Flourid in Zahnpasta – tödliches Gift?

Regelmäßig werden neue alte Säue durchs mediale Dorf getrieben. Letztens überhörte ich ein Gespräch in meinem neuen Babykurs zum Thema Flourid in Zahnpasta für Babies. Ein Artikel sei erschienen: “Zahnpasta – Vergiftung auf Raten”. Schon allein beim reißerischen Titel stellten sich meine Nackenhaare auf. Da ich noch nichts dergleichen gehört hatte und bei der Mausemaus gerade der erste Zahn durchbricht, wollte ich mir selbst ein Meinung bilden.

Seit Mitte des Monats sorgt ein Blogbeitrag für Verunsicherung bei vielen Eltern. Da ich den Link hier nicht einbinden möchte, kann jeder bei Interesse selbst nach dem Titel des Blogbeitrags (siehe oben) googeln und den ellenlangen Artikel lesen. Es geht um Flouridierung der Zähne mittels Zahnpasta und deren schädlichen Eigenschaften – Flourid sei krebserregend, giftig, den Zahnschmelz zerstörend, schädige sämtliche Körperfunktionen, sei tödlich für Kinder und, ach ja, durch Ablagerung im Gehirn schwäche es die menschliche Willenskraft… Eine weitere Aufzählung erspare ich euch, dass würde den Rahmen dieses Posts sprengen. Also reines Teufelszeug.
Wenn man versucht, nach dem Autor dieses Artikels zu googlen, findet man… nichts. Das erhöht die Seriösität seiner Homepage natürlich gewaltig. Diverse andere Portale und Foren springen auf den selben Zug auf. Und das ist auch nicht das erste Mal, dass Flourid auf einschlägigen Seiten als Gift an den Pranger gestellt wird. Es kursieren ganze Verschwörungstheorien um den Kariesschutz mittels Flourid (hier oder dort)…

Zum heutigen (wissenschaftlichen) Stand der Kenntnis:

Karies entsteht durch Bakterien, die sich im Zahnbelag aufhalten und Zucker, welche wir bspw. über die Nahrung aufnehmen, abbauen. Dabei entstehen Säuren, die den Zahnschmelz angreifen, ihn porös machen und es dadurch den Bakterien ermöglichen, weiter in die Zahnsubstanz einzudringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, diesem Kreislauf entgegen zu wirken. Zum einen sorgt bereits die Zusammensetzung des eigenen Speichels dafür, dass kleinere Schäden im Zahnschmelz repariert werden. Zum anderen kann man durch regelmäßiges Zähneputzen den Zahnbelag entfernen und somit die Bakterienzahl verringern. Der maßvolle Genuß zuckerhaltiger Lebensmittel verringert ebenfalls das Kariesrisiko durch Entzug der Nahrungsgrundlage für die kariesbildenden Bakterien.

Flouride sind bereits Bestandteil des Zahnschmelzes und kommen auch im Speichel vor. Bei äußerlicher Zufuhr von Flouriden durch flouridhaltige Zahnpasta und -lacke, sowie in Tablettenform oder über die Ernährung, werden diese in den Zahnschmelz eingebaut und härten ihn. Dadurch wird der Zahn widerstandsfähiger gegen den Säureangriff der Bakterien und in der Folge auch gegen Karies. Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) hat auf den eingangs erwähnten Blogpost mit einer Stellungnahme reagiert und nochmals versichert, dass Flourid wirksam vor Karies schützt.

Die Flouridprophylaxe kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen. Die Empfehlungen der BZÄK zur Zahnpflege bei Säuglingen schlägt vor, ab dem Durchbruch des erstens Zahns einmal täglich mit einer erbsengroßen Menge flouridhaltiger Kinderzahnpasta (500ppm Flourid) zu putzen. An dem zweiten Lebensjahr dann zwei Mal täglich und erst ab dem 6. Lebensjahr auf Erwachsenenzahnpasta umzusteigen. Zusätzlich wird zum Einsatz flouridhaltigen Salzes beim Kochen geraten. Die gleichzeitige Einnahme von Flouridtabletten sollte vermieden werden. Bei einem erhöhten Kariesrisiko (Karies ist bereits aufgetreten, hohe Anzahl kariesverursachender Bakterien, zuckerhaltige Ernährung, geringer Speichelfluss) ist es möglich, ab dem dritten Lebensjahr zusätzlich ein Flouridgel oder -lack auf die Zähne aufzutragen. Diese beinhalten hochdosiertes Flourid und sollten nur vom Zahnarzt angewandt bzw. verordnet werden.
Die Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hingegen empfiehlt eher die Gabe flouridhaltiger Tabletten unabhängig vom Zahndurchbruch, da Säuglinge und Kleinkinder Zahnpasta noch nicht, wie u.a. vom Hersteller empfohlen, nach dem Zähneputzen ausspucken können und dass ein nennenswert kariesprophylaktischer (vorbeugender) Effekt nach den von der DGKJ bevorzugten Studien sowieso erst mit den Erwachsenenzahnpastas zu erreichen sei.

