{Rückblick} Wie schön, dass du geboren bist – Die Geburt

Als ich den Blogpost zum Thema Geburtserlebnis von Anja (vonguteneltern) laß, wußte ich, dass ich endlich über mein Geburtserlebnis schreiben wollte. Rückblickend, ohne die Hormone, die ja normalerweise die Erinnerungen einer Mutter an die Geburt verklären. Und als eine Art Tagebucheintrag (also auch recht ausführlich). Als Gedankenstützen dienten mir hierfür meine Kalendereintragungen zur Zeit der Geburt, sowie das Geburtsprotokoll aus der Frauenklinik. Und nein, ich habe meine Geburt nicht “vergessen” und möchte trotzdem noch mindestens ein zweites Kind! Allen werdenden Müttern unter euch würde ich empfehlen, sich genau zu überlegen, ob ihr Geburtsberichte lesen wollt oder euch lieber nur die Kurzfassungen eurer besten Freundinnen (eigene Mütter eignen sich hier manchmal nicht) anhört. Nachher ist es immer leichter zu sagen: “GSD, bei mir war es nicht so schlimm!” Oder aber “GSD, dann wird meine nächste Geburt sicher auch viel leichter!” Susanne, vom Blog Geborgen Wachsen schlägt sogar vor, vor der (ersten) Geburt möglichst nur positive Geburtsberichte zu lesen/hören, um das Selbstvertrauen in die Geburt aus eigener Kraft nicht zu schmäler. Denn vor der Geburt lässt frau sich im Zweifel verunsichern und das wäre doch echt schade, wo jede Geburt so einzigartig ist!

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Nun aber zu unserer Geburt: Meine Tochter wurde am ersten wirklichen Frühlingstag unserer Gegend im April 2013 geboren. Ich hatte mich im Vorfeld zu einer Geburt im Geburtshaus entschieden, weil ich eine ruhige und “natürliche” Geburt für uns wollte (nach Abwägung der Vor- und Nachteile zwischen Geburtshaus und Kreißsaal) und ich mich wohler fühlte mit einer Hebamme, die mich, wenn nötig, auch bei einer Hausgeburt oder im Kreißsaal begleiten würde. Es kam alles ein bisschen anders als geplant, aber ich fange am besten von vorn an.

Dienstags, 5:30 – noch eine Woche bis zum errechneten Geburtstermin
Ich wachte auf, weil ich plötzlich nass zwischen den Beinen wurde – mir schlug das Herz bis zum Hals! Geht es jetzt los? War das der Blasensprung? Es war für meine Begriffe viel Flüssigkeit, kein wahrer Dammbruch, aber ich hätte ja auch (noch) keinen Vergleich.
Ich schlief schon seit Tagen im Gästezimmer (und Schlafzimmer im Wechsel), weil ich nirgends mehr so richtig gut liegen konnte. Also lief ich schnell ins Bad, um mir einen genaueren Überblick zu verschaffen, bevor ich alle Pferde, also meinen Mann, scheu machen würde. Die Flüssigkeit war farblos (keine Spur von Blut), geruchlos und von der Konsistenz wie verflüssigtes Gel. Sonst spürte ich nichts, keine Wehen, kein Ziehen… Für den Rest des Morgens kroch ich, nach einer kurzen Info, zum werdenden Vater unter die Decke.
Das CTG am späteren Vormittag bei der Frauenärztin zeichnete dann auch nur leichte Wehen auf und die Untersuchung bestätigte einen fest verschlossenen Muttermund. Heute morgen war also “nur” der Schleimpropf abgegangen. Jetzt hieß es: Warten. Vorsichtshalber besorgte ich mir diese pH-Streifen in der Apotheke, mit denen sich leicht feststellen lässt, ob es sich um Fruchtwasser handelt (saurer pH, der Teststreifen verfärbt sich grün-bläulich) oder nicht (also Schleimpropf). Bei mir hieß es weiterhin “oder nicht”.

