Was für ein Jahr – 2013

Wenn ich schon einen Blog mit Tagebuchfunktion ins Leben rufe, dann gehört auch ein Jahresrückblick hierher. Da ich erst seit kurzem blogge, ist er hoffentlich auch für diejenigen unter euch interessant, die regelmäßiger hier vorbei schauen. Und falls euch ein Eintrag besonders interessiert und ihr euch denkt: “Bitte etwas genauer, liebe Anja!”, dann schreibt mir doch kurz in den Kommentaren! Los geht’s:

Im Januar, meinem Monat des Akademikers, habe ich nach jahrelangem Vormichherschiebens endlich meine Dissertation abgeschlossen und in Druck gegeben. Ich könnte von Ehrgeiz sprechen, aber viel eher ist der plötzliche Eifer auf meine zunehmenden Rundungen zurückzuführen gewesen. Endlich ist dieses Projekt abgeschlossen!

Im Februar, meinem Monat des Ja-Wortes, habe ich meinen langjährigen Lebenspartner, Freund und Vater unserer ungeborenen Tochter gleich zwei Mal geheiratet. Das erste Mal in einem ehrwürdigen Trauzimmer mit regionalen Wappen an der Wand und einem Segelschiff unter der Decke. Das zweite Mal in einer gemütlichen Sandsteinkirche mit all unseren Freunden, Verwandten und ausgewählten Lebenswegbegleitern. Als wir den Weg an den Bankreihen zum Altar entlangschritten, hörte ich ein erstauntes “Was, Anja ist schwanger?!” und wusste endlich, wen ich noch nicht darüber informiert hatte (ich war im 7. Monat und unübersehbar schwanger).

Im März, dem Monat des Wartens, wurde das Sein als solches beschwerlich und so langsam wollte ich den Menschen unter meinem Herzen endlich kennenlernen und wieder allein in meinem Körper sein. Es wurden, allen Aberglaubens zum Trotz und der Notwendigkeit folgend, Wickeltisch und Kinderbett aufgebaut, die Geburtshaustasche gepackt und die Namensauswahl abgeschlossen (wir hätten ein echtes Problem gehabt, wenn es doch ein Junge geworden wäre…). Das Basteln der Dankeskarten an unsere Hochzeitsgratulanten lief auf Hochtouren.

Der April, Monat der Tränen… Unserer Tochter wurde das Leben geschenkt. Das erste Mal durch mich, drei Tage später durch die Hände eines aussergewöhnlichen Chirurgenteams. Die Kinderklinik wird unser temporäres Zuhause.

Im Mai, Monat des Gefühlschaos’, durfte Mausemaus endlich nach Hause und wir realisierten langsam, dass wir wirklich Eltern geworden sind. Ein “Kuraufenthalt” bei den Schwiegereltern rettete mich nach mehreren Nervenzusammenbrüchen vor einer klinischen Wochenbettdepression. Mausemaus und ich werden dank Brusternährungsset endlich ein Stillteam.

Im Juni, dem Reisemonat, unternehmen wir die erste lange Fahrt seit der Geburt der Mausemaus zur Hochzeit meines Bruders nach Berlin. Aus geplanten vier Stunden, mit Sicherheits(Still)spanne 6 Stunden, wurden fast 9 Stunden. Hochzeit verpasst, Fotoshooting verpasst und Mausemaus und ich waren von der Fahrt und den Gästen schließlich so überfordert, dass wir Eltern nur abwechselnd an Buffett, Reden, Spaß und Fotos teilnehmen konnten (ansonsten stillte ich im Auto oder mein Mann holte sich bewundernde Bemerkungen beim Spaziergang im schwarzen Anzug mit der Mausemaus auf dem Arm), bevor wir nach zwei Stunden wieder die Feier verließen.

Im Juli, dem Schlaf gewidmet, bekommt Mausemaus ihre Nonomo-Federwiege und wir etwas mehr Schlaf.

Im August, dem Sommermonat, spielten wir uns als Mutter-Kind-Team immer besser ein.

Der September wurde der Boxenmonat, denn ich verfalle dem Boxenfieber: Hello Baby Box, Mami Box, Nonabox, mhh-Box, Lindt Chocoladen Club, you name it!
Ich knüpfe eine erhol- und unterhaltsame Freundschaft mit einer Mama aus meinem Geburtsvorbereitungskurs.
Mausemaus lacht zum ersten Mal herzhaft – was für eine Aussicht! Denn leider gelingt es uns erst Wochen später, sie wieder so schön zum gackern zu bringen (seither versüßt sie uns so den Tag).

