Namensfindungsschwierigkeiten

Neulich habe ich mal alle Kosenamen unserer Kleinen aufgeschrieben. Die Liste reicht von Baby über Maus bis Zuckerschnute, inkl. deren Verniedlichungen. Mittlerweile kommen zwar auch Kosenformen ihres eigentlichen Namens dazu, aber die meisten haben nichts damit zu tun.

Warum verbringt man also Tage, Wochen, Monate damit zu, in Büchern, auf Internetportalen und in der eigenen Erinnerung nach dem perfekten Namen für’s Kind zu suchen (der vielleicht noch bestimmten Kriterien entsprechen sollte), wenn man dann doch völlig andere Kosenamen verwendet? Ich musste mich anfangs immer wieder daran erinnern, auch ihren Rufnamen zu verwenden, anstatt unsere Tochter immer mit Mausezähnchen oder Süße anzusprechen.

Wie erging es euch? Wusstet ihr sofort, wie euer Kind heißen sollte?

Und dann sollte der perfekte Name ja noch bestimmte Kriterien erfüllen:

Kein Allerweltsname – es gab jede Menge Anjas in meiner Schule. Zu exotisch (Keenan) oder zu fantastisch (Morgana) sollte der Name allerdings auch nicht sein.

Aber Universell – soll heißen, dass man ihn nicht nur bspw an der Nordseeküste normal findet, wie Maite, Femke oder Gerke.

Doppelname – habe ich ebenfalls nicht. Ich finde die Tradition des Erbens bestimmter Namen von Vorfahren oder deren Abwandlungen als Zweitnamen irgendwie nett, so bleiben die Ahnen noch mehr im Gedächtnis. Und vielleicht gefällt ihr der zweite Name eines Tages so gut, dass er sich irgendwann als alternativer Rufname durchsetzt.

Koseformtauglichkeit, bedingt meist durch Mehrsilbigkeit – ich hatte selbst nie einen Spitznamen und hätte so gern einen gehabt (und auf Anni ist glücklicherweise niemand gekommen). Mein Mann konnte diesen Wunsch nie richtig nachvollziehen “Kinder geben sich doch immer irgendwelche Spitznamen, egal wie sie heißen.” Das stimmt, bei Jungs. Thorsten wird Torte, Lukas zu Luxe oder Matthias zu Matze. Die nehmen sich notfalls auch den Nachnamen her und aus Busch wird “der Usch” oder einfach “der Wilke”. Oder das Lieblingsgetränk wird Namenssponsor oder sonstige körperlichen Merkmale dienen als Anhaltspunkt. Aber Mädchen? Die Susanne ist meist Susi, Nicole Niki oder vielleicht noch Cole, und Katharina wird sogar anglifiziert zu Cat. Bei zweisilbigen Vornamen wird es echt schwierig, einen Kosenamen zu kreieren, da bleibt Tina Tina (vielleicht noch Tini oder Tinchen bis längstens zur Pubertät, danach wird’s peinlich) und Sarah bleibt eben Sarah.

Da hab ich mir für unsere Tochter eben mehr Fantasie gewünscht. Oder sehe ich das zu eng? Wohlgemerkt: Jaqueline, “Schantall” und Mandy wurden von vorneherein ausgeschlossen.

Letztendlich haben wir einen schönen Namen gefunden, dreisilbig, unüblich, und im Zweitnamen sogar einen Hinweis auf die nördlichen Gefilde der Geburtsstadt. Ich bin zufrieden. Wird es unsere Mausemaus auch mal sein oder wird sie bei ihrer Tochter (meiner Enkeltochter, oh je…) alles anders machen wollen, einfacher, und sie nennt sie dann Lena oder Marie oder Ina? Vielleicht schließt sich der Kreis dann wieder.

Perfekt verplant

Ich gebe es zu, ich habe etwas spät mit der Rückbildungsgymnastik angefangen. Aber da ich keine Beschwerden mit meinem Beckenboden oder sonstigen Muskelpartien habe, konnte ich mich und Mausemaus bisher nicht aufraffen. Das hat sich nun geändert. Heute waren wir zum zweiten Mal beim Rückbildungskurs.