Nacht von Mittwoch auf Donnerstag – beginnende Wehen
Nachdem der Dienstag und Mittwoch zwar spannend aber unspektakulär verliefen, hatte ich nun die ganze Nacht über Wehen. Alle 4-10 Minuten für 20-40 Sekunden. Die Wehenwellen waren jetzt nicht sooo schmerzhaft, eher wie ziemlich starke Regelschmerzen, aber eben stark genug, dass ich nicht mehr liegen, geschweige denn schlafen konnte. Einzig im Wohnzimmersessel konnte ich mit hochgelegten Beinen noch etwas dösen, aber erholsam war diese Zeit nicht. Außerdem war ich natürlich aufgeregt und horchte die ganze Zeit in mich hinein.

Donnerstags – Geburt
Morgens fuhr mein Mann mich zur Frauenärztin. Im CTG sah man auch die Wehen schön regelmäßig. Mein Muttermund sei nun 1,5-2cm geöffnet. Heute könnte also DER Tag sein. Das Telefonat gegen 11:00 mit meiner Hebamme war ernüchternd kurz: “Ist grad schlecht – sind die Schmerzen noch auszuhalten?” Ja, ging wohl noch… danke der Nachfrage… (Später sollte sich rausstellen, dass sie gerade mit einer anderen Frau aus unserem Vorbereitungskurs zum ungeplanten Kaiserschnitt in die Klinik fahren musste, als ich sie anrief.)
In den nächsten Stunden wurden die Wehen kräftiger, aber an Dauer und Häufigkeit änderte sich nichts. Gegen 13:00 wurde mir dann doch langsam mulmig. Wäre die Hebamme in der Nähe, hätte ein Kontrollbesuch vielleicht ausgereicht, aber so wollte ich doch gern ins Geburtshaus und “meine” Hebamme an der Seite (oder viel mehr am Fußende). Da sie allerdings immer noch im Krankenhaus war (die Kaiserschnitt-Geburt), stellte sie uns selbst zur Wahl, wo wir gebären wollten und so fuhren wir einfach direkt in die Klinik.
Bis zur Ankunft im Krankenhaus gegen 15:00 öffnete sich der Muttermund nur auf 3-4cm. Also nichts mit der 1cm-pro-Stunde-Regel. Laut Hebamme etwas wenig für die verstrichene Zeit, aber nicht weiter besorgniserregend. Es wurden (leider) vorerst keine weiteren Maßnahmen ergriffen.
Mein Mann und ich gingen in den nächsten Stunden viel spazieren… im Krankenhaus und in der benachbarten Fußgängerzone. Die Wehen dauerten nun etwas länger, vielleicht 1 Minute, kamen alle 3-5 Minuten und wurden auch spürbar stärker. Bald hatte ich das Bedürfnis, sie zu veratmen und mich dabei auf den Schultern meines Mannes abzustützen. Gegen Abend waren es dann immerhin 6-7 cm. Im Gehen spürte ich die Wehen, im Sitzen oder Liegen leider kaum. Vielleicht lag das am Gewicht des Kindes, das dann aufgrund der Schwerkraft zusätzlich von oben “mithalf”… Jedenfalls spazierten wir also den Großteil der Nacht hindurch, während unsere Hebamme und ihre Praktikantin in unserem Geburtszimmer auf Bett und Liegesessel schlummerten. Geschlafen habe ich auch in dieser Nacht nicht.

