner Schwangerschaft vor meinem inneren Auge Revue passieren und muss sagen, dass ich Glück hatte und sie eigentlich habe (hätte) genießen können.

Letztendlich war mir nicht ein einziges Mal übel geworden. Außer ein einziges Mal im Winter, als ich mir einen fiesen Magen-Darm-Virus eingefangen hatte, der mir zu einer Brech-Durchfall-Nacht verhalf, die ich so noch nie erlebt habe (und ich hatte Angst, dass mein Würgen irgendwie dem “Böhnchen” schaden könnte). Davon abgesehen, konnten mich weder irgendwelche Gerüche, noch Lebensmittel dazu bewegen, mich über die Kloschüssel zu beugen.

Der Schwangerschaftsdiabetes blieb mir bis zur Geburt erhalten. Ich hatte sogar im Krankenhaus noch das Glukose-Testgerät dabei. Allerdings habe ich im weiteren Verlauf des Tages keinen Gedanken mehr an den perfekten Zuckerwert verschwendet, davon abgesehen, dass ich sowieso kaum einen Bissen runter bekam. Ein paar Tage nach der Geburt habe ich aus Neugier meine Werte gecheckt und es war alles im Normbereich. Der Abschlusstermin drei Monate später bei der Diabetologin ergab absolute Normalwerte. Ich habe also keinen dauerhaften Diabetes entwickelt. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich bei der nächsten Schwangerschaft wieder einen Diabetes entwickeln werde, ziemlich hoch. Nun ja, ich weiß dann ja, was auf mich zukommt.

Wassereinlagerungen habe ich glücklicherweise erst zwei, drei Wochen vor der Geburt entwickelt, vor allem in den Füßen und Händen. Ich war froh, dass ich noch meine super bequemen und leichten Wanderschuhe hatte, denn alle anderen konnte ich nicht mehr tragen. Meinen Ehering hatte ich ebenfalls kurz nach der Hochzeit schon wieder abgelegt, so musste ich mir wenigstens keine Sorge um abgequetschte Finger machen. Zwei Wochen nach der Geburt waren die Schwellungen dann auch wieder verschwunden.

Die Kurzatmigkeit wurde natürlich im Verlauf der Schwangerschaft nicht besser. Nachts konnte ich bald nicht mehr auf dem Rücken liegen, da ich das Gefühl hatte, nicht tief genug einatmen zu können. Unsere neue Couch bot mir zu dem Zeitpunkt auch keine bequeme Sitz-, Flätz- oder Liegeposition, so dass ich die letzten Wochen auf der (vornehmlich rechten) Seite schlafend und im Lehnstuhl des bekannten schwedischen Möbelhauses sitzend verbracht habe (dort versuchte ich auch während der ersten Wehen noch etwas Schlaf zu finden, nachdem ich mich nirgendwo mehr wohl gefühlt habe). Interessant und unerwartet war für mich, dass die Kurzatmigkeit noch einige Tage nach der Geburt anhält. Ist auch klar, wenn man darüber nachdenkt, da sich durch das nachgeburtliche Platzangebot alle Organe im Bauchraum erst zurechtrücken müssen und dann die Bauchatmung erst wieder richtig funktionieren kann. Aber das war, wie ich fand, ein sehr merkwürdiges Gefühl.

Zum Thema Schwangerschaftsstreifen muss ich sagen, dass bis zum Schluss alles gut aussah und ich schon stolz dachte, ohne größere Streifen davon zu kommen. Doch mit dem letzten Wachstumsschub war meine Haut dann doch überfordert und seit dem zieren ein paar Streifen meinen Bauch. Allerdings ist mir das ziemlich egal. Schließlich leistet eine Bauchdecke jede Menge im Verlauf der Schwangerschaft, da sind mir doch ein paar Streifen schnuppe.