Nach dem ersten Besuch letzte Woche hatte ich einen ausgewachsenen Muskelkater in den Beinen. Nicht sehr praktisch, wenn man eine Treppe bis zur Wohnung im Obergeschoss hochstapfen muss und Kind+Kindersitz an die zehn Kilogramm wiegen. Da musste die Kleine dann auch mal auf das beliebte Hoppereita-Spielchen durch die Wohnung verzichten. Hab ich aber auch nicht anders verdient, schließlich habe ich mich seit nem Jahr nicht mehr groß sportlich betätigt (von meinem letzten Ausflug auf dem Fahrrad erzähle ich ein anderes Mal).

Heute ging es dann wieder mit dem Muskelkater. Da wir letzte Woche ein wenig spät zum Kurs kamen, habe ich diesmal alles schon am Vorabend geplant und soweit möglich, gepackt. Ich habe sogar das Morgen-Fläschchen vor der Fahrt exakt getimet an die Mausemaus verfüttert. Da es über Nacht gefroren hatte, war ich froh, extra eine halbe Stunde früher als Abfahrtszeit eingeplant zu haben… Wie kann nun ein sieben Monate altes Kind die gesamte Planung torpedieren? Indem es den Autoschlüssel versteckt? Nein, aber das dauert sicher auch nicht mehr lange. Oder indem es sich wieder komplett entkleidet, während Mama noch schnell Schuhe und Jacke anzieht? Zum Glück wird auch diese Boykott-Massnahme erst später eine Rolle spielen. Die einzige absolut sichere Methode für eine sieben Monate altes Kind, sämtliche Zeitpläne durcheinander zu bringen ist, sich in dem Moment, wenn es im Kindersitz angeschnallt wird, vom steckengebliebenen Bäuerchen zu erleichtern und sich bis auf den Body voll zu spucken (natürlich nicht absichtlich, auch wenn mir der Gedanke kurz kam). Also, Kind in Windeseile umgezogen, zurück in den Kindersitz und zum Auto, das ja noch enteist werden musste. Das nächste Hindernis im perfekten Zeitplan: Die zugefrorene Autotür. Praktischerweise natürlich auf der Seite, wo der Isofix installiert wurde… Mit etwas Kraft und der Hoffnung, dass dem Gummi nichts passiert, ließ sich die Tür irgendwann öffnen. Mit freien Fensterscheiben ging es dann endlich mit 20 Minuten Verspätung los. Achja, ich hatte natürlich vergessen, Frostschutzmittel ins Scheibenwasser zu tun, so dass nun die Leitungen eingefroren waren. Zum Glück schien die Sonne und ich brauchte keine Scheibenwischer auf dem Weg zum Kurs. Ich weiß nicht, wie wir es geschafft haben, aber wir sind doch tatsächlich noch pünktlich zum Kurs gekommen, der diesmal etwas beinschonender ausfiel.

Mal wieder ein Beispiel für “erstens kommt’s anders, und zweitens als man denkt”.
Seid ihr in letzter Zeit in ähnlichen Situationen gewesen?

{Rückblick} Schwangerschaftswehwehchen – Teil 2

Ein paar Wochen nach der Geburt, ließ ich die Zeit meiner Schwangerschaft vor meinem inneren Auge Revue passieren und muss sagen, dass ich Glück hatte und sie eigentlich habe (hätte) genießen können.

Letztendlich war mir nicht ein einziges Mal übel geworden. Außer ein einziges Mal im Winter, als ich mir einen fiesen Magen-Darm-Virus eingefangen hatte, der mir zu einer Brech-Durchfall-Nacht verhalf, die ich so noch nie erlebt habe (und ich hatte Angst, dass mein Würgen irgendwie dem “Böhnchen” schaden könnte). Davon abgesehen, konnten mich weder irgendwelche Gerüche, noch Lebensmittel dazu bewegen, mich über die Kloschüssel zu beugen.