Freitags – Geburt… To be continued…
Die ganze Nacht hatte sich am Muttermund und am Ablauf der Wehenwellen nichts weiter verändert, so dass ich früh morgens an einen Wehentropf gehängt wurde. Die Wehen wurden daraufhin spürbar stärker und regelmäßiger und ich verbrachte ein paar Stunden auf meiner Seite liegend im Bett und veratmete die Wehen. Bei der nächsten Kontrolle, ca. anderthalb Stunden nach Anlegen des Wehentropfes, hatte sich der Muttermund trotzdem kaum weiter geöffnet. Zusätzlich stellte meine Hebamme fest, dass am Muttermund eine “Falte” stehen geblieben ist, ein Wulst, der verhinderte, dass das Köpfchen des Babys weiter vordringen konnte. Meine Hebamme sprengte nun manuell die Fruchtblase, in der Hoffnung, dass dadurch die Geburt vorangetrieben würde. Jetzt war mir klar, was ein Blasensprung war! Mensch, war das viel Flüssigkeit! Allerdings konnte ich nicht viel sehen, da der Bauch im Weg war und die Hebamme immer alles gleich weg wischte. Ich spürte nur, wie bei jeder meiner Bewegungen ein Schwall Fruchtwasser aus mir heraus lief. Mein Mann meinte später, dass zudem ein eigentümlicher Geruch vom Fruchtwasser ausging (unsere Hebamme hatte uns ja im Geburtsvorbereitungskurs schon vorgewarnt). Ich hab nichts gerochen.
Obwohl ich zusätzlich ein Buscopanzäpfchen und homöopathische Unterstützung mit Gelsenicum bekam, tat sicher leider weiterhin nichts am Muttermund, trotzdem der Wehentropf schon voll aufgedreht war. Also riet mir meine Hebamme zur PDA, um mir eine Pause zu gönnen. Dazu musste ich mich auf eine herangekarrte Krankenliege hieven setzen und den Rücken möglichst weit krumm machen (nicht so einfach, wenn man noch den dicken Bauch vor sich hat). Ich hatte ja echt Manschetten vor der PDA, aus Angst, etwas könnte schief gehen und ich querschnittsgelähmt enden (immerhin pieksen die da in meine Wirbelsäule!). Aber alles lief gut. Angenehm ist der Piekser nicht, aber auszuhalten. Mir wurde noch ein Zugang gelegt und der Ausgang auf die Schulter geklebt, damit ggf. nachgespritzt werden konnte. Als das Betäubungsmittel dann gespritzt wurde, fühlte es sich an, als würde kaltes Wasser den Rücken hinauf laufen… Schon seltsam. Nach ein paar Minuten spürte ich dann bauchnabelabwärts nichts mehr. Die Beine gehorchten mir zwar noch, aber alles fühlte sich taub an, wie eingeschlafen. Ich sollte auch nochmal auf Toilette gehen und mich erleichtern, aber das bekam ich einfach nicht hin. Wie hätte ich mich auch noch mehr entspannen sollen, wo ich doch eh nichts mehr fühlte? Außerdem hatte ich immer Angst, ich würde vom Klo rutschen oder nicht mehr selbst aufstehen können… Letztendlich katheterisierte die Hebamme mich zwei Mal (ich hab noch Wochen später leichte Beschwerden beim Wasserlassen gehabt…). Dann sollte ich mich hinlegen und entspannen. Der Wehentropf blieb weiterhin voll aufgedreht. Ich würde mal ne Auszeit bekommen und vielleicht sogar etwas schlafen können, während mein Körper mal eine Zeit lang ohne mein Empfinden weitermachen würde.
Die Wirkung der PDA dauerte so 2-3 Stunden an, zwar wurde der Muttermund weicher und öffnete sich bis Mittag auf 7-8 cm, aber leider wurde die Falte am Muttermund nicht wirklich kleiner. Ein Arzt “schaute” sich das ganze noch an und plötzlich stand die Option Kaiserschnitt im Raum. Zu dem Zeitpunkt hätte ich längst nicht mehr das Gefühl gehabt “versagt” zu haben, wenn es zur OP gekommen wäre (manchen Frauen soll es ja so gehen, wenn ihre Geburt mit einem ungeplanten Kaiserschnitt endet)… Ich bekam in einem letzten Versuch eine weitere Ladung PDA und die Hebamme bemühte sich zusätzlich, mit Rescue-Salbe (Bachblüten) die Falte weg zu massieren. Gegen 18:00 schaffte sie es tatsächlich, die Falte vom Kopf des Babys weg zu schieben und die Austreibungsphase einzuleiten.
Die PDA ließ auch bald nach und spürte ich nun deutlich, wie die Wehen immer stärker wurden (irgendwie dachte ich immer, dass man mit PDA von der Geburt nicht mehr viel mitbekommt, aber denkste, Puppe, im entscheidenden Moment war ich wieder voll da). Ich lag die ganze Zeit auf der Seite und muhte immer lauter werdend vor mich hin. Als es langsam zu den Presswehen überging, hielt mein Mann die ganze Zeit mein angewinkeltes Bein. Irgendwann konnte ich nur noch in Rückenlage weiter machen, weil ich keine Kraft mehr hatte, mich auf der Seite, geschweige denn, auf den Knien im Vierfüßlerstand zu halten. Der Gebährhocker war leider auch keine Option, weil dann der Druck auf den Beckenboden zu groß war… Also weiter auf dem Bett.
Zu allem Überfluss verschwand plötzlich meine Hebamme im Nachbarzimmer (im Nachbarkreissaal war wohl gerade ihre Hilfe vonnöten, aber trotzdem…)! Mein Mann hockte nun zwischen meinen Beinen, ein Ort, an dem ich ihn zur Geburt sicher nicht haben wollte. Als niemand zurück kam, meinte ich trocken zu ihm: “Du, ich kann auch lauter schreien, dann kommt sicher einer!” Meinen Humor hatte ich wohl noch nicht verloren.
Die Wehen dauerten eine gefühlte Ewigkeit. Ich hatte immer den Eindruck, dass bei jedem Pressen das Baby zwar etwas weiter raus kam, mit Nachlassen der Wehe aber wieder zurück rutschte. Es war zum Heulen. Anfangs war es mir auch noch peinlich, wenn ich merkte, dass ich durch das Pressen Stuhlgang hatte, aber irgendwann war mir das sowas von egal! Ich sah/roch/hörte nichts anderes, außer dem, was meine Hebamme oder mein Mann zu mir sagten. Schließlich ergab ich mich dann einfach der Geburt. Es waren unbeschreibliche Schmerzen und zwar im buchstäblichen, nicht übertragenen Sinne… Die Geburtsschmerzen sind mit nichts zu vergleichen und werden sicher von jeder Frau und abhängig von der Situation anders empfunden. Auf jeden Fall hatte ich im Nachhinein den Eindruck, Frauen seien gerade für diese Art von Schmerz geschaffen. Ich dachte mir nur bei jeder Wehe, dass es irgendwann vorbei sein wird – sein muss! – und dass ich schließlich nicht die Erste sei, die ein Kind bekommt. Ich war überrascht, als die Hebamme meinte, das Baby müsse nur noch durch den Beckenboden. Ich durfte sogar nach dem Köpfchen tasten, als es langsam hervor kam – ein seltsames Gefühl, mit den Fingerspitzen über das behaarte Stück Köpfchen zu streichen…
Irgendwann hatte ich langsam kein Kraft zum Pressen mehr (vielleicht hatte ich auch einfach nicht mehr genug Zucker = Energie im Körper, da ich seit zwei Tagen aufgrund meiner Schwangerschaftsdiabetes und später der Opotion auf einen Kaiserschnitt nichts Vernünftiges mehr gegessen hatte). Darüber hinaus, hatte ich auch das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen (mittlerweile denke ich, das rührt einfach da her, dass die Gebärmutter und das Baby keinen Druck mehr auf Zwerchfell und Lunge ausüben und man plötzlich “ins Leere” atmet bzw. man gar nicht richtig Luft holen kann…versteht ihr, was ich meine?… das gleiche Phänomen, wie nach der Geburt, wenn man immer noch kurzatmig ist…). Die diensthabende Ärztin (eine junge Assistenzärztin, die mit der ganzen Situation irgendwie überfordert schien) gab mir daraufhin irgendwann Sauerstoff über eine Maske. Auf jeden Fall ging es plötzlich nicht mehr weiter und zwei (?!… ich weiß nicht mehr genau, wieviele) Hebammen fingen an, von aussen auf meinen Bauch zu drücken, um das Pressen zu unterstützen (wie ich jetzt weiß, wird diese Technik Kristeller-Handgriff genannt). Jetzt ist es vorbei, dachte ich, irgendwas geht bestimmt kaputt… Nach ein paar, durch den Druck von außen sehr unangenehmen Presswehen, schafften wir es. Ein kurzer Schreck noch, als ich plötzlich nicht weiter pressen sollte, weil die Nabelschnur um den Hals unseres Babys geschlungen war… Dann noch ein, zwei Wehen und unsere Tochter purzelte (pünktlich zur Tagesschau) aus mir heraus. Nur am Rande bekam ich mit, dass die Hebamme wie wild anfing, das Baby zu massieren…

