Heute bei der Post – oder Gestatten, Dreist

Wie viele Andere war auch ich heute noch unterwegs, um die letzten Weihnachtspäckchen auf die Reise zu schicken. Also noch schnell in unsere Mini-Post-Filiale im örtlichen Baumarkt. Aus Bequemlichkeit und Zeitmangel (die Post macht schließlich pünktlich um 12Uhr zu) wird die achteinhalb Kilo Mausemaus auf dem einen Arm und der Korb mit den Päckchen auf dem anderen balanciert und der Platz in der Warteschlange (7. Stelle) eingenommen. Zum Glück sind beide Schalter besetzt. Es sollte also nicht so lange dauern. Hinter mir reihen sich schon die nächsten Last-Minute-Absender ein.

Kurz darauf kommt eine Dame dazu, Mitte 50, mit zwei Briefen in der Hand und einem Fuss bereits in der Schlange vor mir und fragt ganz scheinheilig: “Stehen Sie hier etwa alle an? Eben war die Schlange doch schon so lang…” (Öhm, nein… wir wissen nur nicht, was wir sonst am Samstag vor Weihnachten machen sollen und stehen einfach so mit Päckchen in der Hand im Gang rum…) Ich dann zu ihr, demonstrativ Kind und Päckchenkorb zurecht rückend: “Naja, das wird sich wohl heute auch nicht ändern…” Sie schaut nur kurz bratzig und reiht sich still und heimlich hinter mir ein (wahrscheinlich ist die Wartende hinter mir einfach nur sprachlos und wehrt sich nicht).

Die Schlange wird flott abgearbeitet, bald sind nur noch die Schalter vor uns besetzt und wir die Nächsten an der Reihe. Mausemaus wird auch langsam unruhig, aber alles noch im Rahmen. Aus dem Augenwinkel seh ich, wie die Dame, Mitte 50, mit zwei Briefen in der Hand, langsam neben mir und schließlich vor mir zu stehen kommt. Das kann ich ja haben… Erst später kommen und dann vormogeln. Also werfe ich ihr einen eindeutigen Wage-es-ja-nicht-Blick zu, den sie auch noch erwidert. Und, schwups, steht sie am Schalter. Na gut, denke ich mir, sind ja nur zwei Briefe, wahrscheinlich will die Dame sie nur persönlich am Schalter abgeben, statt draussen in den Briefkasten zu werfen (der dazu noch neben einem intakten Briefmarkenautomat steht). Mit halbem Ohr bekomme ich jedoch mit, wie sich ein Gespräch über Porto und Briefmarken entwickelt – wie dreist! Zum Glück ist der zweite Schalter nun frei und ich kann meine Päckchen abgeben, bevor mir beide Arme abfallen.

Ich bin meist sprachlos, bei soviel Dreistigkeit. Diese Frau gehört eindeutig zur Kategorie Frau-über-50-mir-gehört-die-Welt: mit dem Einkaufskorb von der Seite in die kilometerlange Schlange an der Kasse im Supermarkt reinmogeln und dann so tun, als würde man das Ende der Schlange nicht bemerken. Oder sich in der Bahn nicht an die erst-aussteigen-dann-einsteigen-Regel halten, nur um sich ja einen Platz zu ergattern (und sich beim Austeigen aus der rappelvollen Bahn ähnlich dreist und ellenbogenboxend einen Platz an der Tür sichern, ohne sich darum zu scheren, dass die zehn Mitreisenden vor der Tür ebenfalls gleich aussteigen wollten). Ihr habt sicher noch andere Beispiele (gern in den Kommentaren).

Wie reagiert man da am besten?

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