Der Schwangerschaftsdiabetes blieb mir bis zur Geburt erhalten. Ich hatte sogar im Krankenhaus noch das Glukose-Testgerät dabei. Allerdings habe ich im weiteren Verlauf des Tages keinen Gedanken mehr an den perfekten Zuckerwert verschwendet, davon abgesehen, dass ich sowieso kaum einen Bissen runter bekam. Ein paar Tage nach der Geburt habe ich aus Neugier meine Werte gecheckt und es war alles im Normbereich. Der Abschlusstermin drei Monate später bei der Diabetologin ergab absolute Normalwerte. Ich habe also keinen dauerhaften Diabetes entwickelt. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich bei der nächsten Schwangerschaft wieder einen Diabetes entwickeln werde, ziemlich hoch. Nun ja, ich weiß dann ja, was auf mich zukommt.

Wassereinlagerungen habe ich glücklicherweise erst zwei, drei Wochen vor der Geburt entwickelt, vor allem in den Füßen und Händen. Ich war froh, dass ich noch meine super bequemen und leichten Wanderschuhe hatte, denn alle anderen konnte ich nicht mehr tragen. Meinen Ehering hatte ich ebenfalls kurz nach der Hochzeit schon wieder abgelegt, so musste ich mir wenigstens keine Sorge um abgequetschte Finger machen. Zwei Wochen nach der Geburt waren die Schwellungen dann auch wieder verschwunden.

Die Kurzatmigkeit wurde natürlich im Verlauf der Schwangerschaft nicht besser. Nachts konnte ich bald nicht mehr auf dem Rücken liegen, da ich das Gefühl hatte, nicht tief genug einatmen zu können. Unsere neue Couch bot mir zu dem Zeitpunkt auch keine bequeme Sitz-, Flätz- oder Liegeposition, so dass ich die letzten Wochen auf der (vornehmlich rechten) Seite schlafend und im Lehnstuhl des bekannten schwedischen Möbelhauses sitzend verbracht habe (dort versuchte ich auch während der ersten Wehen noch etwas Schlaf zu finden, nachdem ich mich nirgendwo mehr wohl gefühlt habe). Interessant und unerwartet war für mich, dass die Kurzatmigkeit noch einige Tage nach der Geburt anhält. Ist auch klar, wenn man darüber nachdenkt, da sich durch das nachgeburtliche Platzangebot alle Organe im Bauchraum erst zurechtrücken müssen und dann die Bauchatmung erst wieder richtig funktionieren kann. Aber das war, wie ich fand, ein sehr merkwürdiges Gefühl.

Zum Thema Schwangerschaftsstreifen muss ich sagen, dass bis zum Schluss alles gut aussah und ich schon stolz dachte, ohne größere Streifen davon zu kommen. Doch mit dem letzten Wachstumsschub war meine Haut dann doch überfordert und seit dem zieren ein paar Streifen meinen Bauch. Allerdings ist mir das ziemlich egal. Schließlich leistet eine Bauchdecke jede Menge im Verlauf der Schwangerschaft, da sind mir doch ein paar Streifen schnuppe.

Auf die Dammmassage habe ich nach ein paar Versuchen (lies bitte “Verrenkungen”) verzichtet. Fünf Wochen vor dem errechneten Geburtstermin konnte ich südlich des Bauchnabels nichts mehr sehen, geschweige denn im Uhrzeigersinn dehnen. Und mal ehrlich… Wer bittet seinen Partner darum, die Dammmassage vorzunehmen?! (Ehrfahrungsberichte bitte gern als Kommentar mitteilen!) Jedenfalls hielten sich meine Dammbeschwerden in und nach der Geburt im erträglichen Rahmen, so dass ich es nicht sehr bereue, diese Massage ausgelassen zu haben.