Dann lag sie endlich auf meiner Brust, voll Käseschmiere und noch durch die Nabelschnur mit mir verbunden. Dieses kleine, warme, glitschige Etwas, das nur aus Köpfchen und Beinen zu bestehen schien. Ich wusste gar nicht, wie ich es überhaupt halten sollte. Irgendwann durchtrennte mein Mann die Nabelschnur, als die Pulsation darin aufgehört hatte und wir wurden kurz allein gelassen. An sehr viel kann ich mich in dieser Zeit nicht erinnern. Ich denke, ich habe nur ungläubig dieses kleine Wesen angesehen. Als die Hebamme das nächste Mal wieder kam, ging mein Mann kurz nach unten, um zu rauchen. In dieser Zeit brachte ich die Nachgeburt zur Welt. Der Wehentropf wurde nochmal aufgedreht und auch hier musste dieser Griff auf den Bauch wieder angewendet werden, weil die Nachgeburt laut Hebamme “hinter dem Schambein fest” hing und ich sie durch Pressen nicht selbst heraus bekam. Die ganze Zeit hatte ich die Kleine auf meiner Brust und “muhte” ihr während der erneuten Wehen laut ins Ohr. Schließlich war auch das geschafft.
Als mein Mann dann wieder kam, war er erst erschrocken, weil wohl mit der Nachgeburt auch eine Menge Blut abgegangen ist und ich auch noch ziemlich erschöpft auf dem Bett lag. Ich konnte ihn schließlich beruhigen. Als die junge Ärztin kam, um meinen Dammriss zu nähen (unter lokaler Betäubung, nicht angenehm, aber auch nicht sehr schmerzhaft), hatte mein Mann endlich Gelegenheit mit unserer kleinen Tochter zu kuscheln.

