{Schwangerschaft} Geburtshaus vs. Kreißsaal – die Qual der Wahl

Ich stand vor der Wahl (Geburtshaus oder Kreißsaal), habe gewählt (Geburtshaus), und doch nicht das bekommen, was ich wollte (Kreißsaal). Zum Glück, denn bei uns gab es Komplikationen. Ich wäre wohl so oder so im Krankenhaus gelandet, weil meine Wehen nicht wirklich muttermundwirksam waren. So hatten wir Glück im Unglück, da unsere Tochter gleich nach der Geburt auch noch in die örtliche Kinderklinik verlegt werden musste. Davon schreibe ich allerdings ein anderes Mal.

In diesem Beitrag soll es um den Vergleich bzw. die Unterschiede zwischen der Geburt im Geburtshaus und einer im Krankenhaus gehen. Da viele werdenden Mamas und einige Schon-Mamas gar nicht so richtig wissen, was ein Geburtshaus im Vergleich zum Kreißsaal im Krankenhaus ist, möchte ich ein paar Informationen dazu bieten (wohlgemerkt, das sind meine Erfahrungen, also nichts universell Geltendes). Ihr könnt mir gern in euren Kommentaren mitteilen, wie ihr eure Geburten jeweils empfunden und ob ihr andere Erfahrungen gemacht habt!

Geburtshaus = In einem Geburtshaus arbeiten eine oder mehrere Hebammen und man kann dort sein Kind (in der Regel zusammen mit dem Partner) zur Welt bringen. Diese Hebammen haben eine Zusatzqualifikation, die ihnen auch das Betreuen von Hausgeburten (was anderes ist eine Geburtshausgeburt im Prinzip nicht) erlaubt. Das Konzept von Geburtshäusern ist meist ähnlich: Eine Geburt wird als selbstverständlichste Sache der Welt betrachtet, bei der die Gebärende die Möglichkeit haben soll, Art und Weise sowie Geschwindkeit der Geburt selbst zu bestimmen. Meist werden alternative Methoden wie Homöopathie und Akupunktur zur Behandlung von Beschwerden in der Schwangerschaft oder begleitend zur Geburt angeboten.

Kreißsaal = Die Kreißsäle (manchmal auch Geburtszimmer genannt) werden durch mehrere diensthabenden Hebammen und einen Arzt betreut. Ob gegebenenfalls alternative Methoden angeboten werden, kann ich nicht beurteilen. Allerdings gibt es antroposophische Krankenhäuser und Frauenkliniken, die von sich aus eine mehr ganzheitliche Herangehensweise haben und wo alternative Methoden sicher auch eine Rolle spielen (Beispiel Klinik Havelhöhe in Berlin).

Location/Ausstattung: Ein Geburtshaus ist nicht zwangsläufig ein “Haus”, meistens handelt es sich dabei um ein paar Räume, ähnlich einer Arztpraxis, nur ohne den klinisch-sterilen Flair (und den Desinfektionsgeruch). Es gibt einen “Aktivitäten”-Raum mit Matten und Kissen, wo die Geburtsvorbereitungskurse, Rückbildungsgymnastik und andere Kurse durchgeführt werden. Dann stehen noch ein oder mehrere Räume zur Vorsorge (Gespräche und Untersuchungen durch die Hebamme, CTG, Akupunktur usw.) und/oder als Geburtszimmer zur Verfügung. Das Geburtszimmer ist wohnlich gestaltet, mit großem Bett, Bildern an der Wand und Wickeltisch. Darüber hinaus befindet sich dort eventuell noch eine Geburtswanne, eine Sprossenwand und/oder andere geburtsunterstützenden Hilfsmittel (Pezi-Ball, Tuchseil, Geburtshocker etc.). Für die Mama steht auch ein Badezimmer zur Verfügung.
Das nächste Krankenhaus (Frauen- bzw. Kinderklinik) ist in der Regel in wenigen Minuten erreichbar. Besteht die Schwangerschaft jedoch 14 Tage nach errechnetem Entbindungstermin, wird die Geburt auf jeden Fall in die Klinik verlegt!

Die Anzahl der Kreißsäle ist je nach Größe der Frauenstation unterschiedlich. Ich dachte ehrlich noch, das ein Kreißsaal was OP-mäßiges an sich hat. Allerdings sind die Geburtsräume, welche ich gesehen habe (zwei verschiedene Krankenhäuser), kaum von dem Zimmer in unserem Geburtshaus zu unterscheiden gewesen und verfügten über dieselbe Ausstattung.
Viele Krankenhäuser haben eine Kinderstation oder das Baby wird im Notfall an die nächste Kinderklinik verlegt.