Natürlich habe ich ein paar Kilos zugenommen, genauer gesagt 12. Durch die Geburt und den Klinikalbtraum danach, habe ich innerhalb von zwei Wochen mein vorschwangerschaftliches Gewicht wieder erlangt. Sicher keine nachahmenswerte Methode. In der Stillzeit habe ich zwar wieder vier Kilos zugelegt, aber das sollte später kein Problem sein. (Und vielleicht purzelt dann auch noch das eine oder andere überflüssige Pfund mit.)

Von anderen Beschwerden blieb ich weitesgehend verschohnt. Stimmungsschwankungen hatte ich wohl keine (von den üblichen mal abgesehen, sagt mein Mann), allerdings konnte ich bei jeder rührenden Filmszene und sogar bei bestimmten Songs im Radio plötzlich heulen wie ein Schlosshund. Ich bin zwar auch so nah am Wasser gebaut, was traurige (aber auch freudige) Ereignisse angeht, aber so schlimm war es noch nie. Ich war wahnsinnig stolz auf mich, dass ich unsere Hochzeiten (standesamtlich und kirchlich im 7. Monat) nicht durch Dauerweinen versaut habe.

Erstaunlicherweise hatte ich während der gesamten Schwangerschaft weder Kopf-, noch Rückenschmerzen. Das wurde mir so richtig erst nach der Geburt bewusst (unsere Mausemaus ist ein ausgesprochener Tragling). Für mich ein Grund, mich auf die nächste Schwangerschaft jetzt schon zu freuen!

Nach der Geburt las ich dann von Abhärtungsmassnahmen für die Brustwarzen als Vorbereitung auf das Stillen. Hast du diese Vorschläge berücksichtigt – und vor allem, hat es etwas genützt? Glücklicherweise blieben meine Brustwarzen von Massagen, zerlöcherten BHs oder sonstigen Rubbeleinheiten verschont…

Und wie ist es dir ergangen? Kannst du von anderen Kuriositäten berichten? Denn wer weiß, was die zweite Schwangerschaft Neues mit sich bringt…

Ich bin gespannt.

{Buch-Tipp} “On se left you see se Siegessäule – Erlebnisse eines Stadtbilderklärers” von Tilman Birr

Tilman Birr, gebürtiger Frankfurter mit Geschichtsstudium, sucht einen Job. Nichts anstrengendes. Da heuert er als Stadtbilderklärer bei einer Berliner Reederei an und erklärt fortan amerikanischen, spanischen und bayerischen Touristen, Schulklassen und Senioren die Sehenswürdigkeiten links und rechts der Spree. Natürlich erlebt er da jede Menge witziger Situationen (meine Favorites: die betrunkenen Spanier und die Gummibärchen-Bestechung der Schulklasse). Und mit der Besatzung des Dampfers ergeben sich auch immer wieder interessante Dialoge.

Dieses Buch ist kein Reiseführer der anderen Art… auch wenn man einiges an geschichtlichen Daten und Fakten erfährt. Vielmehr geht es um die Menschen, die Tilman kennenlernt (Einheimische wie Touristen). Die Dialoge wurden mundartlich wiedergegeben, also Englisch, Spanisch und auch Bayerisch und Berlinerisch. Da ich selbst gebürtige Berlinerin bin, musste ich oft herzhaft lachen!

Ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der kurzweilige Unterhaltung sucht, Berliner Sehenswürdigkeiten anders kennen lernen möchte und sich vor allem an der Berliner Schnauze erfreuen kann.

Und wie fandet ihr das Buch?