Da ich so erschöpft war und es mittlerweile auf Mitternacht zu ging, wollte ich die Nacht doch auf der Wöchnerinnenstation verbringen. Zum Glück! Denn als unsere Hebamme uns dort verabschiedete, bemerkte sie, dass mit unserer Tochter etwas nicht stimmte – sie schwitze und war leicht bläulich… Der Sauerstoffgehalt im Blut war viel zu niedrig, unsere Tochter konnte also nicht richtig atmen! Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir einfach, wie geplant, nach Hause gefahren wären… Unerfahren, mit dem ersten Kind im Arm… Die nächsten Minuten und Stunden liefen für uns wie ein schlechter Film ab: Verlegung unserer Tochter in die nächste Kinderklinik, dort die Diagnose, dass etwas mit dem Herz nicht stimmte, die Fahrt nach Hause wie in Trance (ich durfte aus irgendeinem Grund, den ich nicht wirklich verstand, doch nicht im Krankenhaus übernachten)… Am nächsten Tag dann die Information, dass die Kleine nach Hannover verlegt werden müsste, da nur dort die Spezialisten sind, um sie zu operieren. Ihr Abflug mit dem Helikopter…

Hier ende ich meinen Bericht. Bestimmt werde ich eines Tages erzählen, wie es weiter ging, schließlich verbrachten wir beinahe vier Wochen in Krankenhäusern. Aber heute kann ich es nicht. Nur so viel: Wir hatten unheimlich viel Glück und viele Zufälle führten zum glücklichen Ausgang dieser Geschichte. Eine Menge Schutzengel haben an diesem und den folgenden Tagen Überstunden geschoben! Wir haben erlebt, wie wichtig die Unterstützung von Familien und Freunden ist! Mein Mann und ich haben während der ganzen Zeit nie mit unserem “Schicksal” gehadert, wir hätten sie nicht anders haben wollen, auch mit ihrer Krankheit – sie hat sich uns ausgesucht, weil sie wusste, dass wir das zusammen schaffen können! Der Schreck vom Anfang unserer kleinen Familie verblasst, aber er geht nie weg…

Mausemaus geht es derweil super, sie entwickelt sich wie jedes 12 Monate alte Baby, ehm Kleinkind, und auch mein Alltag unterscheidet sich in nichts von dem anderer müder, manchmal überforderter, aber im Grunde liebender Mütter.

