Wenn ich kein Kind bekommen hätte…

Wenn ich kein Kind bekommen hätte, würde ich öfter durch- und vor allem ausschlafen. Ich könnte auch einfach mal länger liegen bleiben und sogar den Tag im Bett verbringen, wenn mir danach wäre.
Wenn ich kein Kind bekommen hätte, wäre meine Figur nicht dermaßen aus dem Leim gegangenen. Ich hätte eher diätet und mir keine Gedanken um Schadstoffe in der Muttermilch machen müssen.
Wenn ich kein Kind bekommen hätte, könnte ich einfach mal für ein Wochenende verreisen und Eltern oder Freunde besuchen. Ich könnte dabei überall übernachten, ob auf einer Couch oder im Bett oder auf dem Boden (obwohl… aus diesem Alter bin ich wohl raus). Und bräuchte maximal einen Rucksack für Wechselwäsche und Zahnbürste.
Wenn ich kein Kind bekommen hätte, könnte ich Alkohol trinken und Junk Food essen und wäre nur mir selbst Rechenschaft schuldig. Ich könnte den Gedanken darüber leichter verdrängen, welche (Nähr?)Stoffe ich gerade in meinen Körper pumpe.
Wenn ich kein Kind bekommen hätte, könnte ich den ganzen Tag Bücher lesen oder am PC die Welt retten. Ich könnte jederzeit ins Kino gehen oder in die Disco.
Wenn ich kein Kind bekommen hätte, würde ich jetzt noch arbeiten. Hätte aber niemals Büroluft geschnuppert und alternative Tätigkeitsfelder entdeckt (mit sehr viel besseren Arbeitszeiten).
Wenn ich kein Kind bekommen hätte, dann könnte ich auf bleiben, so lange ich will. Ich würde fernsehen, was ich will und schließlich ins Bett gehen, wenn mir danach ist. Oder einfach vor dem TV auf der Couch einschlafen.

Wenn ich kein Kind bekommen hätte, wüsste ich nicht, wie sich kleine Tritte von innen gegen die Bauchdecke anfühlen, wie aus dem zarten Klopfen im Laufe von Monaten kräftige Stöße werden, die man sogar von außen sehen kann.
Wenn ich kein Kind bekommen hätte, würde ich wahrscheinlich immer noch auf den perfekten Zeitpunkt für unsere Hochzeit warten. Und den für ein Kind sowieso.
Wenn ich kein Kind bekommen hätte, wäre ich nie über mich hinausgewachsen. Ich hätte mich nie so sehr fallen lassen können, wie ich es zur Geburt getan habe – ich war noch nie weniger “Kopf” als in der letzten Stunde der Geburt. Hätte nie echte Schmerzen erlebt. Nie diese weiblichste aller Erfahrungen gemacht.
Wenn ich kein Kind hätte, wüsste ich nicht, wie spannend es sein kann, (m)einem Baby dabei zuzusehen, wie es erst sich und dann die Welt entdeckt.
Wenn ich kein Kind hätte, würde dieser Blog nicht existieren.
Wenn ich kein Kind hätte, wäre mein Vater immer noch nur Randfigur im meinem Leben und nicht dein Opa, der dich abgöttisch liebt.
Wenn ich kein Kind bekommen hätte, wüsste ich nicht, wie erstrebenswert es ist, (m)ein Kind zum Lachen zu bringen. Dieses ansteckende Glucksen, dass manchmal schon durch einen Blick allein ausgelöst werden kann.

Wenn ich kein Kind bekommen hätte, gäbe es unsere kleine Familie nicht. Ich wüßte nicht, welch ein Fels in der Brandung mein Mann ist und wie sehr Familie und Freunde mir den Rücken stärken können, wenn es wirklich mal darauf ankommt.
Wenn ich kein Kind bekommen hätte, wüsste ich nicht, wie anstrengend Muttersein sein kann. Und wie herzerwärmend kindliches Urvertrauen.

Wenn ich kein Kind bekommen hätte, hätte ich dich niemals kennen gelernt.

Was für ein Glück, dass ich ein Kind bekommen habe. Was für ein Glück, dass es dich gibt.

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11 thoughts on “Wenn ich kein Kind bekommen hätte…

  1. Wieso sind die “Nachteile” eigentlich viel umfangreicher als die “Vorteile”? Für mich sieht es so aus, als ob es sich nicht lohnt Kinder zu bekommen…

    • Hallo Anne,

      naja, so wirklich sinnvoll sind “plus/minus”-Listen ja nie, weil die total subjektiv sind. Ich hätte wahrscheinlich jeden Punkt auf der einen Seite genauso widerlegen können, wie jeden Punkt auf der anderen Seite. Und je nach Stimmung würden mir sicher mehr Punkte für die eine oder andere Seite einfallen. Aber für mich überwiegt mittlerweile gefühlsmäßig beispielsweise der Punkt “Lachen meines Kindes” durchaus den Punkt “ins Kino gehen”, das eine ist jedes Mal einzigartig, dass andere genauso gut als DVD wiederholbar. Nur mal so als Beispiel.

      Ich habe aber auch Monate gebraucht, bis ich diese Aufzählung nicht mehr, so wie du, nur in Vor- und Nachteilen eingeordnet habe… Ich mußte eben erst ins Mamasein reinwachsen, wie viele andere auch.

      LG, Anja

  2. Pingback: 10 Gründe warum Mamasein toll ist! | Mama, Frau und Mensch - Blog

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