Keine Stille zum Stillen

Gestern fuhr ich mit der Mausemaus extra 40km in die nächste Großstadt, um im Babyfachmarkt shoppen zu gehen. Die Kleine machte die Fahrt und den Einkauf (im Tragetuch) auch super mit. Nur als Mama zum zweiten Mal in der Kleidungsabteilung vorbeischauen wollte, meldete sich erster Protest aus den Tuchschlingen. Also schnell an die Kasse. Wir kamen glücklicherweise auch gleich ran. Allerdings hatte heute die langsamste Kassiererin Dienst, die zuerst alle Artikel aus dem Korb auf einen Stapel sortierte, um sie danach nochmals umzusortieren, da der Sensor auf dem Tresen losging und die Diebstahlsicherungen entfernt werden mussten. Auf den dritten Stapel kamen dann endlich die Artikel, die sie eingescannt hatte. Der Protest aus dem Tragetuch wurde energischer und die Mausemaus versuchte sich nun langsam selbst zu befreien. Schnell noch bezahlt (hoffentlich war das die richtige Pin… Ah ja, passt) und dann zum Auto. Da wir uns ja auf dem Parkplatz eines riesigen BABYfachmarkts befanden, schnappte ich mir nur schnell die Wickeltasche und machte mich auf die Suche nach einem Stillraum. Als ich keinen entsprechenden Hinweis an der Decke oder den Türen fand, suchte und fand ich eine Mitarbeiterin des Marktes (die Kassiererin hatte neue Kunden und war gerade erst bei Stapel 2 angelangt). Auf meine harmlose Frage, wo denn hier der Stillraum wäre (ich erinnere daran, dies war ein riesiger Babyfachmarkt), schaute sie mich verwundert an und meinte: “Ham wir hier nicht…”. Kurz überlegte ich, ob ich mich mit der Mausemaus einfach in eines der Beispielkinderzimmer komplett mit Wickelkommode und bequemen Sessel zurückziehen sollte, entschloss mich dann aber doch mit der Rückbank unseres Golfs Vorlieb zu nehmen.

Da fragt man sich doch… Immerhin kamen die Kunden aus den umliegenden Landkreisen dorthin zum Einkaufen und dann haben sie nicht mal einen Stillraum… Auf dem Rückweg machte ich extra Halt bei einem Drogeriemarkt, wo ein Wickeltisch direkt im Markt nebst Windeln in sechs verschiedenen Größen zur Verfügung steht und eine Bank wenigstens die Möglichkeit bietet, sich mit dem Sprössling hinzusetzen und zu stillen oder die Flasche zuzubereiten. Das nenne ich vorbildlich. Oder mein letzter Bummel mit Kinderwagen in der Fußgängerzone, dessen Route ich extra so wählen musste, damit ich bei dem einzigen Kaufhaus der Stadt vorbeikomme, dass einen Wickelraum außerhalb der Toiletten eingerichtet hat und wo sogar ein bequemer Stuhl zum Stillen zur Verfügung steht (komplett mit “Fütterungszeit – Bitte nicht stören!”-Schild zum raushängen). Es muss ja nicht gleich ein Ohrensessel am Fenster mit Tee und leiser Musik sein… Selbst beim großen familienfreundlichen schwedischen Möbelmarkt konnte mir niemand einen Stillraum zeigen, sondern nur den Wickeltisch zum Aufklappen im Behinderten-WC…

Kennst du vielleicht stillfreundlichere Vorbilder? Vielleicht finden die sich ja auch in anderen Großstädten…

A pro pos… Die Mittagspause ist um… Ja, Mama hat fertig…

{Rückblick} Schwangerschaftswehwehchen – Teil 1

Ich kann mich noch gut daran erinnern… Da war ich nun zum ersten Mal schwanger und war gespannt, welche typischen Wehwehchen ich wohl erleben würde.

Von Übelkeit war ich bis zu dem Zeitpunkt verschont geblieben, aber das konnte ja noch kommen, schließlich gibt es Frauen, die in den ersten drei Monaten hormonellbedingt mit Übelkeit und Erbrechen geschlagen sind und andere, die das ganze dann in den letzten drei Monaten erleben, weil das Baby den Eingeweiden den Platz streitig macht.

