Peinlich, peinlich…

Das schöne an peinlichen Begebenheiten im Leben ist, dass man ihnen Jahre später noch etwas abgewinnen kann und wenn es sich dabei “nur” um eine lustige Anekdote für den eigenen Blog handelt.

Vor ein paar Jahren arbeitete ich als Aushilfe in der Buchhaltung eines Wiener Familienunternehmens. Die Firma wurde in zweiter Generation von einem über 70 Jahre alten “Herr Ingenieur” geführt (die Österreicher haben zwar die Adelstitel längst abgeschafft, halten stattdessen allerdings auf ihre akademischen Titel umso größere Stücke). Dieser hatte die Angewohnheit, morgens einen Gang zu seinem Finanzleiter zu unternehmen, dessen Büro sich in einer Ecke unseres Großraumbüros befand. Eines Morgens schleppte er sich also (sein Gang war mittlerweile eher langsam und kraftlos, die Verantwortung für das Unternehmen lastete schwer auf seinen Schultern) an unseren Schreibtischen vorbei. Plötzlich hielt er inne, bückte sich und hob etwas helles, kleinstoffliches vom Boden auf, hielt es mit zwei Fingern in die Luft und fragte in den Raum: “Hat hier jemand was verloren?” Eher gelangweilt schaute ich zu ihm auf, nur um plötzlich gefühlt zu erröten (kennt ihr das, wenn einem plötzlich ganz heiß im Gesicht wird und man meint, man glüht buchstäblich und jeder müsste es sehen?) und dem Herrn Ingenieur peinlich berührt das Fundstück aus der Hand zu reißen nehmen (“Hehe… Ups… Das gehört wohl mir!”). Zum Glück sprach mich keine meiner Kolleginnen darauf an und ich klärte sie auch Tage später erst freiwillig auf.

Ich muss vorher kurz erläutern, dass ich zu den Personen gehöre, die sich abends gern am Stück aus ihrer Kleidung schälen. Also landen bspw. Pullover/Shirt-Konvolut und Jeans/Unterwäsche/Socken-Kombi meist als Haufen am Boden oder auf dem Sessel (da sich der BH naturgemäß komplizierter entledigen lässt, landet er zuletzt als “Sahnehäubchen” obenauf) und erst am nächsten Morgen entscheide ich im Einzelnen darüber, ob der Pulli oder die Jeans noch ein weiteres Mal getragen werden können.

Normalerweise fische ich das nochmal zu tragende Kleidungsstück ohne größere Schwierigkeiten, also ohne weitere Altwäsche, aus dem Kleiderberg heraus. So auch an diesem Morgen… dachte ich. Daher dauerte es gefühlte Minuten, bis ich dem Fundstück des Chefs meine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte. Dann jedoch entriss entnahm ich es ihm schleunigst.

Aus nachvollziehbaren irgendwelchen Gründen hatte ich im Jeansknäuel den Tanga übersehen, der sich während des Wegs vom Appartement zur Straße, dem Radfahren zur Arbeitsstelle und dem Gang durchs Treppenhaus in die zweite Etage, schließlich durch ein Hosenbein herunter und auf den Büroteppich geschlängelt hatte. Ich war in dem Moment nur über drei Dinge froh: 1. war das gute Stück immernoch bis zur Unkenntlichkeit in sich zusammengerollt, 2. rechnete unser betagter Chef sicher nicht mit einem Teil Unterwäsche auf seinem Teppich und 3. war der Tanga kaum getragen, da ich ihn am Vorabend frisch nach dem Duschen vor dem auswärtigen Abendessen angezogen hatte.

Jedenfalls achte ich seit dem darauf, meine Jeans vor dem erneuten Anziehen einmal ordentlich auszuschütteln.

Was war euer peinlichstes Erlebnis?