Im Oktober, gab’s den ersten Brei für Mausemaus und den ersten freien Nachmittag für mich!

Der November ist der Blogging-Monat, denn ich entdeckte die gesellige Welt der Blogs und entscheide, mich diesem virtuellen Kaffee-Klatsch anzuschließen.
Mein soziales Netz wird endlich wieder weiter gespannt, durch Besuch des Eltern-Kind-Kreises und des Rückbildungskurses.

Im Dezember, dem Feiermonat, musste ich mich damit abfinden, das Weihnachten auch mal ohne Deko geht und Silvester ohne Feier.

Für 2014 wünsche ich mir gesunde und glückliche Familienmitglieder, mir selbst wieder mehr “Ich” und euch allen alles Liebe und einen guten Rutsch! Wir lesen uns wieder!

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Weihnachten 1.0 – Teil 2

Es ist tatsächlich noch etwas Weihnachtsstimmung aufgekommen. Von unseren Plänen für das diesjährige Weihnachtsfest habe ich ja bereits berichtet.
Ein wenig weihnachtliche Deko hat doch noch ihren Platz am Fenster gefunden. Auch wenn es in diesem Jahr kein Baum ist, so erzeugten Lichterkette und Weihnachtskugeln trotzdem etwas festliche Atmosphäre.

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Weihnachtskaktus

 

In der Tiefkühltruhe fand mein Mann noch einen Rehrücken und zauberte daraus ein feines, einfaches Mahl nebst Kartoffel-Möhren-Stampf (aus eigener Ernte) und Bratäpfeln für uns Eltern.

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Mausemaus hat natürlich noch ein Geschenk (klappernder Greifling, ohne Foto 😉 ) von uns bekommen, eingepackt in Backpapier und mit einer dünnen Kordel verschnürt. Zunächst wurden Papier und Kordel gründlich auf ihre Sabbertauglichkeit geprüft und als das Papier sich praktisch von selbst aufzulösen drohte, auch das Spielzeug interessiert von allen Seiten begutachtet und angenuckelt.

Nachdem die Kleine endlich schlummernd in ihrer Wiege lag, hatten wir Eltern genug Zeit (45 Minuten… ab dem ersten zufriedenen Schnarcher) zum Essen und Geschenke auspacken. Meine Familie hat vorausschauender Weise alle Geschenke per Post geschickt, da wir den Weg zu ihnen in diesem Jahr nicht mehr schaffen würden. Wir mussten wehmütig erkennen, dass sich der Geschenkeindex eindeutig in Richtung Mausemaus verlagerte. Allerdings freut es die Kleine natürlich umso mehr. Und wir Eltern werden schnell lernen, das weihnachtliche Kinderfreuden auch geteilte Elternfreuden sind.

Leider schläft Mausemaus momentan wieder etwas schlechter und so endete Weihnachten zumindest für die Mutter bereits um 21:30. Aber das ändert sich bestimmt… Spätestens in der Pubertät werden die Schlafphasen wohl endlich länger ausfallen. So meine Hoffnung.

Ich wünsche euch allen noch einen schönen Zweiten Weihnachtsfeiertag!

Heute bei der Post – oder Gestatten, Dreist

Wie viele Andere war auch ich heute noch unterwegs, um die letzten Weihnachtspäckchen auf die Reise zu schicken. Also noch schnell in unsere Mini-Post-Filiale im örtlichen Baumarkt. Aus Bequemlichkeit und Zeitmangel (die Post macht schließlich pünktlich um 12Uhr zu) wird die achteinhalb Kilo Mausemaus auf dem einen Arm und der Korb mit den Päckchen auf dem anderen balanciert und der Platz in der Warteschlange (7. Stelle) eingenommen. Zum Glück sind beide Schalter besetzt. Es sollte also nicht so lange dauern. Hinter mir reihen sich schon die nächsten Last-Minute-Absender ein.

Kurz darauf kommt eine Dame dazu, Mitte 50, mit zwei Briefen in der Hand und einem Fuss bereits in der Schlange vor mir und fragt ganz scheinheilig: “Stehen Sie hier etwa alle an? Eben war die Schlange doch schon so lang…” (Öhm, nein… wir wissen nur nicht, was wir sonst am Samstag vor Weihnachten machen sollen und stehen einfach so mit Päckchen in der Hand im Gang rum…) Ich dann zu ihr, demonstrativ Kind und Päckchenkorb zurecht rückend: “Naja, das wird sich wohl heute auch nicht ändern…” Sie schaut nur kurz bratzig und reiht sich still und heimlich hinter mir ein (wahrscheinlich ist die Wartende hinter mir einfach nur sprachlos und wehrt sich nicht).