Die Sache mit den verrückten Gelüsten habe ich von Anfang an nicht ernst genommen… Auch wenn ich mich in regelmäßigen Abständen nur von Tomaten hätte ernähren können, mochte ich die eigentlich schon immer. Mir hat eher das Gegenteil zu schaffen gemacht, dass man bestimmte Dinge in der Schwangerschaft lieber meiden sollte. Und natürlich, wie sollte es auch anders sein, hatte ich gerade auf genau diese Dinge Appetit, wie Sushi (auch wenn es bei uns in der Nähe nicht mal ein Sushi-Restaurant gegeben hätte), frisches Mett (habe ich zwar sonst auch nur selten gegessen, aber das stand nicht zur Debatte) oder selbstgemachte Mayonnaise (Moment, das gehört doch nicht in diese Aufzählung, da ich kein großer Mayo-Fan bin, egal)… Auf jeden Fall ging es mir dann mit einem Mal wie so oft im Leben: das, was man nicht haben darf, will man plötzlich umso mehr. Verschlimmert wurde dieser Zustand, als bei mir in der 26. Schwangerschaftswoche Diabetes festgestellt wurde. Von nun an waren darüberhinaus Süßigkeiten, Müsli, Joghurts, viele Obstsorten und jegliche Süßspeisen tabu, ebenso weißes Brot oder Brötchen, sprich, ich musste mich noch bewusster ernähren. Allerdings wollte ich auf keinen Fall, dass mein ungeborenes Baby irgendwie beeinträchtigt wurde (die Frauenärztin bestätigte mir immer wieder, dass ich nicht zu viel Fruchtwasser hatte und auch das “Böhnchen” nicht zu groß wurde) oder ich Insulin spritzen müsste. Also fügte ich mich gehorsam in mein Schicksal und überraschte sogar meine Diabetesberaterin, dass ich meine Werte so gut unter Kontrolle bekam.

Dann war da die Sache mit den Wassereinlagerungen. Eine Freundin von mir hat in den letzten Wochen vor der Geburt ihres Sohnes extrem mit Wassereinlagerungen in Beinen und auch anderen Körperstellen zu tun gehabt und sehr darunter gelitten. Würde es bei mir ähnlich sein und vor allem, wann würde es los gehen? Und, was konnte man dagegen unternehmen? Ich verschob diese Frage auf den Zeitpunkt, wenn ich selbst nur noch in Socken ohne Gummi und den bequemsten Schuhen, die ich besaß, würde herumlaufen können.

Die Kurzatmigkeit sollte ja vor allem zum Ende der Schwangerschaft eintreten, wenn Baby und Gebärmutter so ziemlich alles, was sich noch in der Bauchhöhle befindet, an den äussersten Rand gedrängt hätten. Allerdings sorgte meine schlechte Kondition dafür, dass ich schon ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat lieber den Fahrstuhl nahm, als mittags zur Kantine im vierten Stockwerk die Treppe zu nehmen. Da man mir zu dem Zeitpunkt die Schwangerschaft allerdings auch schon ansah, war mir die Fahrstuhlfahrt schon am zweiten Tag nicht mehr so peinlich.

Natürlich besorgte ich mir auch ein gutes Bio-Massageöl und ölte und zupfte bei jeder Gelegenheit an meiner Bauchdecke herum, um Schwangerschaftsstreifen zu verhindern oder wenigstens einzudämmen. Ich mied meine Lieblingskörperlotions und -butter, da ich ja nicht wollte, dass irgendwelche Inhaltsstoffe dieser intensiv duftenden Pflegemittel meinem ungeborenen Baby schadeten. Nachdem ich dann monatelang nur nach Mandelöl duftete (also nach gar nichts), war ich richtig froh, als ich ein Massageöl geschenkt bekam, dass dezent nach Malve roch. Mittlerweile habe ich noch ein weiteres wohlduftendes Öl entdeckt (das Babyöl mit Calendula riecht meiner Nase nach wie kandierter Apfel), das ich bei einer nächsten Schwangerschaft eher als Prophylaxeöl einsetzen werde. Öl ist schließlich Öl. Wahrscheinlich könnte man auch Olivenöl zur Massage einsetzen… wenn man einen kräftigen, mediterranen Geruch auf der Haut mag.

