{Rückblick} Der Geburtsvorbereitungskurs

An sieben Terminen sollten meine Mann und ich also auf die Geburt vorbereitet bzw. mit dem theoretischen Rüstzeug für eine entspannte und natürliche Geburt ausgestattet werden. Da es sich um eine Geburt im Geburtshaus handeln sollte und davon ausgegangen wurde, dass die zukünftigen Väter sich aktiv an der Geburt beteiligten, wurden alle Termine des Kurses als Paar absolviert.

Der Kurs fing ca. 3 Monate vor unserem errechneten Entbindungstermin an. Am ersten Tag lernten wir uns gegenseitig (fünf Pärchen in freudiger Erwartung) und unsere Männer die Hebamme näher kennen. Dazu suchte sich jeder einen “Interview”-Partner (möglichst nicht den eigenen) und versuchte in einem kurzen “Pregnancy Speed Date” unter vier Augen möglichst viel über die Person, den bisherigen Verlauf der Schwangerschaft, den Stand zur Kinderzimmereinrichtung und ihr bisheriges und zukünftiges Leben im Allgemeinen herauszufinden. Zurück im Kursraum fasste man die Erkenntnisse über den anderen kurz zusammen – meist hatte man ein mehr oder weniger informatives Pläuschchen gehalten und sich einfach nur sympathisch gefunden. Wir waren also eine ganz nette Truppe, alle so im Alter von Mitte Dreißig und zum ersten Mal schwanger.

Die folgenden Termine kann ich einzeln gar nicht mehr auflisten, aber ich versuche mal, die Themen zusammen zu fassen. An einem Tag erklärte uns die Hebamme anhand sehr (!) anschaulicher Schaubilder, Fotos und einer Stoffpuppe (die Gebärmutter war ein gestrickter Sack) den Geburtsvorgang. Nun wussten wir also, wie so eine Geburt, zumindest theoretisch im Idealfall, ablief. Für mich war es wichtig zu sehen, wie der Körper es schafft, sich an die Veränderungen während der Geburt anzupassen. So konnte ich später bei der Geburt voll darauf vertrauen, dass mein Körper das schon alles richtig macht und mich nur darauf zu konzentrieren, zu atmen und auf die Anweisungen meiner Hebamme und die lieben Worte meines Mannes zu hören.

An einem anderen Tag besichtigten wir das Geburtszimmer und sprachen die möglichen Stellungen in der Geburt durch (eine von uns durfte auch immer anschaulich “vorturnen”): mögliche Stellungen in der Geburtswanne, Entspannungsübungen und Geburtstellungen am Reck, der Gebährhocker und natürlich alle möglichen Stellungen auf und am Bett. Die weit verbreitete Stellung auf dem Rücken liegend wurde dabei als unnatürlich für den Weg des Neugeborenen durch das Becken abgelehnt. Letztendlich wurde das “unsere” Stellung, obwohl ich alles andere in der Geburt zwar ausprobierte (außer der Wanne), aber schließlich keine Kraft mehr hatte (der Geburtsbericht folgt noch, nur soviel vorweg: bei mir hat’s einfach etwas länger gedauert).

Wir übten ebenfalls Entspannungsmöglichkeiten am Partner, auf dem Pezi-Ball, am Fensterbrett oder der Wand. Lernten Akkupressurpunkte zur Entspannung oder Stärkung in der Geburt kennen und ließen uns von den Männer Rücken und Kreuzbein massieren. Im Nachhinein fanden wir das eher unnötig. Zumindest wir hatten während der Geburt keinen Gedanken an Akkupressur oder Gymnastik am Pezi-Ball verschwendet (unsere Hebamme erstaunlicherweise auch nicht).

An einem Tag übten wir dann das Atmen. Also nicht so das typische “Hecheln”, sondern vielmehr, welche Atmung (tief, flach, langsam, schnell, “Ah” oder “Oh”) wir am einfachsten und angenehmsten fanden. Den richtigen Rhythmus würden wir bei der Geburt ganz automatisch wählen. Ich beispielsweise habe unter der Geburt wie eine Kuh gemuht, die nach ihrem Kälbchen ruft. Wenn man der Theorie folgt, dass Lippenstellung der Frau und Öffnung des Muttermunds miteinander zusammen hängen, sollte ich mich bei der nächsten Geburt vielleicht lieber auf ein weit geöffnetes “Ah” konzentrieren…

Rückblickend muss ich über den Abend schmunzeln, an dem wir eine ungefähre Ahnung erhalten sollten, wie sich Wehen… “anfühlen” ist das falsche Wort. Es ging eher darum, den Schmerz auszuhalten. Dazu stellte man sich wahlweise mit zur Seite ausgestreckten Armen hin oder lehnte sich mit rechtwinkligen Beinen an die Wand (also wie auf einem Stuhl sitzend mit der Wand als “Stuhllehne”) und hielt diese Stellung für einen immer länger dauernden Zeitraum von Minuten. Klar, beim sechsten Mal (mit kurzen Unterbrechungen) wurden einem die Arme bzw. Beine zwar echt schwer, aber mit Wehen hatte das wirklich nicht viel gemein.

Interessant waren immer die Brainstorming-Runden. Dazu versammelten sich Männer und Frauen getrennt und schrieben ihre Gedanken zu bestimmten Themen auf (Was erwarte ich von meiner Hebamme, welche Erwartungen oder Sorgen habe ich in Bezug auf die Geburt, was erwarte ich von meinem Partner?), die dann in der gesamten Gruppe durchgesprochen wurden. Es war interessant, dass man sich gegenseitig um einander Gedanken macht (Hält meine Frau/mein Mann das aus?) oder selbst während der Geburt meint, sich um seinen Mann kümmern zu wollen (Er soll ja genug essen und trinken und lieber den Raum verlassen, als unter allen Umständen da zu bleiben, wenn er “es” nicht mehr aushält). Mädels, wenn ihr schwer muhend (oder ah- und ohend) da liegt/sitzt/hockt/steht, ist euch der Ernährungszustand eurer Männer (und euer eigener) schnurz. Ausserdem sind sie nicht aus Pappe und werden (i.d.R.) einen Teufel tun und zwischendurch eure Seite verlassen. Selbst mein Mann, der gerade in Stresssituationen gern mehr raucht als sonst, hat erst den Raum verlassen, als unsere Kleine ruhig atmend auf meiner Brust lag.

Zusammenfassend (total subjektiv!) war der Kurs für mich ein netter Zeitvertreib mit netten Menschen, der mir zumindest ein wenig die Angst vor der Geburt nahm (und was besseres kann es doch für eine Schwangere nicht geben!). Wirklich angewendet haben wir keine der geübten “Massnahmen”. Selbst unsere sonst so “alternative” Hebamme hat keine weiteren Hilfsmittel angeboten, wie Akkupressur, Homöopathie, Akupunktur oder Kaffee-Tamponaden als Dammschutz. Mein Mann war im Nachhinein richtig enttäuscht, hatte der Kurs ihn doch nicht im Mindesten auf das vorbereiten können, was er dann wirklich erlebt hat (schwere Geburt, um Hals gewickelte Nabelschnur und blaues Neugeborenes, dass zum Atmen animiert werden musste). Allerdings muss das auf eure Geburt nicht zutreffen – ich wünsche euch das von ganzem Herzen!

Den nächsten Geburtsvorbereitungskurs werde ich auch wieder mitmachen. Vielleicht ist der ja realitätsnaher. Ihr werdet es lesen können.

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