Die Schlange wird flott abgearbeitet, bald sind nur noch die Schalter vor uns besetzt und wir die Nächsten an der Reihe. Mausemaus wird auch langsam unruhig, aber alles noch im Rahmen. Aus dem Augenwinkel seh ich, wie die Dame, Mitte 50, mit zwei Briefen in der Hand, langsam neben mir und schließlich vor mir zu stehen kommt. Das kann ich ja haben… Erst später kommen und dann vormogeln. Also werfe ich ihr einen eindeutigen Wage-es-ja-nicht-Blick zu, den sie auch noch erwidert. Und, schwups, steht sie am Schalter. Na gut, denke ich mir, sind ja nur zwei Briefe, wahrscheinlich will die Dame sie nur persönlich am Schalter abgeben, statt draussen in den Briefkasten zu werfen (der dazu noch neben einem intakten Briefmarkenautomat steht). Mit halbem Ohr bekomme ich jedoch mit, wie sich ein Gespräch über Porto und Briefmarken entwickelt – wie dreist! Zum Glück ist der zweite Schalter nun frei und ich kann meine Päckchen abgeben, bevor mir beide Arme abfallen.

Ich bin meist sprachlos, bei soviel Dreistigkeit. Diese Frau gehört eindeutig zur Kategorie Frau-über-50-mir-gehört-die-Welt: mit dem Einkaufskorb von der Seite in die kilometerlange Schlange an der Kasse im Supermarkt reinmogeln und dann so tun, als würde man das Ende der Schlange nicht bemerken. Oder sich in der Bahn nicht an die erst-aussteigen-dann-einsteigen-Regel halten, nur um sich ja einen Platz zu ergattern (und sich beim Austeigen aus der rappelvollen Bahn ähnlich dreist und ellenbogenboxend einen Platz an der Tür sichern, ohne sich darum zu scheren, dass die zehn Mitreisenden vor der Tür ebenfalls gleich aussteigen wollten). Ihr habt sicher noch andere Beispiele (gern in den Kommentaren).

Wie reagiert man da am besten?

{Buch-Tipp} Introducing Bookcrossing – Bibliothek mal anders

Ein kleines unscheinbares Buch lag auf der Sitzbank der U-Bahn, als ich am Rathaus Steglitz in Berlin zustieg. Auf dem Cover befand sich ein Aufkleber “Read and Release” und innen ein zweiter, der mich aufforderte, den Fund auf der BookCrossing-Homepage zu registrieren, und das Buch nach dem Lesen wieder “in die Freiheit” zu entlassen. Das war meine erste Begegnung mit BookCrossing, im März 2005. Seit dem bin ich begeisterter BookCrosser und möchte euch diese Art des Büchertausches gern vorstellen.

BookCrossing (BC) versteht sich als weltweite öffentliche Bibliothek, wo jeder Bücher, die er nicht mehr braucht, sie aber auch nicht ins Altpapier geben möchte, mit einer einmaligen Nummer registrieren kann und an neue Leser weitergibt, einfach irgendwo liegen lässt (in der Bahn, im Studentenwohnheim, auf der Parkbank) oder in einem BookCrossing Bookshelf hinterlässt.

In allen Großstädten und vielen kleineren Städten gibt es sogenannte Open BookCrossing Zones (OBCZs). Dabei handelt es sich beispielsweise um ein Café oder Restaurant, das ein Regal (das BC Bookshelf) zur Verfügung stellt, wo BookCrosser ihre Bücher ablegen können. In der Regel kümmert sich ein BookCrosser um diese OBCZ und registriert neu hinzugekommene Bücher, organisiert BC-Stammtische (sogenanntem Meet-Ups) oder schaut einfach nur ab und zu nach dem Rechten. Das Café Einstein am Rathausplatz in Wien beispielsweise hat einen ganzen Gastraum als OBCZ zur Verfügung gestellt. Dort warten mehrere Kubikmeter Bücher auf Regalen bis unter die Decke auf neue Leser. Regelmäßig trifft sich dort auch ein BC-Stammtisch, wo BookCrosser direkt Bücher tauschen oder sich einfach bei einem Häferl Kaffee über ihre gemeinsame Leidenschaft unterhalten können. Wenn man die Augen offen hält, findet man plötzlich immer wieder ein BC-Buch oder -Regal. Und wer es nicht dem Zufall überlassen möchte, der findet auf der BC-Homepage Informationen über OBCZs und freigelassene Bücher in seiner Nähe. In manchen kleineren Städten gibt es sogenannte öffentliche Bücherschränke (eine Liste findet ihr hier). Auch dort können BC-Bücher anzutreffen sein.