Um beim Thema Massage zu bleiben, natürlich würde ich auch fleißig meinen Damm massieren, damit bei der Geburt nachher nichts riss. Praktischerweise gibt es auch dafür ein spezielles Öl (wahrscheinlich hätte es auch hier Olivenöl getan) und die Massageanleitung mit bunten Bildern gleich dazu. Da eine Dammmassage erst in den Wochen vor der Geburt durchgeführt werden sollte, verschob ich diese gymnastische Übung auf später.

Zum Thema Gewichtszunahme werde ich hier nicht viel sagen, denn es wird sich nicht vermeiden lassen, dass das ein oder andere Kilo dazu kommen wird. Die Gebärmutter lagert Flüssigkeit ein, es wird mehr Blut benötigt, Fruchthüllen und literweise Fruchtwasser werden gebildet und aus einem mikroskopischen Zellhaufen wird ein Embryo und daraus ein Fötus – kurz ein neuer Mensch. Wen interessiert da noch der Body-Mass-Index.

Eine kleine Recherche auf den einschlägigen Internetseiten brachten noch jede Menge weiterer Beschwerden hervor, mit denen man während der Schwangerschaft geschlagen sein könnte, wie niedriger Blutdruck, Hämorrhiden, heiße Füsse, Hitzewellen, Juckreiz, Krampfadern, Müdigkeit, Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit, Sodbrennen, Stimmungsschwankungen, Verstopfungen, Wadenkrämpfe, Zahnfleischbluten… Bin ich froh, dass ich mich erst während der Schwangerschaft mit möglichen Wehwehchen auseinander gesetzt habe und nicht bereits davor.

Wie ich meine Schwangerschaft dann wirklich erleben durfte, könnt ihr im zweiten Teil lesen.

{Fundstück} Ehrfurcht

Das Kind, das du geboren hast, wiegt zehn Pfund.
Davon sind acht Pfund Wasser und je eine Handvoll Kohlenstoff, Kalk, Stickstoff, Schwefel, Phosphor, Kalium und Eisen.
Du hast acht Pfund Wasser und zwei Pfund Asche zur Welt gebracht.
Und jeder Tropfen dieses deines Kindes war einmal Dunst einer Wolke, ein Schneekristall, Nebel, Tau, ein Bach und das Abwasser eines städtischen Kanals.
Jedes Atom Kohlenstoff oder Stickstoff war einmal Bestandteil von Millionen verschiedener Verbindungen.
Du hast nur das alles zusammengefügt, was schon vorhanden war.

Die Erde schwebend, im unendlichen Raum.
Ihr naher Gefährte, die Sonne, fünfzig Millionen Meilen weit entfernt.
Der Durchmesser unserer kleinen Erde, das sind nur dreitausend Meilen feurig glühender Masse mit einer dünnen, in der Mächtigkeit von zehn Meilen erstarrter Schale.
Auf dieser dünnen, mit Feuer erfüllten Schale, inmitten von Ozeanen, eine Handvoll festes Land.
Auf dem Land, zwischen Bäumen und Sträuchern, Insekten, Vögeln, Tieren, wimmelt es von Menschen.
Und unter den Millionen Menschen hast du noch ein – ja, was denn? – Hälmchen, ein Stäubchen zur Welt gebracht, ein Nichts…

Aber dieses Nichts ist ein leibhaftiger Bruder der Woge im Meer, des Sturmwindes, des Blitzes, der Sonne und der Milchstrasse.
Dieses Stäubchen ist ein Bruder der Getreideähre, des Grases, der Eiche, der Palme – des Gelbschnabels im Vogelnest, des Löwenjunges, des Füllens und des kleinen Hundes.
In ihm ist etwas, das empfindet, untersucht – duldet, begehrt, sich freut, liebt, vertraut, hasst – glaubt, zweifelt, an sich zieht, abstößt.
Dieses Stäubchen umfasst mit seinen Gedanken alles: Sterne und Ozeane, Berge und Abgründe.
Und was ist der Inhalt der Seele anderes als das All, nur ohne Dimension.

Janusz Korczak


gefunden in WirbelWind 6/2013