Personal: In manchen Geburtshäusern sucht man sich eine Hebamme aus, die dann die Vorsorge und Nachsorge übernimmt und natürlich auch die Geburt begleitet. In anderen Geburtshäusern sucht man sich zwar auch eine (Stamm-)Hebamme aus, allerdings gibt es einen geregelten Bereitschaftsdienst für die Geburten, das heißt, man macht die Geburt mit der diensthabenden Hebamme (wenn man Glück hat, die “eigene”), die man im besten Fall vorher wenigstens durch einen Kurs oder beim Besuch des Geburtshauses schon mal kennengelernt hat. Dauert die Geburt über einen Schichtwechsel hinaus, so begleiten auch mehrere verschiedene Hebammen die Gebärende durch die Geburt. Meine Hebamme war praktisch mit einer Beleghebamme gleichzustellen, d.h. sie begleitete meine Geburt auch im Krankenhaus hauptverantwortlich weiter. Dazu bestehen Kooperationsverträge mit dem entsprechenden Krankenhaus. Gibt es einen solchen nicht, darf die Hebamme auch nicht hauptverantwortlich begleiten (also vorher abklären, ob im Ausweichkrankenhaus zusammen mit der Hebamme entbunden werden kann). Ich war also selbst im Krankenhaus nicht auf eine fremde Hebamme angewiesen. Hebammen eines Geburtshauses bieten einen Bereitschaftsdienst (Tag und Nacht, sowie persönliche Anwesenheit (d)einer Hebamme um den Geburtstermin herum), der über die Ereichbarkeit einer “normalen” Hebamme hinaus geht. Dafür wird eine Pauschale (150-350 Euro) erhoben, die je nach Krankenkasse ganz (bspw. Securvita), teilweise (bspw. Techniker Krankenkasse) oder gar nicht übernommen wird.

Es gibt noch wenige Beleghebammen, die mit bestimmten Krankenhäusern zusammen arbeiten und dort ebenfalls die Geburt mitbetreuen.

Wenn die Geburt im Krankenhaus mit der diensthabenden Hebamme und dem Arzt durchgeführt wird, kann man je nach Dauer der Geburt unterschiedliche Methoden der Betreuung erfahren (von robust bis mitfühlend). Manchmal kann der Eindruck entstehen, man stünde unter “Zeitdruck” und dass schneller ein Wehentropf angelegt oder gar ein Kaiserschnitt anberaumt wird.

Während der Geburt: Die Gebärende kann mehr oder weniger selbst bestimmen, wann sie zur Geburt in das Geburtshaus fahren will. Möglicherweise kommt die Hebamme auch erst nach Hause und überprüft den Fortgang der Geburt (Öffnung Muttermund etc.), bevor zusammen entschieden wird (noch Warten, ab ins Geburtshaus oder Hausgeburt). Die Hebamme führt die Geburt normalerweise allein mit der Gebärenden und ihrem Partner durch.

Ist eine Geburt im Krankenhaus geplant, fährt die Gebärende i.d.R. mit Eintritt der Wehen selbst zur Klinik. Manchmal wird man allerdings auch wieder nach Hause geschickt, wenn es sich noch nicht um regelmäßige oder ausreichend starke Wehen handelt. Der Vater darf bei der Geburt im Kreißsaal ebenfalls anwesend sein. Je nach Klinikkonzept und Geduld und Erfahrung der Hebamme und/oder des diensthabenden Arztes wird der Mutter ermöglicht, das Tempo selbst zu bestimmen oder nach Ablauf einer bestimmten Zeit eingegriffen (Wehentropf, PDA, manuelle Sprengung der Fruchtblase, Benutzung von geburtshilflichen Hilfsmitteln wie Zange oder Saugglocke, Kaiserschnitt).

Bei Komplikationen: Sobald bspw. bei Wehenschwäche ein Wehentropf gelegt werden muss oder andere Komplikationen eintreten (Geburtsstillstand, Gefahr für Mütter oder Kind), wird die Geburt aus dem Geburtshaus in die nächste Frauenklinik verlegt. Bei meiner Geburt gab die Hebamme im Geburtszimmer der Klinik nach meinem Einverständnis die entsprechenden Anweisung zur Legung des Wehentropfes bzw. später der PDA. Die Geburt selbst betreute sie allein weiter und bekam erst Hilfe durch die Hebammen des Krankenhauses, als es nicht weiter gehen wollte.

Bei der Geburt im Kreißsaal können weitere Hebammen zur Hilfe angefordert werden. Bei Komplikationen wird sofort der diensthabende Arzt hinzugezogen.

Nach der Geburt: Wurde die Geburt im Geburtshaus beendet, so bleibt man in der Regel ca. drei Stunden dort (währenddessen führt die Hebamme die ersten Untersuchungen beim Baby durch) und fährt danach einfach mit dem Baby nach Hause.

Nach Einer Geburt im Krankenhaus bleiben Mutter und Kind i.d.R. noch drei Tage zur Überwachung auf der Mutter-Kind-Station. Wenn man Glück hat, kann man auch eines der wenigen Familienzimmer ergattern, wo die frische Familie inkl. Papa für sich bleiben und alle gemeinsam übernachten können.

Vorteile/Nachteile kurz zusammengefasst (kein Anspruch auf Vollständigkeit!)

Geburtshaus
+
Betreuung durch ein und dieselbe Hebamme in Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge (soweit gewünscht)
+ Geburt in wohnähnlicher Umgebung und ohne Zeitdruck
– keine Hilfe durch weitere Hebammen

Aktuell: Leider können immer weniger Hebammen ihrem Beruf freiberuflich (im Geburtshaus oder als Beleghebamme) nachgehen, da die Versicherungssätze ständig erhöht werden und viele Hebammen sich diese nicht mehr leisten können. Was sehr schade ist!

Kreißsaal
+ durch das Schichtsystem sind die Hebammen i.d.R. ausgeruht und nicht durch eine Häufung von betreuten Geburten in kurzer Zeit überfordert
+ es steht sofort ein Arzt zur Verfügung
+ kurze Wege in den OP und zur Kinderstation
– Betreuung durch unbekannte Hebamme mit eventuell unangenehmen Stil (“Stellen Sie sich mal nicht so an…”) – Spezialfall Beleghebamme!

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4 thoughts on “{Schwangerschaft} Geburtshaus vs. Kreißsaal – die Qual der Wahl

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