Eine einfache Art mitzumachen, wenn man keine OBCZ in der Nähe hat, ist, sich an einem Bücher-Ring oder einer Bücher-Box zu beteiligen. Dazu trägt man sich im Forum beim entsprechend Ring (ein Buch geht auf die Reise) oder der gewünschten Box (ein ganzes Paket voll Bücher geht auf die Reise) auf einer Liste ein und wartet dann einfach, bis das entsprechende Päckchen oder Paket (manche Boxen beinhalten 20 Bücher und mehr) zuhause ankommt. Diese Boxen sind echt interessant und werden häufig zu einem bestimmten Thema zusammengestellt, ob zu einem bestimmten Genre wie Krimis oder Bücher, deren Titel unter einem bestimmten Motto stehen (Bücher mit schwarzem Einband oder passend eine Weihnachtsbücher-Box). Schaut doch mal rein!

Ein Bitte noch an alle, die Bücher finden: Hinterlasst ein Journaleintrag auf der Homepage des Buches, denn nichts freut einen Bookcrosser mehr, als das sein Buch gelesen wird und nicht dem lokalen Altpapier zugeführt wird!

In diesem Sinne: Have a good read!

{Rückblick} Der Geburtsvorbereitungskurs

An sieben Terminen sollten meine Mann und ich also auf die Geburt vorbereitet bzw. mit dem theoretischen Rüstzeug für eine entspannte und natürliche Geburt ausgestattet werden. Da es sich um eine Geburt im Geburtshaus handeln sollte und davon ausgegangen wurde, dass die zukünftigen Väter sich aktiv an der Geburt beteiligten, wurden alle Termine des Kurses als Paar absolviert.

Der Kurs fing ca. 3 Monate vor unserem errechneten Entbindungstermin an. Am ersten Tag lernten wir uns gegenseitig (fünf Pärchen in freudiger Erwartung) und unsere Männer die Hebamme näher kennen. Dazu suchte sich jeder einen “Interview”-Partner (möglichst nicht den eigenen) und versuchte in einem kurzen “Pregnancy Speed Date” unter vier Augen möglichst viel über die Person, den bisherigen Verlauf der Schwangerschaft, den Stand zur Kinderzimmereinrichtung und ihr bisheriges und zukünftiges Leben im Allgemeinen herauszufinden. Zurück im Kursraum fasste man die Erkenntnisse über den anderen kurz zusammen – meist hatte man ein mehr oder weniger informatives Pläuschchen gehalten und sich einfach nur sympathisch gefunden. Wir waren also eine ganz nette Truppe, alle so im Alter von Mitte Dreißig und zum ersten Mal schwanger.

Die folgenden Termine kann ich einzeln gar nicht mehr auflisten, aber ich versuche mal, die Themen zusammen zu fassen. An einem Tag erklärte uns die Hebamme anhand sehr (!) anschaulicher Schaubilder, Fotos und einer Stoffpuppe (die Gebärmutter war ein gestrickter Sack) den Geburtsvorgang. Nun wussten wir also, wie so eine Geburt, zumindest theoretisch im Idealfall, ablief. Für mich war es wichtig zu sehen, wie der Körper es schafft, sich an die Veränderungen während der Geburt anzupassen. So konnte ich später bei der Geburt voll darauf vertrauen, dass mein Körper das schon alles richtig macht und mich nur darauf zu konzentrieren, zu atmen und auf die Anweisungen meiner Hebamme und die lieben Worte meines Mannes zu hören.

An einem anderen Tag besichtigten wir das Geburtszimmer und sprachen die möglichen Stellungen in der Geburt durch (eine von uns durfte auch immer anschaulich “vorturnen”): mögliche Stellungen in der Geburtswanne, Entspannungsübungen und Geburtstellungen am Reck, der Gebährhocker und natürlich alle möglichen Stellungen auf und am Bett. Die weit verbreitete Stellung auf dem Rücken liegend wurde dabei als unnatürlich für den Weg des Neugeborenen durch das Becken abgelehnt. Letztendlich wurde das “unsere” Stellung, obwohl ich alles andere in der Geburt zwar ausprobierte (außer der Wanne), aber schließlich keine Kraft mehr hatte (der Geburtsbericht folgt noch, nur soviel vorweg: bei mir hat’s einfach etwas länger gedauert).