Auf die Dammmassage habe ich nach ein paar Versuchen (lies bitte “Verrenkungen”) verzichtet. Fünf Wochen vor dem errechneten Geburtstermin konnte ich südlich des Bauchnabels nichts mehr sehen, geschweige denn im Uhrzeigersinn dehnen. Und mal ehrlich… Wer bittet seinen Partner darum, die Dammmassage vorzunehmen?! (Ehrfahrungsberichte bitte gern als Kommentar mitteilen!) Jedenfalls hielten sich meine Dammbeschwerden in und nach der Geburt im erträglichen Rahmen, so dass ich es nicht sehr bereue, diese Massage ausgelassen zu haben.

Natürlich habe ich ein paar Kilos zugenommen, genauer gesagt 12. Durch die Geburt und den Klinikalbtraum danach, habe ich innerhalb von zwei Wochen mein vorschwangerschaftliches Gewicht wieder erlangt. Sicher keine nachahmenswerte Methode. In der Stillzeit habe ich zwar wieder vier Kilos zugelegt, aber das sollte später kein Problem sein. (Und vielleicht purzelt dann auch noch das eine oder andere überflüssige Pfund mit.)

Von anderen Beschwerden blieb ich weitesgehend verschohnt. Stimmungsschwankungen hatte ich wohl keine (von den üblichen mal abgesehen, sagt mein Mann), allerdings konnte ich bei jeder rührenden Filmszene und sogar bei bestimmten Songs im Radio plötzlich heulen wie ein Schlosshund. Ich bin zwar auch so nah am Wasser gebaut, was traurige (aber auch freudige) Ereignisse angeht, aber so schlimm war es noch nie. Ich war wahnsinnig stolz auf mich, dass ich unsere Hochzeiten (standesamtlich und kirchlich im 7. Monat) nicht durch Dauerweinen versaut habe.

Erstaunlicherweise hatte ich während der gesamten Schwangerschaft weder Kopf-, noch Rückenschmerzen. Das wurde mir so richtig erst nach der Geburt bewusst (unsere Mausemaus ist ein ausgesprochener Tragling). Für mich ein Grund, mich auf die nächste Schwangerschaft jetzt schon zu freuen!

Nach der Geburt las ich dann von Abhärtungsmassnahmen für die Brustwarzen als Vorbereitung auf das Stillen. Hast du diese Vorschläge berücksichtigt – und vor allem, hat es etwas genützt? Glücklicherweise blieben meine Brustwarzen von Massagen, zerlöcherten BHs oder sonstigen Rubbeleinheiten verschont…

Und wie ist es dir ergangen? Kannst du von anderen Kuriositäten berichten? Denn wer weiß, was die zweite Schwangerschaft Neues mit sich bringt…

Ich bin gespannt.

{Rückblick} Schwangerschaftswehwehchen – Teil 1

Ich kann mich noch gut daran erinnern… Da war ich nun zum ersten Mal schwanger und war gespannt, welche typischen Wehwehchen ich wohl erleben würde.

Von Übelkeit war ich bis zu dem Zeitpunkt verschont geblieben, aber das konnte ja noch kommen, schließlich gibt es Frauen, die in den ersten drei Monaten hormonellbedingt mit Übelkeit und Erbrechen geschlagen sind und andere, die das ganze dann in den letzten drei Monaten erleben, weil das Baby den Eingeweiden den Platz streitig macht.