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Rückblickend stellen sich mir einige Fragen zur Geburt, da unsere Hebamme mit uns leider keine Nachbesprechung der Geburt durchgeführt hat (das war auch der Grund, weshalb ich letztendlich selbst das Krankenhaus anschrieb und das Geburtsprotokoll anforderte). War mein Körper vielleicht noch gar nicht so weit, daher die Komplikationen (Falte am Muttermund, Wehenschwäche, Mitpressen durch die Hebamme)? Allerdings wäre es bei einem längerem Geburtsverlauf vielleicht noch schlechter für Mausemaus gelaufen… Warum habe ich keinen Glukose-Tropf bekommen? Das nächste Mal würde ich darauf bestehen. Hätte man die Geburt durch pflanzliche Mittel (Ingwer, Zimt) beeinflussen können? Tja, das ist eine Frage an die nächste Hebamme, den Mausemaus soll auf jeden Fall und trotz allem ein Geschwisterchen bekommen…

Leider wurde, wie ihr seht, während unserer Geburt nicht viel kommuniziert. Wir wußten nicht, ob alles normal verläuft, was für Alternativen es gäbe, etc. pp. Ich kann euch angehenden Müttern nur raten: Löchert eure Hebamme, wenn euch etwas nicht klar ist (bzw. gebt diese Aufgabe an euren Mann ab)! Spätestens nach der Geburt solltet ihr auf eine Nachbesprechung bestehen und am besten alle Unklarheiten und Fragen vorher aufschreiben.

Ich wünsche euch eine schöne Geburt und ein gesundes Kind!

PS: Auf Janas Hebammenblog findet ihr übrigens noch weitere, sehr unterschiedliche Geburtsberichte.

{Schwangerschaft} Geburtshaus vs. Kreißsaal – die Qual der Wahl

Ich stand vor der Wahl (Geburtshaus oder Kreißsaal), habe gewählt (Geburtshaus), und doch nicht das bekommen, was ich wollte (Kreißsaal). Zum Glück, denn bei uns gab es Komplikationen. Ich wäre wohl so oder so im Krankenhaus gelandet, weil meine Wehen nicht wirklich muttermundwirksam waren. So hatten wir Glück im Unglück, da unsere Tochter gleich nach der Geburt auch noch in die örtliche Kinderklinik verlegt werden musste. Davon schreibe ich allerdings ein anderes Mal.

In diesem Beitrag soll es um den Vergleich bzw. die Unterschiede zwischen der Geburt im Geburtshaus und einer im Krankenhaus gehen. Da viele werdenden Mamas und einige Schon-Mamas gar nicht so richtig wissen, was ein Geburtshaus im Vergleich zum Kreißsaal im Krankenhaus ist, möchte ich ein paar Informationen dazu bieten (wohlgemerkt, das sind meine Erfahrungen, also nichts universell Geltendes). Ihr könnt mir gern in euren Kommentaren mitteilen, wie ihr eure Geburten jeweils empfunden und ob ihr andere Erfahrungen gemacht habt!

Geburtshaus = In einem Geburtshaus arbeiten eine oder mehrere Hebammen und man kann dort sein Kind (in der Regel zusammen mit dem Partner) zur Welt bringen. Diese Hebammen haben eine Zusatzqualifikation, die ihnen auch das Betreuen von Hausgeburten (was anderes ist eine Geburtshausgeburt im Prinzip nicht) erlaubt. Das Konzept von Geburtshäusern ist meist ähnlich: Eine Geburt wird als selbstverständlichste Sache der Welt betrachtet, bei der die Gebärende die Möglichkeit haben soll, Art und Weise sowie Geschwindkeit der Geburt selbst zu bestimmen. Meist werden alternative Methoden wie Homöopathie und Akupunktur zur Behandlung von Beschwerden in der Schwangerschaft oder begleitend zur Geburt angeboten.

Kreißsaal = Die Kreißsäle (manchmal auch Geburtszimmer genannt) werden durch mehrere diensthabenden Hebammen und einen Arzt betreut. Ob gegebenenfalls alternative Methoden angeboten werden, kann ich nicht beurteilen. Allerdings gibt es antroposophische Krankenhäuser und Frauenkliniken, die von sich aus eine mehr ganzheitliche Herangehensweise haben und wo alternative Methoden sicher auch eine Rolle spielen (Beispiel Klinik Havelhöhe in Berlin).

