{Buch-Tipp} Auch Engel mögen’s heiß

Ich mag die Bücher von Linda Howard, vor allem die Ladykrimis, wie ich sie mal nennen würde. Der Plot ist zwar meist nicht sehr tiefgründig, ganz im Gegenteil verläuft er häufig nach dem Motto einsame/verlassene/ungeküsste Frau gerät (un)wissentlich in arge Bedrängnis und wird vom unerwarteten/zufälligen/1000Mal berührten(nie geküssten), immer gut aussehenden/muskulösen/häufig waffenerfahrenen Helden aus der tödlichen Gefahr gerettet.

Die Romane können den Werken skandinavischer Krimi-Autoren bei weitem nicht das Wasser reichen. ABER, darum geht es mir auch nicht, wenn ich nach einem Howard greife. Ich will mich einfach nur mal gut unterhalten. Und das tun die Romane, denn Howard versteht es, mit frechen Dialogen eine kurzweilige, spannende Geschichte zu erzählen und das ganze mit einer Prise knisternder Romantik zu würzen (ohne ins Schnulzige abzudriften).

Nun aber zu dem Buch, dass bis vor kurzem noch auf meinem Nachttisch lag.

In “Auch Engel mögen’s heiß” beschließt Daisy Minor, Bibliothekarin eines Kaffs im Süden der USA und lebendes Klischee der alten Jungfer, am Morgen ihres 34. Geburtstags, ihr Leben grundlegend zu ändern. Sie hat das Singlesein satt und nur ein komplettes Make-over, der Auszug aus dem Elternhaus und der Besuch der Clubs der Region sollen ihrem Leben endlich Schwung und Sinn geben können. Bei einem ihrer ersten Besuche in einem der berühmt berüchtigten Clubs, trifft sie dabei nicht nur immer wieder auf den örtlichen Polizeichef Chief Jack Russo, der es sich zur Aufgabe gemacht zu haben scheint, Daisy vor allem Ungemach zu bewahren, ungewollt gerät sie dabei auch ins Visier einer Menschenschlepperbande und ihr langweiliges Dasein als graue Bibliothekarin nimmt ein jähes Ende.

Hier ein kleiner Auszug zum Appetitanregen, Daisy und der Chief sitzen in seinem Wagen:

“Nehmen Sie’s  mir nicht krumm, Miss Daisy, aber Ihren Gedanken zu folgen ist, als wollte man ein Karnickel auf Speed einfangen.”
Sie nahm es ihm nicht krumm […]. Stattdessen sagte sie: “Ich wünschte, Sie würden nicht ständig Miss Daisy zu mir sagen. Das klingt so nach –” sie wollte schon “alte Jungfer” sagen, aber diese Bezeichnung hätte sie doch zu sehr getroffen, “verkalktem Fossil.”
Schon wieder kaute er auf seiner Wange herum.
“Wem das Haarnetz passt…”
“Ich trage kein Haarnetz!”, brüllte sie und sackte dann überrascht auf den Sitz zurück. Sonst brüllte sie nie. Sie verlor nie die Beherrschung. Womöglich war sie nicht nahtlos höflich zu ihm gewesen, aber sie hatte ihn auch noch nie angebrüllt. Allmählich begann sie sich Sorgen zu machen; ob es wohl ein Gesetz gab, das es verbot, einen Angehörigen der Polizei anzubrüllen? Ihn anzubrüllen war etwas anderes, als einen Polizisten anzubrüllen, der einen wegen einer Geschwindigkeitsübertretung angehalten hatte – nicht dass sie je zu schnell gefahren wäre –, aber immerhin war er der Polizeichef. Und das war vielleicht noch schlimmer –
“Sie haben schon wieder abgehoben”, knurrte er.
“Ich habe nur überlegt, ob es wohl ein Gesetz gibt, das es verbietet, einen Polizeichef anzubrüllen”, gab sie zu.
“Sie haben Angst, Sie könnten in den Knast wandern, weil sie gebrüllt haben?”
“Es war respektlos. Bitte verzeihen Sie. Für gewöhnlich brülle ich nicht, aber für gewöhnlich wird mir auch nicht unterstellt, ich würde ein Haarnetz tragen.”
“Ich kann verstehen, dass Sie das trifft.”
“Wenn Sie noch länger auf Ihrer Backe herumbeißen”, bemerkte sie, “werden Sie sie nähen lassen müssen.”
“Ich werde mich bemühen, es nicht wieder zu tun. Und nur zu Ihrer Information, ich habe Sie lediglich aus Hochachtung mit Miss Daisy angsprochen.”