Die Sache mit den verrückten Gelüsten habe ich von Anfang an nicht ernst genommen… Auch wenn ich mich in regelmäßigen Abständen nur von Tomaten hätte ernähren können, mochte ich die eigentlich schon immer. Mir hat eher das Gegenteil zu schaffen gemacht, dass man bestimmte Dinge in der Schwangerschaft lieber meiden sollte. Und natürlich, wie sollte es auch anders sein, hatte ich gerade auf genau diese Dinge Appetit, wie Sushi (auch wenn es bei uns in der Nähe nicht mal ein Sushi-Restaurant gegeben hätte), frisches Mett (habe ich zwar sonst auch nur selten gegessen, aber das stand nicht zur Debatte) oder selbstgemachte Mayonnaise (Moment, das gehört doch nicht in diese Aufzählung, da ich kein großer Mayo-Fan bin, egal)… Auf jeden Fall ging es mir dann mit einem Mal wie so oft im Leben: das, was man nicht haben darf, will man plötzlich umso mehr. Verschlimmert wurde dieser Zustand, als bei mir in der 26. Schwangerschaftswoche Diabetes festgestellt wurde. Von nun an waren darüberhinaus Süßigkeiten, Müsli, Joghurts, viele Obstsorten und jegliche Süßspeisen tabu, ebenso weißes Brot oder Brötchen, sprich, ich musste mich noch bewusster ernähren. Allerdings wollte ich auf keinen Fall, dass mein ungeborenes Baby irgendwie beeinträchtigt wurde (die Frauenärztin bestätigte mir immer wieder, dass ich nicht zu viel Fruchtwasser hatte und auch das “Böhnchen” nicht zu groß wurde) oder ich Insulin spritzen müsste. Also fügte ich mich gehorsam in mein Schicksal und überraschte sogar meine Diabetesberaterin, dass ich meine Werte so gut unter Kontrolle bekam.

Dann war da die Sache mit den Wassereinlagerungen. Eine Freundin von mir hat in den letzten Wochen vor der Geburt ihres Sohnes extrem mit Wassereinlagerungen in Beinen und auch anderen Körperstellen zu tun gehabt und sehr darunter gelitten. Würde es bei mir ähnlich sein und vor allem, wann würde es los gehen? Und, was konnte man dagegen unternehmen? Ich verschob diese Frage auf den Zeitpunkt, wenn ich selbst nur noch in Socken ohne Gummi und den bequemsten Schuhen, die ich besaß, würde herumlaufen können.

Die Kurzatmigkeit sollte ja vor allem zum Ende der Schwangerschaft eintreten, wenn Baby und Gebärmutter so ziemlich alles, was sich noch in der Bauchhöhle befindet, an den äussersten Rand gedrängt hätten. Allerdings sorgte meine schlechte Kondition dafür, dass ich schon ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat lieber den Fahrstuhl nahm, als mittags zur Kantine im vierten Stockwerk die Treppe zu nehmen. Da man mir zu dem Zeitpunkt die Schwangerschaft allerdings auch schon ansah, war mir die Fahrstuhlfahrt schon am zweiten Tag nicht mehr so peinlich.

Natürlich besorgte ich mir auch ein gutes Bio-Massageöl und ölte und zupfte bei jeder Gelegenheit an meiner Bauchdecke herum, um Schwangerschaftsstreifen zu verhindern oder wenigstens einzudämmen. Ich mied meine Lieblingskörperlotions und -butter, da ich ja nicht wollte, dass irgendwelche Inhaltsstoffe dieser intensiv duftenden Pflegemittel meinem ungeborenen Baby schadeten. Nachdem ich dann monatelang nur nach Mandelöl duftete (also nach gar nichts), war ich richtig froh, als ich ein Massageöl geschenkt bekam, dass dezent nach Malve roch. Mittlerweile habe ich noch ein weiteres wohlduftendes Öl entdeckt (das Babyöl mit Calendula riecht meiner Nase nach wie kandierter Apfel), das ich bei einer nächsten Schwangerschaft eher als Prophylaxeöl einsetzen werde. Öl ist schließlich Öl. Wahrscheinlich könnte man auch Olivenöl zur Massage einsetzen… wenn man einen kräftigen, mediterranen Geruch auf der Haut mag.

Um beim Thema Massage zu bleiben, natürlich würde ich auch fleißig meinen Damm massieren, damit bei der Geburt nachher nichts riss. Praktischerweise gibt es auch dafür ein spezielles Öl (wahrscheinlich hätte es auch hier Olivenöl getan) und die Massageanleitung mit bunten Bildern gleich dazu. Da eine Dammmassage erst in den Wochen vor der Geburt durchgeführt werden sollte, verschob ich diese gymnastische Übung auf später.