Bei zu großer Flouridaufnahme, droht die Gefahr der Flourose. Erst entstehen weißliche, später bräunliche Flecken auf den Zähnen, die auf einen zu hohen Flouridanteil deuten und den Zahnschmelz schwächen. Langfristig kann es zur Knochenflourose kommen, wodurch die Knochen weniger belastbar werden und schneller brechen.
Die akute Flourose (Flouridvergiftung) kann neben Übelkeit und Bauchschmerzen in seltenen Fällen auch zum Tod führen. Um derart giftige Flouridkonzentrationen zu erreichen, müsste ein 20 kg schweres Kind bspw. den Inhalt einer gesamten Erwachsenenzahnpastatube aufessen. Es sind allerdings Fälle beschrieben worden, wo sich Kinder durch die (unbeaufsichtigte) übermäßige Aufnahme von Flouridtabletten oder das Abschlucken von flouridierten Zahngel beim Zahnarzt tödlich vergifteten.

Fazit: Welcher Meinung man sich nun anschließt, bleibt jedem selbst überlassen. Wie überall im Leben kommt es auch bei der Kariesprophylaxe auf das Maß an. Ich für meinen Teil, finde es logischer, neben einer gründlichen Zahnhygiene (zwei Mal täglich, ein Mal davon mit kindgerechter Zahnpasta) und zuckerarmen Ernährung (kein Dauernuckeln der Milchflasche, zuckerfreie Getränke und am besten sowieso Wasser als Durstlöscher), Flourid da einzusetzen, wo es wirken soll, also als Zahnpasta. Sollten kleinste Mengen abgeschluckt werden, dürften sie selbst nach den Erkenntnissen der DGKJ keinen Schaden hervorrufen. Vor der chronischen oder akuten Flourose habe ich eigentlich keine Angst, da wir auf die Tabletten verzichten und kein flouridiertes Trinkwasser nutzen. Das mit dem Salz kann man sich ja ggf. noch überlegen, aber bisher gibt es das in unserer Küche nicht.

Und jetzt entschuldigt, ich muss noch Zähne putzen.

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Das große Zahnen hat begonnen

Die erste Zahnungswelle trat schon mit vier Monaten auf. Mausemaus kaute auf allem herum, mit Vorliebe auch auf Mamas Fingern oder Unterarm. Der Speichel floß in Strömen. Meine Mutter unkte bereits, dass sicher die ersten Zähne unterwegs seien. Aber es geschah nichts. Das übermäßige Kauen und Sabbern ließen nach. Der Gaumen blieb glatt und zahnlos.

Um den Jahreswechsel herum setzte das große Sabbern plötzlich wieder ein. Der Unterkiefer war auf Höhe der unteren Schneidezähne leicht erhaben und seit einigen Tagen spielte Mausemaus mit ihrer Zunge ständig an ihrer unteren Kauleiste herum.

Nun auch zu dritt im Zahnbürstenbecher.

Nun auch zu dritt im Zahnbürstenbecher.

Gestern konnte ich plötzlich mit der Fingerspitze einen kleinen Zahn spüren und kurz darauf, mit etwas gut Zureden, auch sehen. Die meisten Babys bekommen statistisch gesehen mit 6-8 Monaten ihren ersten Zahn. Da ist Mausemaus etwas später dran, aber wie bei allen Entwicklungsschritten heißt das ja noch lange nichts. Bin gespannt, wie es an der Zahnfront jetzt weiter geht… Zahn um Zahn oder viele auf ein Mal? Auch wenn Mausemaus mit einem hartnäckigen Schnupfen und zu allem Überfluss noch die letzten Nächte mit Pseudokrupp zu kämpfen hatte, schien ihr der Zahn die wenigsten Probleme zu bereiten. Wie war das denn bei euren Kindern? Hattet ihr schlaflose Zahnungs-Nächte oder waren die Zähne plötzlich da?

Vor allem freue ich mich nun auf die ersten Putzversuche. Auch wenn Mausemaus es immer ganz witzig fand, auf ihrer Zahnbürste herum zu kauen, ließ sie sich in letzter Zeit doch ungern auf ihrer Kauleiste herumtasten. Und dann noch die Zahnpasta dazu. Und das zwei Mal am Tag… Das wird sicher lustig.