Location/Ausstattung: Ein Geburtshaus ist nicht zwangsläufig ein “Haus”, meistens handelt es sich dabei um ein paar Räume, ähnlich einer Arztpraxis, nur ohne den klinisch-sterilen Flair (und den Desinfektionsgeruch). Es gibt einen “Aktivitäten”-Raum mit Matten und Kissen, wo die Geburtsvorbereitungskurse, Rückbildungsgymnastik und andere Kurse durchgeführt werden. Dann stehen noch ein oder mehrere Räume zur Vorsorge (Gespräche und Untersuchungen durch die Hebamme, CTG, Akupunktur usw.) und/oder als Geburtszimmer zur Verfügung. Das Geburtszimmer ist wohnlich gestaltet, mit großem Bett, Bildern an der Wand und Wickeltisch. Darüber hinaus befindet sich dort eventuell noch eine Geburtswanne, eine Sprossenwand und/oder andere geburtsunterstützenden Hilfsmittel (Pezi-Ball, Tuchseil, Geburtshocker etc.). Für die Mama steht auch ein Badezimmer zur Verfügung.
Das nächste Krankenhaus (Frauen- bzw. Kinderklinik) ist in der Regel in wenigen Minuten erreichbar. Besteht die Schwangerschaft jedoch 14 Tage nach errechnetem Entbindungstermin, wird die Geburt auf jeden Fall in die Klinik verlegt!

Die Anzahl der Kreißsäle ist je nach Größe der Frauenstation unterschiedlich. Ich dachte ehrlich noch, das ein Kreißsaal was OP-mäßiges an sich hat. Allerdings sind die Geburtsräume, welche ich gesehen habe (zwei verschiedene Krankenhäuser), kaum von dem Zimmer in unserem Geburtshaus zu unterscheiden gewesen und verfügten über dieselbe Ausstattung.
Viele Krankenhäuser haben eine Kinderstation oder das Baby wird im Notfall an die nächste Kinderklinik verlegt.

Personal: In manchen Geburtshäusern sucht man sich eine Hebamme aus, die dann die Vorsorge und Nachsorge übernimmt und natürlich auch die Geburt begleitet. In anderen Geburtshäusern sucht man sich zwar auch eine (Stamm-)Hebamme aus, allerdings gibt es einen geregelten Bereitschaftsdienst für die Geburten, das heißt, man macht die Geburt mit der diensthabenden Hebamme (wenn man Glück hat, die “eigene”), die man im besten Fall vorher wenigstens durch einen Kurs oder beim Besuch des Geburtshauses schon mal kennengelernt hat. Dauert die Geburt über einen Schichtwechsel hinaus, so begleiten auch mehrere verschiedene Hebammen die Gebärende durch die Geburt. Meine Hebamme war praktisch mit einer Beleghebamme gleichzustellen, d.h. sie begleitete meine Geburt auch im Krankenhaus hauptverantwortlich weiter. Dazu bestehen Kooperationsverträge mit dem entsprechenden Krankenhaus. Gibt es einen solchen nicht, darf die Hebamme auch nicht hauptverantwortlich begleiten (also vorher abklären, ob im Ausweichkrankenhaus zusammen mit der Hebamme entbunden werden kann). Ich war also selbst im Krankenhaus nicht auf eine fremde Hebamme angewiesen. Hebammen eines Geburtshauses bieten einen Bereitschaftsdienst (Tag und Nacht, sowie persönliche Anwesenheit (d)einer Hebamme um den Geburtstermin herum), der über die Ereichbarkeit einer “normalen” Hebamme hinaus geht. Dafür wird eine Pauschale (150-350 Euro) erhoben, die je nach Krankenkasse ganz (bspw. Securvita), teilweise (bspw. Techniker Krankenkasse) oder gar nicht übernommen wird.

Es gibt noch wenige Beleghebammen, die mit bestimmten Krankenhäusern zusammen arbeiten und dort ebenfalls die Geburt mitbetreuen.