Wir übten ebenfalls Entspannungsmöglichkeiten am Partner, auf dem Pezi-Ball, am Fensterbrett oder der Wand. Lernten Akkupressurpunkte zur Entspannung oder Stärkung in der Geburt kennen und ließen uns von den Männer Rücken und Kreuzbein massieren. Im Nachhinein fanden wir das eher unnötig. Zumindest wir hatten während der Geburt keinen Gedanken an Akkupressur oder Gymnastik am Pezi-Ball verschwendet (unsere Hebamme erstaunlicherweise auch nicht).

An einem Tag übten wir dann das Atmen. Also nicht so das typische “Hecheln”, sondern vielmehr, welche Atmung (tief, flach, langsam, schnell, “Ah” oder “Oh”) wir am einfachsten und angenehmsten fanden. Den richtigen Rhythmus würden wir bei der Geburt ganz automatisch wählen. Ich beispielsweise habe unter der Geburt wie eine Kuh gemuht, die nach ihrem Kälbchen ruft. Wenn man der Theorie folgt, dass Lippenstellung der Frau und Öffnung des Muttermunds miteinander zusammen hängen, sollte ich mich bei der nächsten Geburt vielleicht lieber auf ein weit geöffnetes “Ah” konzentrieren…

Rückblickend muss ich über den Abend schmunzeln, an dem wir eine ungefähre Ahnung erhalten sollten, wie sich Wehen… “anfühlen” ist das falsche Wort. Es ging eher darum, den Schmerz auszuhalten. Dazu stellte man sich wahlweise mit zur Seite ausgestreckten Armen hin oder lehnte sich mit rechtwinkligen Beinen an die Wand (also wie auf einem Stuhl sitzend mit der Wand als “Stuhllehne”) und hielt diese Stellung für einen immer länger dauernden Zeitraum von Minuten. Klar, beim sechsten Mal (mit kurzen Unterbrechungen) wurden einem die Arme bzw. Beine zwar echt schwer, aber mit Wehen hatte das wirklich nicht viel gemein.

Interessant waren immer die Brainstorming-Runden. Dazu versammelten sich Männer und Frauen getrennt und schrieben ihre Gedanken zu bestimmten Themen auf (Was erwarte ich von meiner Hebamme, welche Erwartungen oder Sorgen habe ich in Bezug auf die Geburt, was erwarte ich von meinem Partner?), die dann in der gesamten Gruppe durchgesprochen wurden. Es war interessant, dass man sich gegenseitig um einander Gedanken macht (Hält meine Frau/mein Mann das aus?) oder selbst während der Geburt meint, sich um seinen Mann kümmern zu wollen (Er soll ja genug essen und trinken und lieber den Raum verlassen, als unter allen Umständen da zu bleiben, wenn er “es” nicht mehr aushält). Mädels, wenn ihr schwer muhend (oder ah- und ohend) da liegt/sitzt/hockt/steht, ist euch der Ernährungszustand eurer Männer (und euer eigener) schnurz. Ausserdem sind sie nicht aus Pappe und werden (i.d.R.) einen Teufel tun und zwischendurch eure Seite verlassen. Selbst mein Mann, der gerade in Stresssituationen gern mehr raucht als sonst, hat erst den Raum verlassen, als unsere Kleine ruhig atmend auf meiner Brust lag.

Zusammenfassend (total subjektiv!) war der Kurs für mich ein netter Zeitvertreib mit netten Menschen, der mir zumindest ein wenig die Angst vor der Geburt nahm (und was besseres kann es doch für eine Schwangere nicht geben!). Wirklich angewendet haben wir keine der geübten “Massnahmen”. Selbst unsere sonst so “alternative” Hebamme hat keine weiteren Hilfsmittel angeboten, wie Akkupressur, Homöopathie, Akupunktur oder Kaffee-Tamponaden als Dammschutz. Mein Mann war im Nachhinein richtig enttäuscht, hatte der Kurs ihn doch nicht im Mindesten auf das vorbereiten können, was er dann wirklich erlebt hat (schwere Geburt, um Hals gewickelte Nabelschnur und blaues Neugeborenes, dass zum Atmen animiert werden musste). Allerdings muss das auf eure Geburt nicht zutreffen – ich wünsche euch das von ganzem Herzen!

Den nächsten Geburtsvorbereitungskurs werde ich auch wieder mitmachen. Vielleicht ist der ja realitätsnaher. Ihr werdet es lesen können.