Zum Thema Gewichtszunahme werde ich hier nicht viel sagen, denn es wird sich nicht vermeiden lassen, dass das ein oder andere Kilo dazu kommen wird. Die Gebärmutter lagert Flüssigkeit ein, es wird mehr Blut benötigt, Fruchthüllen und literweise Fruchtwasser werden gebildet und aus einem mikroskopischen Zellhaufen wird ein Embryo und daraus ein Fötus – kurz ein neuer Mensch. Wen interessiert da noch der Body-Mass-Index.

Eine kleine Recherche auf den einschlägigen Internetseiten brachten noch jede Menge weiterer Beschwerden hervor, mit denen man während der Schwangerschaft geschlagen sein könnte, wie niedriger Blutdruck, Hämorrhiden, heiße Füsse, Hitzewellen, Juckreiz, Krampfadern, Müdigkeit, Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit, Sodbrennen, Stimmungsschwankungen, Verstopfungen, Wadenkrämpfe, Zahnfleischbluten… Bin ich froh, dass ich mich erst während der Schwangerschaft mit möglichen Wehwehchen auseinander gesetzt habe und nicht bereits davor.

Wie ich meine Schwangerschaft dann wirklich erleben durfte, könnt ihr im zweiten Teil lesen.

{Rückblick} Wir sind schwanger!

Eines Tages war es also bei mir so weit: Ich hielt einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Dieser Tag im September hatte bescheiden angefangen und nun plötzlich, blau auf weiß, war ich schwanger. Nicht, dass ich nicht wußte “wie das nur passieren konnte!”, darüber war ich mir schon im Klaren. Immerhin hatte ich im August meine Pille abgesetzt (“Meine Eierstöcke müssen ja erst wieder in Fahrt kommen, nach all den Hormonpillen…”), aber ehrlich gesagt, hatte ich nicht damit gerechnet, dass bereits der erste Eisprung zu einer Schwangerschaft führen würde. Ich fühlte mich fast ein wenig überrumpelt. Mein Mann (verheiratet waren wir da noch nicht) würde über alles glücklich sein, das wußte ich. Leider war er gerade nicht zuhause, sondern unterwegs nach Dänemark und höchstwahrscheinlich gerade im Auto, so schickte ich ihm ein Foto als Nachricht:

Eine eindeutige Nachricht.

Natürlich rief er bald an und freute sich riesig (allerdings fragte er trotzdem sicherheitshalber nach, ob er die Nachricht auch wirklich richtig verstanden hatte). Er würde allerdings erst in ein paar Tagen wieder zuhause sein… Da meine Periode noch nicht lang genug überfällig war, und ein Termin bei der Frauenärztin erst in der darauf folgenden Woche vereinbart wurde, wäre mein Mann also rechtzeitig zurück, um zu diesem ersten Termin mitkommen zu können.

Ich blieb vorerst allein mit meinen Gedanken. Wußte nicht, ob ich weinen, lachen oder beides gleichzeitig tun sollte. Immerhin änderte sich eben mein Leben. Ich wollte Kindern, mindestens zwei. Aber als es dann wirklich soweit war, wurde mir plötzlich die Verantwortung bewußt, die ein Kind bedeutete… Ich konnte niemanden anrufen, weil ich erst den Arzttermin abwarten und, da ich in Babydingen sowieso leicht abergläubig bin, erst im dritten Monat die frohe Botschaft in die Welt hinaus tragen wollte…

Ehrlich gesagt, kann ich mich an die Tage zwischen positivem Test und Arzttermin gar nicht mehr richtig erinnern.

Der Termin bei der Frauenärztin brachte dann Gewissheit: Wir waren schwanger! Und wie! Dieser kleine Zellhaufen, den man im Ultraschallbild sah, pulsierte bereits… ein winziges Herz hat bereits angefangen zu schlagen…