Wenn die Geburt im Krankenhaus mit der diensthabenden Hebamme und dem Arzt durchgeführt wird, kann man je nach Dauer der Geburt unterschiedliche Methoden der Betreuung erfahren (von robust bis mitfühlend). Manchmal kann der Eindruck entstehen, man stünde unter “Zeitdruck” und dass schneller ein Wehentropf angelegt oder gar ein Kaiserschnitt anberaumt wird.

Während der Geburt: Die Gebärende kann mehr oder weniger selbst bestimmen, wann sie zur Geburt in das Geburtshaus fahren will. Möglicherweise kommt die Hebamme auch erst nach Hause und überprüft den Fortgang der Geburt (Öffnung Muttermund etc.), bevor zusammen entschieden wird (noch Warten, ab ins Geburtshaus oder Hausgeburt). Die Hebamme führt die Geburt normalerweise allein mit der Gebärenden und ihrem Partner durch.

Ist eine Geburt im Krankenhaus geplant, fährt die Gebärende i.d.R. mit Eintritt der Wehen selbst zur Klinik. Manchmal wird man allerdings auch wieder nach Hause geschickt, wenn es sich noch nicht um regelmäßige oder ausreichend starke Wehen handelt. Der Vater darf bei der Geburt im Kreißsaal ebenfalls anwesend sein. Je nach Klinikkonzept und Geduld und Erfahrung der Hebamme und/oder des diensthabenden Arztes wird der Mutter ermöglicht, das Tempo selbst zu bestimmen oder nach Ablauf einer bestimmten Zeit eingegriffen (Wehentropf, PDA, manuelle Sprengung der Fruchtblase, Benutzung von geburtshilflichen Hilfsmitteln wie Zange oder Saugglocke, Kaiserschnitt).

Bei Komplikationen: Sobald bspw. bei Wehenschwäche ein Wehentropf gelegt werden muss oder andere Komplikationen eintreten (Geburtsstillstand, Gefahr für Mütter oder Kind), wird die Geburt aus dem Geburtshaus in die nächste Frauenklinik verlegt. Bei meiner Geburt gab die Hebamme im Geburtszimmer der Klinik nach meinem Einverständnis die entsprechenden Anweisung zur Legung des Wehentropfes bzw. später der PDA. Die Geburt selbst betreute sie allein weiter und bekam erst Hilfe durch die Hebammen des Krankenhauses, als es nicht weiter gehen wollte.

Bei der Geburt im Kreißsaal können weitere Hebammen zur Hilfe angefordert werden. Bei Komplikationen wird sofort der diensthabende Arzt hinzugezogen.

Nach der Geburt: Wurde die Geburt im Geburtshaus beendet, so bleibt man in der Regel ca. drei Stunden dort (währenddessen führt die Hebamme die ersten Untersuchungen beim Baby durch) und fährt danach einfach mit dem Baby nach Hause.

Nach Einer Geburt im Krankenhaus bleiben Mutter und Kind i.d.R. noch drei Tage zur Überwachung auf der Mutter-Kind-Station. Wenn man Glück hat, kann man auch eines der wenigen Familienzimmer ergattern, wo die frische Familie inkl. Papa für sich bleiben und alle gemeinsam übernachten können.

Vorteile/Nachteile kurz zusammengefasst (kein Anspruch auf Vollständigkeit!)

Geburtshaus
+
Betreuung durch ein und dieselbe Hebamme in Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge (soweit gewünscht)
+ Geburt in wohnähnlicher Umgebung und ohne Zeitdruck
– keine Hilfe durch weitere Hebammen

Aktuell: Leider können immer weniger Hebammen ihrem Beruf freiberuflich (im Geburtshaus oder als Beleghebamme) nachgehen, da die Versicherungssätze ständig erhöht werden und viele Hebammen sich diese nicht mehr leisten können. Was sehr schade ist!

Kreißsaal
+ durch das Schichtsystem sind die Hebammen i.d.R. ausgeruht und nicht durch eine Häufung von betreuten Geburten in kurzer Zeit überfordert
+ es steht sofort ein Arzt zur Verfügung
+ kurze Wege in den OP und zur Kinderstation
– Betreuung durch unbekannte Hebamme mit eventuell unangenehmen Stil (“Stellen Sie sich mal nicht so an…”) – Spezialfall Beleghebamme!