Und noch ein Auszug, Daisy und der Chief tanzen gerade zusammen bei einem ihrer Clubbesuche:

Ihr fehlten die Worte. Oder genauer gesagt höfliche Worte. Ihr kam schon einiges in den Sinn, was sie gern gesagt hätte, wenn sie nicht befürchtet hätte, dass Gott sie dann tot umfallen lassen würde.
Er grinste. “Wenn Sie jetzt Ihr Gesicht sehen könnten …” Sein rechter Arm schloss sich fester um sie, dann drehte er sie so schwungvoll herum, dass sie sich an seiner Schulter einkrallen musste. Irgendwie tanzte sie nach dieser Drehung viel enger mit ihm, enger, als sie mit irgendeinem ihrer anderen Partner getanzt hatte. Ihre Brüste strichen über sein Hemd, sie spürte das Schaukeln seiner Hüfte und Beine, die sich an ihren vorbeischoben. Sie waren – ach du Schreck, eines seiner Beine war genau zwischen ihren.
Ganz unvorbereitet wurde sie von einer Hitzewelle überlaufen. Sie fühlte sich, als würde sie innerlich schmelzen, weich werden, als würden ihre Knochen die Substanz und ihre Muskeln jede Spannung verlieren. Es war ein höchst merkwürdiges Gefühl und ausgesprochen betörend.
“Chief…”
“Jack.” Sein Arm faste sie etwas fester, als wollte er bekräftigen, dass sie ihn endlich duzen sollte.
“Jack.” Sie schmolz wahrhaftig. Inzwischen hing sie praktisch in seinem Griff. Zwar bewegten sich ihre Füße noch und ließen sich von ihm führen, doch er trug fast ihr gesamtes Gewicht. “Du hälst mich zu fest.”
Er neigte den Kopf, sodass sein Atem über ihr Ohr strich, und antwortete: “Ich glaube, ich halte dich gerade richtig.”
Gut möglich, vorausgesetzt, er mochte zerfließende Frauen. Könne auch sein, dass sie eher pro forma als aufrichtig protestiert hatte, denn sie unternahm keinerlei Anstrengungen, sich aus seinem Griff zu lösen. Es war viel zu schön, sich so an ihn zu schmiegen, ihren weichen Körper mit seiner festen Gestalt verschmelzen zu lassen. Ihre Brüste drückten sacht gegen seine Rippen, was ihr gut gefiel. Unglaublich gut gefiel. Zu ihrer eigenen Überraschung entdeckte sie, wie bewusst sie den harten Muskeln unter ihrer Hand nachspürte, dem warmen Arm, der ihre Taille fasste. Warm … Oh, Gott, ja, er war warm. Seine Wärme und der moschusartige Duft hüllten sie ein und weckten in ihr den Wunsch, ihre Nase an seinem Hals zu reiben.
Sie wollte ihre Nase an Jack Russo reiben?
Der Schreck über diesen Gedanken verlieh ihr die Kraft, den Kopf zu heben. Er betrachtete sie mit eigenartig eindringlicher Miene; er sah zwar nicht streng aus, aber er lächelte nicht.
“Was ist denn los?”, fragte sie unverhältnismäßig leise.
Er schüttelte den Kopf. “Gar nichts.”
“Aber du siehst …”
“Daisy. Halt den Mund und tanz.”

Ich muss zugeben, dieser Roman bedient (ausnahmsweise ausgesprochen) viele Klischees, aber er liest sich einfach so weg. Ein Roman von Linda Howard eignet sich zum zwischendurch lesen, abends vor dem Einschlafen oder nachmittags gemütlich auf einer Couch (auch als Lückenfüller zwischen anspruchsvollerer Lektüre) und bei einem heißen Cappuccino, wenn draußen der Wind pfeift .

Für Mamas und Frauen empfehlenswert. Überschaubare 348 Seiten im Paperback.

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